Auto

Test Audi Q 3 quattro S-Line Verschwenderisch mit neuester Technik ausgestattet / Komfortabel bei Überlandfahrten, agil in der Stadt, mit Allrad geländetauglich

Ein Sport Utility Vehicle für alle Fälle

Archivartikel

Der Audi Q 3 ist ein SUV für alle: Man bekommt ihn schon ab 38 600 Euro. Und ein SUV für alle Fälle: komfortabel bei Überlandfahrten, agil in der Stadt, mit Allrad geländetauglich.

Man könnte, wenn man dürfte: Nämlich die Hände vom Lenkrad nehmen und das Auto seinen eigenen Weg zwischen Seitenbegrenzung und Mittelstreifen wählen lassen. Bis dann die Warnung auf der Instrumententafel erscheint, dass man gefälligst sein Hände wieder aufs Lenkrad legen solle. Man könnte auch besonders riskant in Kurven driften, wenn da nicht schnell und rigoros das Stabilitätsprogramm eingreifen würde.

Der Q 3 ist vollgestopft mit Elektronik, die den Fahrer schon weit auf dem Weg ins autonome Fahren mitnimmt (wenn er denn dürfte), die ihn vor allem aber sicher durch einen immer härter werdenden automobilen Alltag geleitet.

Die zweite Generation des kompakten Premium-SUV ist größer, geräumiger, sportlicher. Und weil der Q 3 zu den Bestsellern im Teilsegment (hinter dem X 1 von BMW) gehört und die Konkurrenz (zum Beispiel der Range Rover Evoque oder den Volvo XC 40) auf Distanz halten muss, ist er verschwenderisch ausgestattet – vor allem, wenn man die „S-Line“ genannte Top-Version auf dem Hof stehen hat.

Gegenüber dem Neuen wirkt die erste Generation des Q 3 fast ein bisschen bieder. Der große Oktogon-Kühlergrill mit den vertikalen Stegen bestimmt nun die Front des Kompakt-SUV. Die schmalen Scheinwerfer verlaufen keilförmig zur Mitte. Letztere sind übrigens mit der aktuell fortschrittlichsten LED-Technik zu haben, als Matrix-Scheinwerfer allerdings, wie so viele Besonderheiten, nur mit kräftigem Aufpreis. Die Radhäuser sind leicht ausgestellt; werden ebenso wie die Seitenstege mit schwarzem Kunststoff akzentuiert. Die leicht nach hinten abgeschrägte Dachlinie endet in einem Spoiler. Das alles signalisiert: Hier ist ein Kraftpaket zu bewundern.

Im Test bestätigt sich der Eindruck: Mit dem starken Vierzylinder-Benziner lässt sich den Tücken des automobilen Alltags sorglos begegnen. Man muss keine Risiken eingehen, um auf Landstraßen Lkws zu überholen.

Das getestete Aggregat ist die größere Version des 2.0 TSFI. Mit seinen 230 PS und einem Drehmoment von 350 Newtonmetern sorgt es für sportliche Fahrleistungen: in 6,3 Sekunden auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 233 km/h. Beim Test stand am Ende ein Verbrauch von 9,2 Litern auf 100 Kilometer zu Buche – laut Werksangabe sind es 7,6 Liter im Durchschnitt, was einer CO2-Emission von 173 Gramm pro Kilometer entspricht.

Als Einstiegsmotorisierung bietet Audi einen 2,0 Liter-Benziner mit 190 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment an. Hinzu kommt ein Diesel mit 150 PS.

Alle Motoren sind Vierzylinder-Direkteinspritzer mit Turboaufladung. Außer den beiden kleinen Diesel- und Benzinmotoren sind alle Aggregate mit Allradantrieb kombiniert. Die Kraftübertragung übernimmt eine sauber schaltende Siebengang S-tronic.

Über das Fahrdynamiksystem kann der Fahrer das Ansprechverhalten des Motors und die Fahrwerkabstimmung in sechs Stufen variieren. In der getesteten S-Line-Version ist ein Sportfahrwerk mit strafferer Feder-und Dämpferabstimmung eingebaut, ebenso wie eine Progressivlenkung, deren Übersetzung mit wachsendem Lenkeinschlag immer direkter wird. Die Beschreibung der im Q 3 eingebauten elektronischen Helfer würde allein einen Artikel füllen. Deshalb hier nur die Highlights. Zum Beispiel der adaptive Fahrassistent. Er integriert die Funktionen des Geschwindigkeitsassistenten, des Stauassistenten und des Spurführungsassistenten. Optional gibt es den Q 3 unter anderem mit vier Kameras. Sie zeigen die unmittelbare Umgebung des SUV auf dem großen Bildschirm an. Am meisten beeindruckt haben den Tester die Matrix LED-Scheinwerfer (1590 Euro Aufpreis), die mit den Informationen der Frontkamera arbeiten. Dabei erzeugen neun LEDs das Abblendlicht und zehn weitere das Fernlicht. Erkennt die Kamera andere Verkehrsteilnehmer, beleuchtet es nur noch die Bereiche vor und neben ihnen.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der neue Audi Q3 in fast allen Dimensionen gewachsen. Er ist 4,48 Meter lang (Vorgänger 4,38 Meter), 1849 (Vorgänger 1831) Millimeter breit und 1585 (1580) Millimeter hoch. Der Radstand ist 7,7 Zentimeter länger, was für ein großzügiges Raumangebot im Inneren sorgt, zumal man die Rückbank um 15 Zentimeter längs verschieben kann.

Mit dem prominenten großen Bildschirm oberhalb der Mittelkonsole lassen sich praktisch alle Helfer-Funktionen des Autos steuern, natürlich auch das Infotainment-System und die 15 Lautsprecher des Bang & Olufsen-Klangsystems.

Der Q 3 ist also nicht nur sportlicher, sondern auch familienfreundlicher geworden. Das hat – Premium-SUV! – seinen Preis.

Der beginnt für die Basisausführung (150-PS-Diesel) bei 38 600 Euro, liegt für den getesteten 45 TFSI in S-Line-Version bei 47 000 Euro und lässt sich beim Ordern der neuesten Spitzentechnologie auf 64 875 (des getesteten Fahrzeugs) steigern. Ein stolzer Preis für ein allerdings auch komplett ausgestattetes Auto.