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Die mid-Zeitreise: Chevrolet Corvette: Erst die Mühe - dann das Vergnügen

Am 30. Mai 1994 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 39. Jahrgang über den zweisitzigen Supersportler Chevrolet Corvette.

Die Chevrolet Corvette gilt seit ihrem ersten Auftritt im Sommer 1953 als der amerikanischste aller Sportwagen. Im Laufe der Jahre musste sich der Zweisitzer so manche Änderung an Karosserie, Motor und Ausstattung gefallen lassen und dies nicht immer unter dem Beifall der großen Fan-Gemeinde. In Sachen Sicherheit und Fahrvergnügen zumindest übertrifft die aktuelle 1994er-Ausgabe der Corvette alle ihre Vorgänger. Vor das Vergnügen haben die Konstrukteure des Zweisitzers allerdings schon immer die Mühe gesetzt. Daran hat sich auch bei der neuesten Version nichts geändert.

Hohe Türschwellen bilden zusammen mit der niedrigen Dachlinie ein enges Einstiegsloch, das nicht nur lang gewachsene oder beleibtere Menschen vor Probleme stellt. Wer schließlich seinen Platz im engen Ledergestühl gefunden hat, sieht sich einer auf den ersten Blick verwirrend angeordneten Armada von Schaltern, Hebeln und Instrumenten gegenüber.

Der Spaß mit der Corvette beginnt genau mit der Drehung des Zündschlüssels. Dröhnend gibt der V8-Zylinder Laut, melden 282 Pferdestärken (207 kW) akustisch Anspruch auf Auslauf an. Zwar wurden Höchstgeschwindigkeit und maximale Leistung des bekannten 5,7-Liters in der aktuellen Version leicht reduziert, jedoch wurde der Leistungsverlauf verbessert. Schon bei 2.400 Umdrehungen stehen die maximalen 437 Newtonmeter an und sorgen für Power mit dem ersten Gaspedaldruck. Maximal 254 km/h sind möglich, sechs Sekunden stehen für den Sprint von Null auf Hundert zu Buche.

Dem bekannten Vorurteil, amerikanische Autos - und speziell die mit vielen Zylindern - hätten horrende Spritverbräuche aufzuweisen, versucht General Motors mit der Drittelmixangabe von 11,4 Litern Superbenzin für 100 Kilometer entgegenzuwirken. Ein guter Wert - ein frommer Wunsch. Denn um auf einen solchen Verbrauch zu kommen, darf die Corvette tatsächlich nur im gemächlichen Landstraßentempo und keinesfalls im "Stop-and-Go"-Verkehr oder auf dem Highway bewegt werden. Die vom Bordcomputer auf einer Teststrecke ermittelten durchschnittlichen 18 Liter dürften dagegen weniger die Ausnahme als die Regel sein.

Schalten lässt sich die Corvette wahlweise mit einem exzellenten Sechsgang-Getriebe von ZF oder mit der nicht minder gut zum Auto passenden Viergangautomatik. Auch die Fahr- und Verbrauchswerte unterscheiden sich nicht. Bequemer geht es mit der Automatik, während es sich mit der Handschaltung auf kurvenreicher Landstraße aktiver fahren lässt. Mit der bulligen Kraft des V8-Motors hat das technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand befindliche Fahrwerk mit Mono-Blattfedern überraschend wenig Probleme. Vor allem dann nicht, wenn man sich die elektronische Stoßdämpfer-Regelung von Bilstein dazubestellt.

Sonst ist in der Corvette alles Serie. ABS und Antriebschlupfregelung von Bosch genauso wie Klimaanlage, Radio mit CD, Tempomat, Bordcomputer, Doppelairbag und Lederausstattung. Während für die wahren Corvette-Puristen wohl nur die Cabrio-Version zu 104.800 DM (Automatik: 110.500 DM) in Frage kommt, gibt es für den reinen Sportwagen-Fan auch ein Coupe zu 94.900 DM (Automatik: 100.600 DM). Für frische Luft sorgt hier ein herausnehmbarer Dacheinsatz.

Bei rund 250 verkauften Einheiten jährlich ist dem Sportler mit dem großen Namen auch zukünftig bei jedem Auftritt auf deutschen Straßen eine gehörige Portion Aufsehen sicher.