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Test Renault Captur Die zweite Generation des Bestsellers hat sich außen nur moderat verändert / CMF-B-Plattform ermöglicht den Einsatz modernster Assistenten

Größer, moderner und sparsamer

Er wurde aus dem Stand zum Bestseller: der 2013 an den Start gegangene Kompakt-SUV Captur trägt mittlerweile zu einem Fünftel der Renault-Verkäufe bei.

Nach 1,5 Millionen verkauften Modellen gibt es seit diesem Jahr die zweite Generation des Crossovers Captur: größer, mit mehr moderner Technik und sparsamen Motoren.

Die Maxime im Manschaftssport – „never change a winning team“ – hat auch ein bisschen im Autodesign Gültigkeit. Warum ein Fahrzeug radikal verändern, wenn es sich super verkauft. Die neue Generation des Captur jedenfalls unterscheidet sich rein äußerlich, von der Fahrzeug-Silhouette, wenig von der ersten, der Erfolgsgeneration (mit der hatte Renault den Mini-Van „Modus“ abgelöst). Die Evolution des Karosseriedesigns macht sich am deutlichsten bei den Scheinwerfern und Rückleuchten bemerkbar. Vorne werden sie eingerahmt von weit nach unten gezogenen LED-Tagfahrlichtern in der Form eines asymmetrischen „C“. Die schmalen LED-Rücklichter nehmen die C-Form der Tagfahrlichter auf. Geblieben ist die dynamische Seitenlinie mit kurzem Überhang hinten und langer Front – der Neue ist um elf Zentimeter gewachsen. Mit schärferen Kanten, höherer Fensterlinie, niedrigeren Fensterausschnitten, weiter ausgestellten Kotflügeln sowie dem breiten Unterfahrschutz vorne und hinten bekennt sich der Captur noch deutlicher als SUV als sein Vorgänger. Er wirkt einfach einen Touch moderner und aggressiver.

Die großen Veränderungen empfangen den Tester im Innern. Mit dem Cockpit des ersten Captur wurde hier gründlich aufgeräumt – beziehungsweise: Es wurde komplett durch das Smart Cockpit ersetzt, das auch bei der kleinen (?) Schwester Clio eingebaut ist (zur engeren Verwandtschaft gehört übrigens noch der Nissan Juke, der wie Captur und Clio auch auf der neuen CMF-B-Plattform der Renault-Nissan-Allianz basiert). Schlüsselelement ist die leicht dem Fahrer zugewandte Mittelkonsole mit dem Touchscreen des vernetzten Online-Multimediasystems Easy Link.

Durch die größeren Außenabmessungen bietet der neue Captur auch innen mehr Raum für Passagiere und Gepäck. Und er verfügt über den größten Kofferraum seiner Klasse (422 bis 536 Liter, bei vorgeklappten Rücksitzlehnen 1275 Liter). Dank der neu entwickelten modularen CMF-B-Plattform der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi konnte Renault im Captur der zweiten Modellgeneration erstmals eine Vielzahl modernster Fahrerassistenzsysteme realisieren. Die Liste der Fahrerassistenzsysteme ist lang und umfasst unter anderem den Autobahn- und Stauassistenten. Das teilautomatisierte System kann auf mehrspurigen Straßen den Captur komplett übernehmen, beschleunigen, bremsen und dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen. Die Grundlage hierfür bildet der adaptive Tempopilot mit Stop & Go-Funktion. Eigentlich könnte der Captur – Voraussetzung: Fahrbahnmarkierungen – selbst fahren. Aber natürlich muss der Fahrer die Hände am Lenkrad und die Augen auf der Straße lassen, sonst gibt es (Ver)Warnungen vom System. Nach zwei weiteren Warnungen deaktiviert es sich automatisch. Neu neben vielen Assistenten, die bei Fahrzeugen des B-Segments nicht selbstverständlich sind, ist der Querverkehrswarner. Das radarbasierte System warnt den Fahrer beim Rückwärtsausparken durch optische Signale in den Außenspiegeln vor Fußgängern und Fahrzeugen, die von der Seite kommen. Wer je versucht hat, in die Mini-Parkbuchten einer der Heidelberger Parkhäuser einzufädeln, wird einen weiteren Helfer lieben: die 360-Grad-Kamera. Das System erzeugt mit Hilfe von vier vernetzten Nahbereichskameras auf dem Display einen virtuellen Aussichtspunkt, der das Fahrzeug und die unmittelbare Umgebung aus der Vogelperspektive abbildet, und erleichtert so das Einparken und Manövrieren unter beengten Platzverhältnissen.

Seit diesem Jahr gibt es den Captur, ganz im Trend, auch mit Plug-in-Hybrid. Im Test war allerdings der Benziner mit 1.3 Litern Hubraum. Renault kombiniert den TCe 155 EDC GPF mit 154 PS), einen Turbomotor, exklusiv mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe EDC. Das Maximaldrehmoment von 270 Nm steht bereits bei 1800 Umdrehungen zur Verfügung. Das Aggregat beschleunigt den Captur in 8,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer und erreicht 202 km/h Spitze. Der vom Werk angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter auf 100 Kilometer (125 Gramm CO2 pro Kilometer)wurde im FN-Test nur minimal überschritten: 6,1 Liter Super standen hier am Ende zu Buche. Der „große“ Benziner erlaubt durchaus spritziges Fahren und schnelles Überholen, allerdings sollte man ihn für stressfreies Anfahren möglichst sanft aus dem Turboloch holen.

Noch sparsamer geht es mit den Varianten des 1.0-Liter Dreizylinders (wahlweise mit Flüssiggas-Ergänzung) oder dem Turbodiesel - ja, auch Diesel gibt es noch - mit unter 4,5 Litern Verbrauch.

Den Captur gibt es in vier Ausstattungslinien. Zusammen mit den fünf möglichen Motoren ergibt das eine Vielzahl von Varianten beim Kauf - was sich natürlich auch im Preis widerspiegelt. Die beginnen beim Captur Life mit 1.0-Liter-Benziner bei 17 700 Euro und gehen bis zu 34 650 Euro für den Edition-One mit Plug-in-Hybrid.