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mid-Kommentar: SUV als Sündenbock

Archivartikel

Kaum noch eine Diskussion geht ohne Populismus über die Bühne. Das gilt längst nicht nur in der Politik. Auch auf Deutschlands Straßen heißt es: Wer am lautesten schreit, hat Recht. SUV-Fahrer können aktuell ein Lied davon singen.

Die gefährliche Mischung: Man nehme ein bisschen Halbwissen, halbgare Meinungen, schmeiße diverse Themen in einen Topf, picke sich einen Sündenbock heraus und ab geht die wilde Fahrt. Das "Opfer" seit ein paar Wochen: das Sport Utility Vehicle. Kurz: SUV.

Ein Auto, das man nicht mögen muss. Zu groß, zu hoch der Verbrauch, zu schlecht für die Umwelt. Das Fass zum Überlaufen brachten jetzt Unfälle mit SUVs, bei denen Menschen ums Leben kamen. Man hat den Eindruck, dass Unfälle nur noch mit diesen Autos passieren.

Keine Frage: Man kann darüber diskutieren, ob ein SUV tatsächlich für den Stadtverkehr das ideale Gefährt ist. Dann aber bitte sachlich, also mit Argumenten und nicht mit Hass-Tiraden.

Dass Menschen bei Verkehrsunfällen sterben, ist nicht neu. Das gab es auch schon lange, bevor das SUV in Mode kam. Jeder Tote ist schlimm genug und einer zu viel. Aber Experten betonen nicht umsonst: Es kommt bei einem Unfall nicht nur auf die Größe, sondern vor allem auf die Geschwindigkeit an.

Hinzu kommt: Jeder fünfte Neuwagen ist ein SUV, was auch daran liegt, dass man sich in dem Auto sicherer fühlt, vor allem mit Kindern.

Und der Verbrauch eines SUV ist mit Sicherheit nicht höher als der eines rassigen Sportwagens. Mit diesen Schlitten liefern sich verantwortungslose Schwachköpfe immer wieder illegale Autorennen. Oft mitten in der Stadt. Auch dabei kommen Menschen zu schaden. Und sollen Sportwagen deshalb jetzt aus unseren Innenstädten verbannt werden? Diese Forderung ist bislang (noch) nicht zu hören. Warum eigentlich nicht?

Gerne wird bei der aktuellen Diskussion vergessen, dass die Probleme der Mobilität ganz woanders liegen, dass sie gelöst werden müssen, aber ganz sicher nicht durch Verbote. SUVs als tötende "Monster-Panzer" zu brandmarken, macht die Sache nicht besser. Das ist Populismus pur.

Doch wir leben in einer Neid-Gesellschaft. Und jetzt gibt es auch noch den Klima-Hype. Da stehen SUV-Fahrer ganz schön dumm da. Sie sind der perfekte Sündenbock - solange, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.

Andreas Reiners / mid