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Lexus: Zum 30-jährigen Jubiläum ein frisches Modell

Mit Jubiläen ist das so ein Sache. Nehmen wir Lexus als Beispiel: Dort feiert man das gerade 30-jährige Bestehen der Marke. Und pünktlich zum Ereignis gibt es auch ein neues Modell: den Lexus RX. Allerdings ist diese Modellreihe zirka 21 Jahre alt. Der Ur-Lexus startete nämlich als LS-Baureihe. Der LS 400 kam 1990 allerdings erst ein Jahr nach seiner Geburt in Deutschland an und hat hierzulande die 30 noch nicht voll.

Egal: Reden wir über den RX, der 1998 als erste Modelllinie im SUV-Segment auftauchte und jetzt gerade als gründlich überarbeitete Version der vierten Generation ins Rennen geht. Grund zum Jubeln hat Lexus mit dem RX allemal: Inzwischen wurden von dieser Baureihe weltweit drei Millionen Exemplare verkauft. Das Modell 2020 unterscheidet sich zwar optisch kaum vom bisherigen, gerät jedoch wegen tiefer Eingriffe in die Karosseriestruktur und der Technik fast schon zur fünften Generation.

Von der Seite betrachtet setzt der RX 450h mit der farblich unterbrochenen C-Säule, die den Eindruck eines im Heckbereich schwebenden Daches vermittelt, die Design-Tradition die RX-Linie fort. Der unten leicht angehobene "Diabolo"-Kühlergrill zeigt sich jetzt mit einer neuartigen Gitternetzstruktur, während die Heckleuchten einen breiteren hinteren Abschluss vermitteln. Im Armaturenbrett fällt sofort das großzügig dimensionierte, 12,3 Zoll große Multifunktionsdisplay (F-Sport und Luxury Line) auf, das mit seiner Touchscreen-Technik auf das neue Bedienkonzept hinweist.

Zu den technischen Leckerbissen zählen das weiter entwickelte adaptive Variable Fahrwerk (AVS), die frisch abgestimmte elektromechanische Lenkung, der aktive Kurvenassistent und ein ganz spezielles adaptives Fernlicht. Der aktive Kurvenassistent arbeitet sehr eng mit der Lenkung zusammen, um die Untersteuerungstendenz beim starken Beschleunigen aus dem Scheitelpunkt der Kurve heraus zu eliminieren. Beim Fernlicht-Assistenten ist Lexus besonders auf die neue "Bladescan"-Technik stolz. Das ausgeklügelte System, in dem im Scheinwerfer ein klingenförmiger Spiegel mit 6.000 Umdrehungen pro Minute rotiert, ermöglicht eine sehr feine Lichtverteilung, um an vorausfahrenden oder entgegenkommenden Fahrzeugen vorbei zu leuchten und damit jede Blendung zuverlässig auszuschließen.

Unter der Motorhaube arbeiten ein 3.5-Liter-V6-Saug-Benziner und ein Elektromotor zusammen, mit einem zweiten E-Motor auf der Hinterachse bescheren sie dem RX 450h eine Systemleistung von 313 PS und sorgen für brauchbare Fahrleistungen. Wegen des stufenlosen CVT-Getriebes dreht der Motor beim spontanen Beschleunigen zwar hörbar an die Spitzendrehzahl heran, allerdings spielt sich Vorgang deutlich eleganter ab als bei den kleineren Lexus-Modellen mit den Vierzylindern. Beim eher gleichmäßigen Fahren mit Landstraßentempo stellt sich ein angenehmer Schwebezustand ein, der durch die komfortable Federung und die ausgefeilte Geräuschdämpfung ganz klar unterstützt wird. Genau so wird der Luxus spürbar, den Lexus für sich als Premiummarke seit ihrem Beginn vor 30 Jahren reklamiert.

Einen weiteren Beitrag für diese Anmutung leisten die Materialwahl im Innenraum sowie die akkurate Verarbeitung, die beim japanischen Autobauer unter der Überschrift "Takumi-Handwerkskunst" läuft. Alles wirkt so, als würde der Großmeister persönlich nach dem Zusammenbau des Autos noch einmal sein prüfendes Auge auf jedes Detail werfen und mit investigierender Hand über jede Fuge streichen, bevor der Wagen zum Kunden rollen darf.

Nach der Testfahrt auf Ibiza im neuen RX setzte sich mid-Autor Klaus Brieter dem 30-jährigen Jubiläum zum Trotz in einen rund 20 Jahre alten Ur-RX und drehte eine zusätzliche Nostalgierunde. Was für ein Unterschied: Der 3.0-Liter-V6 (Version mit 201 PS) legt sich mit der Viergangautomatik mächtig ins Zeug, um den RX 300 zu beschleunigen. Der antiquiert geformte Schaltstock des Getriebes ragt wie eine Langholzladung in den Raum, und die weichen Ledersitze mit kurzer Schenkelauflage geben in Kurven nahezu keinen seitlichen Halt. Die ausschließlich auf Komfort gebügelte Federung lässt zusammen mit der indirekten Lenkung, die sich wie ein Teigrührgerät anfühlt, den Wunsch nach einem sportiveren Fahrstil gar nicht erst aufkommen. Dafür ist der Vorgang des Motorstarts ein intensiveres haptisches Erlebnis, denn dazu bedarf es noch der klassischen Schlüsseldrehung.

Wer moderner Technik den Vorzug gibt und nur kurz den Startknopf drücken will, um das Hybridsystem zum Leben zu erwecken, muss mindestens 61.350 Euro bereithalten. Weil sich allerdings nur ein Prozent der Kunden für die Basisversion entscheidet, wird es wohl etwas teurer werden: 66.850 Euro für die Executive Line (Kundenanteil 42 Prozent) oder 77.550 Euro (30 Prozent) für die Luxury Line oder 79.150 Euro für den F Sport. Soll es gar die um zehn Zentimeter längere Version mit dritter Sitzreihe sein, dann fakturiert der Lexus-Händler zwischen 3.150 und 6.550 Euro zusätzlich.

Luxus definiert sich eben auch über den Preis. In den vergangenen 30 Jahren hatte Lexus mit dieser Strategie vor allem in den USA große Erfolge, während auf dem deutschen Markt eher Apothekermengen verkauft wurden. Trotzdem hat es die Marke des Toyota-Konzerns geschafft, den deutschen Premium-Hersteller international die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Wenn das kein Grund für die Japaner zum Jubeln ist!

Klaus Brieter / mid

Technische Daten Lexus RX 450h E-Four

- L / B / H: 4,89/1,90/1,70 m

- Motor: Hybrid (V6-Saug-Benziner plus zwei Elektromotoren)

- Hubraum: 3.456 ccm

- Systemleistung: 230 kW/313 PS

- max. Drehmoment: 335 Nm bei 4.600 U/min (Benzinmotor)

- Getriebe/Antrieb: CVT/Allrad

- 0 bis 100 km/h: 7,7 Sekunden

- Spitze: 200 km/h

- Normverbrauch je 100 km: 5,8 l (NEFZ)

- CO2-Emissionen: 132 g/km

- Preis: ab 61.350 Euro