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Land Rover Discovery Sport: Mehr Cruiser als Sportler

Dass 70 Prozent aller Teile beim Land Rover Discovery Sport neu sein sollen, sieht man nicht sofort. Auch der Umstand, dass es sich um ein vollkommen anderes Chassis handelt, ist nur nach erläuternden Hinweisen des Herstellers ersichtlich. Das Facelifting, dem das beliebteste SUV der Marke unterzogen wurde, verrät also auf den ersten Blick wenig von dem betriebenen Aufwand. Der Motor-Informations-Dienst (mid) fühlte der neuen Qualität des britischen Geländegängers im Alltagsbetrieb mal etwas näher auf den Zahn.

Mit dem Jahrgang 2020 löst Land Rover eine weitere Tranche seines Vorhabens ein, sämtliche Modellreihen mit - mehr oder weniger starker - Elektrifizierung fit für die neuen Anforderungen der Mobilität zu machen. Bis auf das Basismodell sind alle Discovery jetzt mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System bestückt.

Die neue Plattform schafft dafür den Platz. Konkret der Bauraum im Boden unter dem Fahrersitz für die zusätzliche Batterie, die von einem Riemen-Starter-Generator mit zurückgewonnener, umgewandelter kinetischer Energie beschickt wird. Solch energiesparendes oder Strom erzeugendes Ausrollen beginnt schon bei 17 km/h. Zweites Spar-Standbein ist die Entkopplung der Hinterachse des Allradantriebs, sofern die Fahrsituation das erlaubt. Für eine lupenreine Geländewagen-Marke, wie es Land Rover ist, hat Elektrifizierung eine besondere Bedeutung, denn Gewicht und Form (Luftwiderstandsbeiwert) von SUVs fordern beim Verbrauch ihren Tribut.

Im mid-Testwagen unterstützt der 48-Volt-Mild-Hybrid den Top-Dieselmotor. Der 2,0 Liter große Vierzylinder liefert 240 PS Leistung und stellt ein Drehmoment von 500 Newtonmeter bereit. An Leistung und Kraft mangelt es nicht, aber das mit den sportlichen SUV-Zügen ist beim Discovery Sport dennoch nicht so ausgeprägt, wie es die Modell-Bezeichnung suggeriert. Die Lenkrückmeldung ist dafür ziemlich indirekt und die Wankneigung des knapp zwei Tonnen schweren Briten im Vergleich mit einem Audi oder Porsche seiner Klasse ausgeprägter. Schlamm kann der Discovery sicher besser als Slalom, wobei er innerhalb dieser Extrem-Pole mit einem sicheren und immer soliden Fahrverhalten aufwartet.

Der Diesel erweist sich als extrem leiser Motor, der in Kombination mit der Neunstufen-Automatik ein Top-Komfort-Feeling verbreitet und dank seiner 500 Newtonmeter Drehmoment und dem noch weiter unten wirkenden Mild-Hybrid quasi aus dem Stand nachdrücklich vorwärts drängt. Dass 2.500 Kilogramm an den Haken genommen werden können, dürfte angesichts der Camping-Renaissance in Corona-Zeiten für den einen oder anderen ein schlagkräftiges Argument sein. Der Durchschnittsverbrauch der Testfahrt liegt bei mehr als 7,5 Liter je 100 Kilometer.

Aber nicht nur im Verborgenen hat Land Rover Hand angelegt. Eine markante Tagfahrlicht-Signatur plus modifizierter Kühlergrill, dessen Öffnung tiefer ansetzt und breiter wirkt, dazu LED-Rückleuchten, deren Blinker jetzt dynamisch daherkommen und vor allen die imposanten 21-Zoll-Felgen besorgen dem 4,60 Meter langen SUV einen großen Auftritt.

Auf Wunsch kann der Discovery Sport auch noch mit einer dritten Sitzreihe aufwarten, die im Maximalfall allerdings Minderjährige nutzen können. Was die "Normalos" in der zweiten Reihe freuen wird: Hier können die Plätze modular verschoben und mit der Beinfreiheit justiert werden. Die Verarbeitung ist top, das Ambiente jetzt nochmals aufgewertet. Dort, wo Kunststoff-Flächen zum Anfassen sind, fühlen sie sich angenehm weich an. Abschied nehmen heißt es allerdings vom Drehsteller für die Getriebe-Automatik. Die jetzt eingesetzte Neunstufen-Schaltung hat wieder einen klassischen Wählhebel.

Das Cockpit ist weiter digitalisiert, wobei die zentralen Informationen auf einem 12-Zoll-Kombi-Instrument zusammenlaufen, das rechts von einem Multimediabildschirm im 10-Zoll-Format flankiert wird. Für die diversen Fahrprogramme und das Innen-Raumklima findet sich darunter ein weiteres Bedienfeld.

In der keck anmutenden Dachfinne auf dem Heck des Fahrzeugs ist eine Kamera verbaut, die auch bei dachhoher Beladung des Kofferraums den Durchblick nach hinten sicherstellt. Kameratechnisch die Endstufe, denn auch nach vorn und seitlich hält der Discovery das Gelände elektronisch im Blick. Es muss allerdings nicht immer schwieriges Gelände sein, um die Vorzüge dieser Argusaugen zu schätzen. Auch in der Garage oder im Parkhaus bewährt sich das.

Solveig Grewe / mid


Technische Daten Land Rover Discovery Sport

- Länge / Breite / Höhe : 4,59 / 1,89 / 1,72 Meter
- Motor: Vierzylinder Diesel mit 48-Volt-Mild-Hybrid-System
- Hubraum: 1.999 ccm
- max. Leistung: 177 kW/240 PS bei 3.500/min
- max. Drehmoment: 500 Nm bei 1.500/min
- Getriebe: 9-Gang-Automatik
- Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 7,7 s
- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
- Normverbrauch : 7,1l/100 km
- CO2-Emission: 187 g/km
- Preis: ab 37.050 Euro