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Honda-e: Ein Stromer zum Liebhaben

Archivartikel

Noch ist es ein Prototyp, der da unter der sengenden Sonne fast lautlos durch die Gegend huscht. Für den Zwerg namens "Honda e" wird die Driving Academy in Erlensee zu einem elektrischen Laufsteg. Beschleunigung, Bremsen, Kurvenfahrt, Slalom und lustige Pirouetten stehen auf dem Programm. Der Motor-Informations-Dienst (mid) ist eingestiegen und hat mit dem neuen Honda-Hoffnungsträger eine ausgiebige Probefahrt unternommen, bei der angesichts der Sauna-Temperaturen der Schweiß in Strömen floss.

Doch bevor wir am Lenkrad drehen, ist noch ein wenig Theorie gefragt. Was steckt eigentlich hinter dem kleinen Stromer? Der Honda e passe zu einem modernen Lebensstil, sagt uns der Projektleiter Kohei Hitomi. Die Kombination aus Design, Funktionalität und Fahrdynamik sollen ihn zu einem perfekten Fahrzeug für das städtische Umfeld machen. Das Elektrofahrzeug ist Teil der Honda-Strategie, alle in Europa angebotenen Neufahrzeuge bis zum Jahr 2025 zu elektrifizieren, heißt es weiter. Die Serienversion des Honda e soll noch 2019 vorgestellt werden.

Doch nun ran an den Zwerg. Von außen soll er an frühere Civic-Modelle erinnern, betonen die Japaner. Auch im Innenraum setzte Honda auf einen Retro-Look. Dieses Ambiente ist allerdings so einzigartig in seiner schlichten Form, dass es bei der ersten Begegnung fast schon wieder modern wirkt. "Durch die Polstermöbel-Stoffe und die Armaturen gewinnt man ein zusätzliches Wohnzimmer", sagt Kohei Hitomi dem mid.

Wir fühlen uns jedenfalls auf Anhieb wohl. Aber wie so vieles im Leben ist auch das letztlich eine Geschmackssache. Sofort fällt auf, dass der Honda e keine Außenspiegel hat. Warum das denn? Ein hochmodernes Kamerasystem ersetzt die "Ohren". Dieses soll 50 Prozent mehr vom sogenannten "Toten Winkel" abdecken. Wir checken das gründlich und können dann festhalten: "Scheint zu stimmen".

Aktuelle Studien haben Honda auf der elektrischen Mission durch unsere Städte inspiriert. Demnach würden Menschen in Ballungsgebieten im Schnitt täglich 48 Kilometer zur Arbeit und wieder nach Hause zurücklegen. Da der Honda e eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern schaffen soll, würde er die Mobilität vieler Stadtmenschen erleichtern, so jedenfalls die Rechnung des Autobauers. Ob diese aufgeht, muss sich erst noch zeigen, schließlich ist Honda mit dieser Strategie in der Branche nicht allein unterwegs.

Kommen wir zum Herzstück: Der Elektromotor des Honda e leistet rund 110 kW/150 PS, das maximale Drehmoment beträgt mehr als 300 Newtonmeter. Der 35,5-kWh-Akku lässt sich per Schnellladefunktion laut Honda in 30 Minuten auf 80 Prozent aufladen.

Und noch etwas: Da sich die Batterie im Fahrzeugboden befindet, liegt der Schwerpunkt nur etwa 50 Zentimeter über der Fahrbahn. Die Gewichtsverteilung von 50:50, die kompakten Abmessungen bei breiter Spur sowie die kurzen Überhänge an Front und Heck sollen laut Ingenieuren eine optimale Balance aus Fahrstabilität und agilem Handling garantieren.

Dank des Hinterradantriebs vergrößert sich der maximale Lenkeinschlag der Vorderräder, was dem Honda e einen Wendekreis von nur 4,3 Metern Radius ermöglicht. Das haben wir mit großem Spaß ausprobiert und einige wilde "Donuts" auf den kochend heißen Asphalt gezaubert, wie man sie sonst eher aus dem Motorsport kennt. Bei uns ging das jedoch zivilisiert, also ohne Qualm und Gequietsche, über die Bühne.

Eher eine technische Spielerei ist das "One-Pedal-Driving". Damit kann der Fahrer den Honda e allein mit dem Fahrpedal beschleunigen und auch verzögern. Wird das Fahrpedal gedrückt, beschleunigt der Stromer wie gewohnt, beim Lösen des Pedals erfolgt eine automatische regenerative Bremsung.

Fazit: Wer einen umweltschonenden und wendigen City-Flitzer sucht, der zudem in fast jede Parklücke passt, ist mit dem Honda e sicher gut bedient. Mit vielen eigenen Akzenten kommt er charmant daher. Nach der ersten Probefahrt stellen selbst E-Muffel fest: Das ist ein Stromer zum Liebhaben.

Ralf Loweg / mid