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Die mid-Zeitreise: Audi A6 - "Alle Neune" unter der Haube

Am 13. Juni 1994 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 39. Jahrgang über den Audi A6.

Was früher Audi 100 hieß, kommt ab sofort als A6 daher. Das Flaggschiff in dieser Baureihe nennt sich jetzt S6. Vor allem unter der Haube hat sich viel getan. Neun Motorvarianten locken den Käufer. Und vor allem drei starke Turbodiesel mit Direkteinspritzung (TDI) sollen Überzeugungsarbeit für die vier Ringe leisten. Die Preispalette reicht von 44.900 DM für den A6 mit 2.0-Liter-Benzin-Motor und 74 kW/101 PS über rund 50.000 DM für die Selbstzünder bis hinauf zu 101.850 DM für den S6 mit 4,2-Liter-V8-Aggregat und 213 kW/290 PS.

Ansonsten aber muss man schon genau hinsehen, um den A6 von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Ein geänderter Kühlergrill, umrahmt von nun schräg angeschnittenen Frontscheinwerfern, neu gestaltete Heckleuchten und in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger - das ist fast schon alles, was Audi von außen Neues zu bieten hat. Auch der Innenraum verspricht keine Sensationen. Wichtigste Änderungen: Statt der unbequemen Rahmenkopfstützen gibt es jetzt die übliche Vollschaum-Ausführung. Das Lenkrad lässt sich in zwei Ebenen der individuellen Sitzposition anpassen.

Neu ist auch eine in den Tageskilometerzähler integrierte Service-Intervall-Anzeige. Zwei Airbags gehören nun zur Serienausstattung, außerdem eine neuartige Kindergurtsicherung. Sie verhindert das Abrollen des Gurtes während der Fahrt, so dass schlafende Kinder nicht nach vorn sinken können. Eine ABS-Bremse der neuesten Generation, Zentralverriegelung, Servolenkung und elektrische Fensterheber vorn komplettieren die serienmäßige Grundausstattung. Dieben soll eine elektronische, ins Motormanagement eingreifende Wegfahrsperre das Handwerk legen. Ohne den im Originalschlüssel integrierten Mikrochip, der von einem Steuergerät einen ständig wechselnden Code empfängt, lässt sich der Audi A6 nicht starten.

Das Motorenprogramm kann sich sehen lassen. Sind bei den Benzinern in Bezug auf Vielfalt kaum noch Wünsche offen, so bilden die Turbodiesel mit Direkteinspritzung die eigentliche Überraschung. Als Basis dient der 1,9-Liter-TDI, der schon im Vorgänger seinen Dienst verrichtet hat. Durch Detailarbeiten steht sein maximales Drehmoment von 202 Nm jetzt jedoch schon bei 1.900 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung. Beim Vorgänger waren es 182 Nm bei 2.250 Umdrehungen. Die Leistung liegt bei 66 kW/90 PS, die Spitzengeschwindigkeit bei 177 km/h. Noch vitaler geht es beim 2,5-Liter TDI zu. Je nach Modifizierung - wahlweise 85 kW/115 PS oder 103 kW/140 PS - steht das Drehmoment von 265 Nm und 290 Nm jeweils bei 1.900 U7min bereit. Die Spitzengeschwindigkeit wird mit 195 km/h beziehungsweise 208 km/h angegeben. Bis auf die stärkste Variante, die erst ab Herbst lieferbar ist, stehen die übrigen Varianten ab sofort beim Händler.

Erste Fahreindrücke bestätigen, dass hier ganze Arbeit geleistet wurde. Vom Diesel-Nageln ist nicht mehr die entfernteste Erinnerung geblieben. Feine Ohren können bestenfalls im Stand Unterschiede heraushören. Möglich wird dies durch einen steiferen Zylinderblock, eine neue Motorkapselung, elektronisch gesteuerte Hydro-Motorlager sowie den Einsatz eines Zweimassen-Schwungrades.

Die Sportlichen in der A6-Reihe bilden fast eine Klasse für sich. Sie heißen S6 und verfügen grundsätzlich über den Quattro-Antrieb, der ansonsten nur in Verbindung mit den beiden V6-Motoren lieferbar ist. Hier geht der Fahrspaß hinauf bis zu einem V8-Triebwerk mit 4,2 Litern Hubraum und 213 kW/290 PS. Allerdings ist dann unter 83.300 DM für den S6 mit 169 kW/230 PS aus 2,2 Litern Hubraum nichts mehr zu machen und das Topmodell S6 4.2 steht sogar mit 101.850 DM sechsstellig in der Preisliste. Als Kombi A6 Avant sind mit dem 4,2-Liter-Motor sogar 106.050 DM fällig. Mit diesen Preisen und den Ausstattungsmerkmalen wird dann auch zugleich dem Alu-Flaggschiff A8 aus dem eigenen Stall Konkurrenz gemacht.

35.000 Einheiten A6 - 20.000 davon in Deutschland - sollen weltweit Audi im laufenden Jahr Marktanteile zurück erobern.