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Kia Optima SW Plug-in-Hybrid: Eleganter Gleiter

Archivartikel

Das muss man den Koreanern mit ihren beiden großen Automarken Hyundai und Kia lassen: Die Modellpalette wird immer europäischer. Daran hat Chefdesigner und Vorstandsmitglied Peter Schreier einen maßgeblichen Anteil. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kia Optima Sportswagon, der 2018 mit maßvollen Stilretuschen in seine zweite Lebensphase rollte. Seit Anfang 2019 ist der Kombi alternativ zu Benzin- und Dieselantrieb auch als Plug-in-Hybrid erhältlich. Genau den hat die mid-Redaktion in der üppigeren der beiden Ausstattungsvarianten als "Spirit" mal ausprobiert.

Für den "Spirit" werden mit 46.190 Euro exakt 4.000 mehr als beim Basis-"Attract" abgerufen, bei unserem Exemplar kamen noch die Metallic-Lackierung (690 Euro), das Leder-Paket "Black" (1.990 Euro) und die elektrische Heckklappe (490 Euro) dazu. Mehr an Zusatzausstattung gibt die Preisliste ohnehin kaum her - der Optima ist rundum üppig ausgestattet, inklusive zahlreicher Assistenzsysteme. Wenn man ernsthaft etwas vermisst, dann ist es ein Kurvenlicht, aber das gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

In seiner gestreckten Form erinnert der Optima stark an die Eleganz des BMW 3er-Touring, zumal das hintere Seitenfenster in seiner Form fast schon eine Kopie des BMW-Layouts mit dem "Hofmeister-Knick" darstellt. Beim Einparken wird schnell deutlich, dass er den 3er-BMW in der Länge um rund 15 Zentimeter und den VW Passat Variant um zehn Zentimeter überragt. Optisch fehlt ihm in der Seitenlinie lediglich ein Hauch an Leichtigkeit wegen der hoch angesetzten Schulterlinie, die beim Koreaner mit der Fensterunterkante identisch ist. Der Begriff "Premium" lässt sich aber nicht nur für das Äußere zuteilen: Der Innenraum wirkt bei Materialwahl und Verarbeitung ebenfalls überwiegend edel.

Auch in seiner Eigenschaft als Frachter kann der Optima Sportswagon punkten. Das Kofferraumvolumen muss zwar wegen der Batterie des Hybriden gegenüber den Serienbrüdern mit den konventionellen Antrieben rund 100 Liter hergeben, liegt jedoch mit 440 bis 1.574 Liter immer noch gut im Klassenumfeld. Auch die dreiteilige Aufteilung (40:20:40) der Lehnen-Elemente im Fond ist bei edleren Kombis inzwischen Standard. Genauso wie das Trenn-Netz und die Laderaumabdeckung in der Kassette.

Der Plug-in-Antrieb des Optima gehört mehr zur gemütlichen denn zur dynamischen Sorte. Insgesamt bringen es der 2-Liter-Benzin- und der Elektromotor auf 205 PS, die den 1,8-Tonner bis auf 192 km/h beschleunigen. Bei voll geladener Batterie kommt der Optima als Stromer rein rechnerisch nach WLTP-Messzyklus rund 62 Kilometer weit. Damit ist er förderungswürdig, was die 3.000-Euro-Prämie möglich macht. Der Stromspeicher (11,3 kWh) ist an der Wallbox nach bis zu 3,1 Stunden voll, an der Haushaltssteckdose müssen dafür bis zu 4,7 Stunden eingeplant werden. Die Verbrauchsangabe im Prospekt von 1,4 l/100 km ist hoch theoretisch. Das Problem: Der Kia rekuperiert beim Bremsen kaum Energie für die Batterie. Insofern wundert es nicht, wenn sich Verbräuche um die fünf Liter und mehr einstellen, es sei denn, der Wagen startet bei jeder überschaubaren Fahrt mit vollem Akku.

Das Fahrwerk weist eher in die komfortable Richtung und passt so zum unaufgeregten Antrieb. Insofern ist die Bezeichnung Sportswagon ein bisschen irreführend. Denn Sportlichkeit ist absolut nicht die Domäne des Optima. Und weil wir gerade beim Täuschen sind: Die zweifache Anzeige für die gerade erlaubte Höchstgeschwindigkeit im Tacho-Display und auf dem Navigationsbildschirm stellt den Fahrer manchmal vor ein Rätsel. Dort werden ab und zu unterschiedliche Werte notiert. Offensichtlich kämpfen hier zwei technische Systeme - vermutlich Navigationsdaten und die Windschutzscheiben-Kamera - unabhängig voneinander um Aufmerksamkeit. Mit dieser Verwirrung führt sich ein an sich gutes Fahrer-Assistenzsystem ad absurdum.

Sieht man von diesem kleinen Flecken auf der sonst weißen Weste ab, ist der Optima Sportswagon ein komfortabler Reisewagen, in dem sich auch die Fondpassagiere dank großzügiger Kniefreiheit wohl fühlen können. Das kann der Basis-SW mit dem 163-PS-Benzinmotor aber auch. Und den gibt es schon für 26.490 Euro. Die gewaltige Preisdifferenz wird man wohl kaum bei den laufenden Kosten im Hybrid-Betrieb einsparen. Wer beim Kauf des Optima Sportswagon den Umweltaspekt absolut in den Fokus rückt und finanziell nicht klamm ist, wird so allerdings wohl kaum kalkulieren.

Klaus Brieter / mid

Technische Daten Kia Optima Sportswagon Plug-In-Hybrid Spirit

Fünftürige Limousine der Mittelklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 4.855/2.120 (mit Außenspiegel)/1.470/2.805, Leergewicht (EU): 1.880 kg, max. Zuladung: 455 kg, Anhängelast: 750 - 1.500 kg, Kofferraumvolumen: 440 - 1.574 l, Tankinhalt: 55 l, Preis: ab 46.190 Euro.

Antrieb Verbrenner: Vierzylinder-Benziner, Hubraum: 1.999 ccm, Leistung: 113 kW/154 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 187 Nm ab 5.000 U/min,
Antrieb E-Motor: Leistung: 50 kW/68 PS, max. Drehmoment: 205 Nm, max. Systemleistung: 151 kW/205 PS bei 6.000 U/min, Drehmoment 375 Nm bei 2.330, Akku-Kapazität: 11,3 kWh, Sechsgang-Automatikgetriebe, 0 - 100 km/h: 9,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h, Frontantrieb, Normverbrauch: 1,4 l Super/100km, CO2-Emission: 33 g/km, Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp.