Auto

Die mid-Zeitreise: Peugeot 205 Electrique als Prototyp

Archivartikel

Am 30. Juli 1984 berichtete der Motor-Informations-Dienst(mid) im 33. Jahrgang über den Peugeot 205 als "Electrique" Version.

Wie man in einem relativ kleinen Serienfahrzeug die gesamte Technik eines Elektroautomobils unterbringen kann, hat der französische PSA-Konzern (Peugeot-Talbot-Citroen) an einem Peugeot 205 aufgezeigt. Das Kernstück des Peugeot 205 Electrique ist eine neuartige Eisen-Nickel-Batterie, die in Zusammenarbeit mit dem französischen Akku-Hersteller Saft entwickelt wurde. Bei gleichen Maßen und gleichem Gewicht weist dieser Batterietypus gegenüber herkömmlichen Batterien etwa doppelt so große Kapazität auf. Bei einem Gewicht von 25 kg beläuft sich ihre Leistung auf 230 Ampere-Stunden. Im Elektro-205 sind 12 derartiger Akkus zu einem 300 kg schweren 72 Volt-Satz zusammengefasst und treppenförmig im Vorderbau der Karosserie untergebracht. Dazu mussten drei Quertraversen - übrigens die einzige Veränderung am Rohbau der dreitürigen Karosserie - eingezogen werden.

Der zum Antrieb erforderliche Elektromotor (ein 68 Volt-Gleichstromaggregat mit einer Leistung von 8 beziehungsweise maximal 17,5 kW, was 11 beziehungsweise 24 PS entspricht) wiegt zusammen mit Untersetzungsgetriebe und Steuerelektronik nochmals 70 kg, so dass der 205-Electrique ganze 850 kg auf die Waage bringt, von welchen allein 690 kg auf der Vorderachse ruhen, die dazu natürlich verstärkt wurde. Als Leistung des Prototyps werden bei einer Beschleunigung von 0 auf 50 km/h eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und folgende Reichweiten genannt: In der Ebene mit 40 km/h gefahren, reicht der Stromvorrat der Batterie für eine Strecke von 200 km, bei Tempo 60 reduziert sie sich auf 160 km und bei Tempo 80 auf 110 km. Als Verbrauch werden im Stadtverkehr 107 Wattstunden je Kilometer genannt. Die Akkus können innerhalb von 10 Stunden wieder voll geladen werden. Die Lebensdauer eines Batteriesatzes wird mit rund 250.000 km eingesetzt.

Ungewohnt - im Vergleich zu einem normalen Benzin-Auto - ist, dass der Fahrer nur zwei Pedale zu bedienen hat. Mit dem Fahrpedal regelt er wie mit dem Gaspedal die dem Motor zugeführte Strommenge und damit das Tempo. Bei Loslassen des Pedals wirkt der Elektromotor aber gleichzeitig als Generator und Fahrzeugbremse und führt den Batterien wieder einen Teil der dabei vernichteten kinetischen Energie als Strom zu. Das Bremspedal arbeitet in zwei Stufen: Im ersten Teil des Pedalweges wirkt allein der Elektromotor als Bremse und erst im zweiten Teil wird darüber hinaus ein konventionelles Bremssystem mechanisch-hydraulisch in Betrieb genommen. Auf diese Weise werden die Bremsbeläge sehr geschont und jeweils die in der ersten Bremsphase verbrauchte Energie in Form von Strom für die Batterien zurückgewonnen.

Aufgrund der mit diesem Prototyp eines Elektrofahrzeuges gesammelten Erfahrung will Peugeot in etwa 12 bis 18 Monaten mit dem Bau einer Kleinserie beginnen, die zusammen mit spezifischen Abnehmern, wie öffentliche Dienste im Kurzstrecken-Verkehr, zu einem Großversuch eingesetzt werden soll.