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Die mid-Zeitreise: Auto-Ehe Volvo-Mitsubishi: "Carisma" heißt das erste Kind

Archivartikel

Am 6. Februar 1995 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 40. Jahrgang über die Volvo-Mitsubishi Kooperation beim Modell "Carisma".

Nach sechsjähriger Entwicklung hat das gemeinsame Kind von Volvo und Mitsubishi jetzt in Amsterdam das Licht der Welt erblickt: "Carisma" heißt der Sprössling bei den Japanern. Der schwedische Name steht noch nicht fest. Für die Entwicklung der Antriebstechnik zeichneten die Asiaten verantwortlich, Volvo übernahm vorwiegend Sicherheitsfragen und Arbeitsorganisation. Der in den Niederlanden gebaute Wagen wird im Spätsommer auf den deutschen Markt kommen und zuerst von den Japanern angeboten werden. Bei Opel-Vectra-Fahrern oder Ford-Mondeo-Käufern will Mitsubishi sich um Neukunden bemühen.

Mitsubishi verbindet mit dem Wagen große Hoffnungen. Er ist das erste Fahrzeug, das auf dem europäischen Kontinent gebaut wird. In der Modellpolitik ist er zwischen dem Galant und dem Lancer angesiedelt. Die Schweden wollen ihn zwischen den Baureihen 400 und 850 platzieren und sich bis auf Teile der Bodengruppe deutlich vom japanischen Schwestermodell abheben. Das frontgetriebene Auto wird bei den Japanern wahlweise mit einem 66 kW/90 PS starken 1,6-Liter-Motor oder einem 1,8-Liter-Aggregat mit 103 kW/140 PS angeboten.

Die Bezeichnungen der Ausstattungsvarianten lauten GL, GLX, GLS und MSX. Das wenig aufregende Äußere der fünftürigen Fließheck-Limousine wird durch innere Werte aufgewogen. Verfügbar sind alle modernen Sicherheitsdetails vom Gurtstraffer über Airbags sowie Traktionshilfe beim Anfahren und ABS-Bremssystem. Die Motoren sind nicht gerade genügsam und sollen im Stadtbetrieb 8,5 Liter Super bleifrei in der 1,6-Liter-Variante und 8,7 Liter in der 1,8-Liter-Version schlucken.

Das Automatikgetriebe - das mit intelligenter Software ausgestattet sich in der Fahrweise des Lenkers und dem Gelände anpassen kann - benötigt gut einen Liter Benzin mehr auf 100 Kilometer. Der 60-Liter-Tank ist so für eine Reichweite von mindestens 600 Kilometern gut. Die Spitzengeschwindigkeit reicht von 180 km/h beim 1,6-Liter GL bis zu 215 km/h für den sportlichen MSX mit der 1,8-Liter-Maschine.

Ehrgeizig sind die Verkaufsziele der Japaner. Im laufenden Jahr sollen nach Markteinführung noch 5.000 bis 8.000 Fahrzeuge an den Käufer gebracht werden. In den Folgejahren sollen die Zulassungszahlen auf 30.000 pro zwölf Monate steigen.

Ob das realistisch ist, wird vom Preis abhängen, der noch nicht feststeht. Auf alle Fälle drängt ein neues Fahrzeug auf den deutschen Markt, das nicht nur wegen der eigenwilligen Partnerschaft zweier traditionsreicher Marken aus zwei verschiedenen Welten unter Beteiligung der niederländischen Regierung Beachtung verdient.