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Test Cadillac XT 5 Luxuriös ausgestatteter Crossover trifft den Geschmack der Europäer und erfüllt ihre Anforderungen beim Fahrverhalten

Diesen Amerikaner übersieht man nicht

„Bigger is better.“ Die Annahme, größer sei besser, ist eine typisch amerikanische Ansicht. Kein Wunder, dass ihr der Cadillac XT 5 folgt. Ein großes SUV mit viel Platz für die Insassen und ihr Gepäck.

Dieses Fahrzeug übersieht man garantiert nicht. Dabei sind es nicht die Abmessungen des 4,8 Meter langen und fast 1,8 Meter hohen Cadillac, die die Blicke anziehen, sondern das auffällige Design. Der mächtige Chrom-Kühlergrill und die futuristisch gezeichneten Scheinwerfern und Blinkleuchten machen auf den großen Amerikaner aufmerksam. Dabei bleibt er bei aller Extrovertiertheit ein positiv auffälliger Wagen.

Cadillac ordnet seine Alternative zu 5er BMW und Mercedes GLE als Crossover ein, obwohl der XT 5 eigentlich zum Lager der großen Sport Utility Vehicle zu rechnen ist. Vielleicht will die Marke aus dem General Motors Konzern damit zum Ausdruck bringen, dass der XT5 ganz nah an einem Van ist – zumindest, was sein Stauvolumen betrifft. Die bis zu fünf Erwachsenen, denen er eine Mitnahmegelegenheit anbietet, dürfen gerne Gardemaß haben. Denn vorne wie hinten bieten sich fast unbegrenzte Ausbreitungsmöglichkeiten. Die Sitze sind großzügig, fast zu großzügig bemessen. Knie- und Kopffreiheit bewegen sich auf hohem Niveau.

Was das Wohlfühlen im XT5 betrifft, steuert die Innenraumgestaltung ihren Teil bei. Da haben die Amerikaner trotz sehr pragmatischem Hang zur Funktionalität auch einiges fürs Auge getan. Viel Leder, wenig Kunststoff und feine Metall-Applikationen ergänzen sich zu einem hochwertigen Interieur. Die Bedienung fällt nicht schwer, weil sie logischen Regeln folgt.

Die Assistenz- und Sicherheitssysteme erreichen vielleicht nicht ganz den Ausstattungsumfang, den man von deutschen Produkten dieser Fahrzeugklasse gewohnt ist, aber dafür ist der Cadillac auch rund 20 000 Euro günstiger als die Mitbewerber. Trotzdem kommen noch stattliche 68 600 Euro Grundpreis zusammen – allerdings in Vollausstattung.

Zu der zählt zum Beispiel ein Innenspiegel, der keiner ist. Denn stattdessen wird das Bild einer Heckkamera projiziert. Klasklar ist zu erkennen, was sich hinter dem Fahrzeug tut. Bei Nacht oder starkem Regen verlässt man sich allerdings besser auf die zum Glück großen Außenspiegel, denn unter diesen schlechten Bedingungen wird das Displaybild diffus. Neu und anders ist nicht immer besser als bewährte Lösungen.

Die größte Überraschung steckt in der tadellosen Verarbeitung. Das ist man von amerikanischen Autos nicht als selbstverständlich gewohnt. Genauso wenig ein so sauber und ausgewogen abgestimmtes Fahrwerk. Statt sänftenartigem Geschaukel bietet der Cadillac eine Lösung, die hohen Komfort auch auf schlechten Straßen garantiert, aber rotzdem Wanken und Schwanken in Kurven unterdrückt. Wenn jetzt die Lenkung noch eine bessere Rückmeldung liefern würde, wäre alles perfekt.

Ein ausgesprochen sportliches Auto will der XT5 ohnehin nicht sein. Er fühlt sich bei schneller Kurvenfahrt zwar nicht überfordert, aber auch nicht wirklich wohl. Da setzen die Rahmenbedingungen Grenzen: hoher Schwerpunkt, fast drei Meter Radstand und zwei Tonnen Gewicht.

Um diese Last zu beschleunigen, bedarf es eines potenten Triebwerks. Cadillac hat sich dazu entschlossen, den Europäern einen Achtzylinder vorzuenthalten. Die Auswahl beschränkt sich auf den 3,6 Liter großen Sechszylinder.

Der Benziner ist ein Saugmotor, der sich die Kraft nicht über einen Turbolader, sondern über seinen großen Hubraum holt. Dafür braucht er Drehzahlen. Das stattliche Drehmoment von 368 Nm stellt er erst bei 5000 Umdrehungen zur Verfügung. Entsprechend lange muss man die Übersetzungen der Achtgang-Wandlerautomatik halten, wenn man den Sprint auf Tempo 100 in 7,5 Sekunden schaffen will.

Dieser Hubraum und die späte Kraftentfaltung gehen zu Lasten des Verbrauchs. 12,8 Liter waren es im Testdurchschnitt.