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Mattes in der Sackgasse: VDA-Präsident geht

Das nennt man wohl einen Paukenschlag: Erst schüttelte Bernhard Mattes zur Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hand - danach ließ er seinen Rücktritt verkünden. Mattes werde zum Jahresende 2019 sein Amt als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) niederlegen, heißt es in einer Mitteilung kurz und knapp. Er werde sich anderen Aufgaben zuwenden. Zu den Gründen wurde nichts bekannt.

Ob Bernhard Mattes freiwillig sein Amt niederlegt oder auf Druck der Industrie gehen muss, das sind die beiden Varianten, über die nun spekuliert wird. Fakt ist: Bernhard Mattes ist erst seit März 2018 im Amt. Doch bewirkt hat er in dieser - zugegeben turbulenten Zeit für die Autoindustrie - sehr wenig. Offenbar zu wenig. Denn nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" stand Bernhard Mattes zuletzt zunehmend in der Kritik. Es gebe "Defizite in der politischen Unterstützung" für die Industrie, hatte ein hochrangiger Automanager gesagt. Der VDA verkaufe sich unter Wert.

Kritiker halten Mattes vor, er sei nicht eng genug mit den Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel vernetzt. Gerade jetzt, wo die Politik die Klimaziele verschärfe, brauche die Autoindustrie eine stärkere Stimme. Und das stimmt: Die Branche befindet sich in einem grundlegenden Wandel, hin zu mehr alternativen Antrieben wie der Elektromobilität. Die Autoersteller sind zudem wegen strengerer EU-Umweltvorgaben massiv unter Druck. Für den Umbau werden viele Milliarden Euro benötigt.

Und noch etwas: Die Kritik an schweren Sportgeländewagen (SUV) wird lauter. Gegner wollen diese Fahrzeuge zumindest aus deutschen Innenstädten verbannen - nicht nur aus Klimaschutzgründen. Auch die Sicherheit sei bei großen SUVs nicht gewährleistet, so das Argument der Kritiker nach dem fatalen SUV-Unfall in Berlin mit vier Toten.

All das prasselt jetzt auf die deutsche Autoindustrie ein - und Mattes als höchster Sprecher dieser Branche hat offenbar nicht die richtigen Lösungen parat. Noch auf der IAA hat sich der scheidende VDA-Präsident gegen eine Verschärfung der bereits geltenden Klimaziele gewandt. Egal wie: Auf seinen Nachfolger wartet eine Herkules-Aufgabe, die mit netten Worten auf Automobil-Messen allein nicht zu meistern sein wird.

Ralf Loweg / mid