Auto

mid-Kommentar: Alles wird anders

Archivartikel

Die Welt der Mobilität befindet sich in einer umfassenden Umwälzung. Das zeigt die Consumer Electronics Show (CES) 2020 in Las Vegas wie unter dem Brennglas. Wer es bisher noch nicht kapiert hatte, dem muss spätestens angesichts der dort präsenten Aussteller und der dort präsentierten Exponate klar sein: Alles wird anders.

Woran sich das festmachen lässt? Unter anderem an der Tatsache, dass ein Entertainment-Spezialist wie Sony in der Spieler-Metropole mal eben ein eigenes Auto aus dem Ärmel zieht. Der Zulieferer von Infotainment-Paketen und Spielkonsolen-Produzent wird zum Konkurrenten von Mercedes, Audi oder Tesla. Über eine solche Vorstellung hätte man vor ein paar Jahren noch herzlich gelacht. Jetzt steht das durchaus wohlgeratene Ergebnis im Scheinwerferlicht des Convention Center von Las Vegas. Verrückte Autowelt.

Wohin die Reise gehen könnte, zeigt Mercedes exemplarisch mit seiner Vision AVTR. Das Gefährt nimmt nicht nur beim Namen Anleihen bei den Avataren, also in der virtuellen Welt. Es wirkt wie aus der Zukunft zu uns gebeamt und macht mit seiner komplett biologisch abbaubaren Batterie aus organischer Zellchemie Hoffnung auf ein Ende der Ressourcen-Verschwendung.

Mit einem Auto im herkömmlichen Sinn haben manche der CES-Premieren nur noch sehr wenig zu tun. Klar, nach wie vor werden damit Personen oder Güter transportiert. Aber fahren, also selbst lenken und Gas geben, das kann man damit nicht mehr.

Das Automobil wird zu dem, was es bei exakter Übersetzung seiner beiden Namensbestandteile ist: ein selbstbewegendes Gefährt. Der Chauffeur? Wird überflüssig, ihn ersetzt die Software, die Künstliche Intelligenz. Das muss man jetzt zwar nicht unbedingt für erstrebenswert erachten. Aber es ist alternativlos.

Wie schnell die Veränderungen vonstatten gehen, zeigt die CES 2020 überdeutlich. Die Entwicklung läuft ab wie im Zeitraffer. Heute die Limousine von Sony, morgen das autonom fahrende SUV eines Start-up, das heute noch nicht mal als Idee existiert. Auch das lässt sich beim Blick nach Las Vegas erkennen: Wer zu langsam ist, bleibt auf der Strecke. Und unter den Verlierern dieser unaufhaltsamen Transformation könnten durchaus auch große, global agierende Hersteller sein.

Rudolf Huber / mid