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Test Mazda 6 Skyaktive-D184 AWD Sports-Line Mittelklassewagen mit auffälligem Design / Sparsamer und kraftvoller Diesel

Japan-Kombi mit Langstrecken-Qualität

Das Design ist oft das ausschlaggebende Argument für den Kauf eines Autos. Der Mazda 6 Kombi muss sich gerade in dieser Disziplin nicht vor der Konkurrenz fürchten.

Magmarot Metallic – wer ihn nicht schon an der fein mit Chrom umrandeten Nasenspitze erkennt, wird den schicken Kombi spätestens wegen dieser Farbe eindeutig als Mazda identifizieren. Der glänzende Rotton ist zum Markenzeichen des japanischen Herstellers geworden und steht auch dem Mazda 6 Kombi gut zu Gesicht.

Das getestete Fahrzeug mit seinem 184 PS starkem Diesel, Allradantrieb und der fast kompletten Ausstattung „Sports-Line“ ist das teuerste Modell der Markenfamilie. Sein Grundpreis von 43 900 Euro macht bereits deutlich, dass er sich nicht wie seine Urahnen als üppig ausgestattetes Billigangebot unter den Mittelklasse-Kombis behaupten muss.

Das von Mazda „Kodo“ genannte Design macht das Angebot aus Fernost optisch attraktiv, ist aber nichts für all jene, die lieber mit der Masse mitschwimmen als den eigenen Weg zu gehen. Den beschreitet Mazda bereits mit der Motorisierung seines Flaggschiffs.

Der 2,2 Liter große Selbstzünder ähnelt in den Charakteristik einem Benziner. Sein maximales Drehmoment von üppigen 445 Nm steht – für einen Diesel – relativ spät bei 2000 Umdrehungen zur Verfügung. Während bauartverwandte Triebwerke schnell danach schon beginnen, wie zugeschnürt zu wirken, legt die Skyactive-Technik des Mazda-Motors eine erfrischende Drehfreude an den Tag, die über 4000 Umdrehungen noch anhält, wenn die Höchstleistung anliegt. Was jedoch nicht mit einer ausgeprägten Spritzigkeit verwechselt werden sollte. Tatsächlich ist Kraft stets ausreichend vorhanden. Doch die Charakteristik ist nachdrücklich, aber nicht wuchtig.

Immerhin vergehen fast zehn Sekunden, ehe der 1,8 Tonnen schwere Kombi auf Tempo 100 ist. Sein Potenzial spürt man eher, wenn er aus dem Drehzahlkeller sofort bereit ist für einen Zwischenspurt. Und am Ende lässt er sich mühelos über die 200-km/h-Marke auf dem Tacho bringen. Bei 212 km/h ist Schluss mit dem Vortrieb.

Die Kraft selbst bei nasser Straße schlupffrei umzusetzen ist dank Allradantrieb kein Problem. Deshalb sind die 2000 Euro Aufpreis gegenüber dem reinen Fronttriebler eine gute Investition. Zumal sich der Mehrverbrauch in Grenzen hält. Er steigt gegenüber der Version mit Zweiradantrieb um 0,7 Liter auf dann 5,4 Liter Normverbrauch. Das ist ein guter Wert, der in der Praxis nicht erreicht wurde. Da genehmigte sich der Japaner 6,9 Liter bei allerdings hohem Autobahnanteil.

Dort ist das bevorzugte Einsatzgebiet des Mazda 6. Denn mit seinem Platzangebot und dem ausgeprägten Komfort erwies er sich als idealer Reisewagen. Auf der Rückbank gibt es zwar nur für zwei Personen ausgeformte Sitzschalen, aber dazwischen ist auch noch Platz für einen dritten Erwachsenen, der kaum Abstriche bei der Bequemlichkeit machen muss.

Auf den Vordersitzen ist man selbstverständlich noch besser untergebracht. Da haben die Techniker beim jüngsten Facelift eine komfortablere Polsterung spendiert, die nicht nur den Komfort, sondern auch den Seitenhalt verbessert.

Schließlich ist der Mittelklassewagen nicht nur ein Langläufer. Wer ihn sportlich über die Landstraße bewegen will, wird staunen, was hier möglich ist.

Die Grundabstimmung des Fahrwerks ist nämlich in Richtung straff gelegt worden, was dem nur im Grenzbereich leicht untersteuernden Fahrzeug Dynamik verleiht, ohne die Insassen mit einer zu harten Federung zu nerven.

Ob man sich in seinem Auto wohlfühlt hängt stark vom Raumkonzept ab. Und das wiederum wird maßgeblich von der Interieurgestaltung bestimmt. Hier haben die selbst ernannten „Premiumhersteller“ in Deutschland die Messlatte weit nach oben geschoben.

Feine Polster – möglichst aus Leder – geschäumter Kunststoff, Klavierlackoberflächen, Holz-, Aluminium oder Lederapplikationen auf dem Armaturenbrett sind dort Standard. In Funktion und Haptik hochwertige Schalter oder Knöpfe runden das Bild ab, man habe sein Geld sinnvoll investiert. Da blieb der Konkurrenz nichts anderes übrig, als sich ebenfalls in diese Richtung zu bewegen.

Diesen Prozess hat der frühere Hartplastik-Fan Mazda ebenfalls längst begonnen – nur noch nicht ganz abgeschlossen. Oder mit anderen Worten: Es gibt noch die eine oder andere Ecke, bei der die Entwickler den Rotstift angesetzt haben. Diese „Ecken“ befinden sich aber im Normalfall weder im Blick- noch im Grifffeld. Da kann man sich eher fragen, ob die Zentralisierung der Bedienelemente auf den zentralen Bildschirm wirklich nutzerfreundlich ist. Die Frage über den Sinn der umfangreichen Sicherheitssysteme hingegen stellt sich nicht. Hier leistet sich der Mazda 6 keine Schwäche. Er erreicht den aktuellen Stand der Technik mühelos.

Also kann man sich getrost auf die Frage konzentrieren, ob einem der Kombi gefällt. Da haben die Designer gute Argumente geliefert. Wohl wissend, dass die in ein tiefes, schmales Heck mündende schicke Dachlinie auf Kosten der Transportkapazität und der Übersichtlichkeit geht.