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Die mid-Zeitreise: Citroen SM ein neues Fahrgefühl

Archivartikel

Am 7. September 1970 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 19. Jahrgang über den neuen Prestigewagen aus dem Hause Citroen.

Neues Fahrgefühl im Citroen SM

Das neueste Flaggschiff aus dem Hause Citroen mit dem Signum SM ist ein echter Prestigewagen, mit völlig neuer Konzeption fortentwickelt aus der DS-Serie, von der sich eine ganze Reihe von Gedanken wiederfinden. Unkonventionell gestaltet, vereint er eine Fülle von neuen Ideen, Eigenschaften und Lösungen, die sich bei seiner Präsentation auf dem Genfer Ausstellungsstand andeuteten, und in diesen Tagen im überwiegend noch "handgestrickten" Vorführwagen auch erprobt werden konnten. Dabei bestachen seine Aerodynamik, seine hydropneumatische Federung, seine Lenkung mit unterstützter Rückstellung, sein Bremssystem mit Bremskraftverteiler, aber auch sein Maserati-Motor mit 170 PS. Alles zusammen rechtfertigt auch den stolzen Preis von über 30.000 DM, der den Wagen vom Erwerb her in die Reihe der Luxusklasse einreiht.

Mit Maserati-Motor

So sehr der Leichtmetall-Hochleistungs-Motor mit seinen 6 Zylindern in V-Stellung und den 2.670 ccm Hub sowie den 170 PS bei 5.500 U/min und den drei Doppelweber-Vergasern (Höchstgeschwindigkeit 220 km/h, Normverbrauch laut Werksangabe 12,5 l/100 km) zum Schwärmen reizt, so wenig handelt es sich hier um ein Citroen-Produkt - er kommt von Maserati, als Grand-Tourisme-Motor auf vielen Rennpisten der Welt erprobt. Er hat einen fünften Gang, der es ermöglicht, die Höchstgeschwindigkeit lange Zeit gefahrlos als Reisegeschwindigkeit beizubehalten.

Neuartige Servolenkung

Die Raffinessen dieses Wagens liegen in den Citroen-Entwicklungen. Es handelt sich auch beim SM wieder um einen Frontantriebler, dem Citroen mit einer hydropneumatischen Federung einen Grad an Fahrsicherheit bei hohen Geschwindigkeiten gegeben hat, der mit einem herkömmlichen Fahrwerk undenkbar wäre. Dazu kommt eine neuentwickelte Servolenkung mit einer sehr direkten Lenkübersetzung und einer nach Geschwindigkeit und Lenkradeinschlag variierenden Lenkunterstützung. Im Stand gehen dabei bei laufendem Motor die eingeschlagenen Räder von selbst auf Geradeausstellung. Mit wachsender Geschwindigkeit nimmt die Lenkunterstützung bei Geradeausfahrt ab und ignoriert zufällige Lenkbewegungen des Fahrers. Dennoch spricht sie, etwa beim Überholen oder wegen eines plötzlich auftauchenden Hindernisses, schneller als jedes andere Lenksystem an.

Federungskomfort

Neben dieser ausgereiften Lenkunterstützung und allen Elementen der passiven Sicherheit (Knautschzonen, Sicherheitslenksäule u.a.) bildet die hydropneumatische Federung die zweite Grundlage für die optimale SM-Sicherheit. Die einzeln an Schwingarme aufgehängten Räder sind über hydropneumatische Federelemente abgefedert, die mit dem gleichen Hydrauliksystem arbeiten, das neben den D-Modellen mittlerweile auch der Citroen-Mittelklassewagen GS erhielt.

Luxuriöse Innenausstattung

Auffallendstes Merkmal der langgestreckten Karosserie (4,89 Meter Länge) ist das breite Lichtband von sechs Jodscheinwerfern im Bug, die unter einer gewölbten Verglasung (der dort vorgesehene Einbau des Kfz-Kennzeichens ist in Deutschland noch nicht zugelassen, so dass nach einer Ersatzlösung gesucht wird) untergebracht sind. Die Fernscheinwerfer sind lenkabhängig schwenkbar. Die Innenausstattung ist luxuriös und gediegen. Die Anordnung der Bedienungsorgane nach dem Bild der D-Modelle ist um vieles reichhaltiger. Neben Tachometer, Drehzahlmesser und zahlreichen Kontrollinstrumenten gibt es ein beleuchtetes Handschuhfach und eine blendfreie Leselampe. Das kleine ovale Sportlenkrad mit gepolsterter Speiche ist in Höhe und Neigung verstellbar. Eingebaut sind verstellbare Nackenstützen. Der Citroen SM ist exklusiv mit Ausnahme des Kofferraumes, in dem das flach eingelegte Reserverad ein echter Fremdkörper ist. Man muss sich an den Wagen allerdings erst gewöhnen, hat dann aber ein Fahrgefühl, das den Citroen SM als einen der sichersten Serienwagen unserer Zeit erscheinen lässt.