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Mit ausgezeichneten Omnibussen nach Brüssel

Von 18. bis 23. Oktober führen alle Wege nach Brüssel, für die europäische Omnibusbranche ist die im zweijährigen Turnus stattfindende Busworld Pflicht. Es gilt noch immer: Nirgendwo sonst findet man ein vergleichbares Angebot an Omnibussen, an Neuheiten, Trends und Branchengerüchten - ganz ohne Lastkraftwagen oder Transporter, hier bleibt die Omnibuswelt unter sich. Experten wie Rudi Kuchta von MAN schätzen den Branchentreff als ideale Plattform, der Omnibus-Chef bei MAN schwärmt: "Die Busworld ist die "Busmesse" in Europa, die auch weltweites Fachpublikum anzieht."

Bei den Münchnern ist die Morgenluft fast greifbar, die depressive Stimmung der letzten Jahre ist Vergangenheit. Vielleicht auch, weil sich die Nachfrage nach den Produkten des Hauses recht prächtig entwickelt hat. 2018 konnten 14 Prozent mehr (gegenüber 2017) Fahrzeuge verkauft werden - und aktuell profitiert das Unternehmen vom 2018er-Ordereingang, der gar um 19 Prozent wuchs.

Spektakuläre Verkaufserfolge wie die 400 Stadtbusse für Mekka oder 105 Einheiten für die spanische Metropole Barcelona tragen dazu bei, aber auch im Reise-Segment konnte der Omnibus-Geschäftsbereich von MAN punkten. Auch mit dem neuen Lion's Coach sind die Münchner gut ins Geschäft gekommen. Jetzt waren die Verkaufszahlen für den Lion's Coach ganz erklecklich nach oben geschnellt, 1.500 Coaches konnten seit der Markteinführung an die Frau und den Mann gebracht werden. Damit konnte sogar der große Wettbewerber aus Stuttgart kurzzeitig überflügelt werden.

Die gesamte Omnibuspalette des Konzerns ist weitgehend erneuert oder modernisiert. Ziemlich ansehnlich sogar, auch wenn die Bewertung der Attraktivität im Auge des Betrachters liegt. Ausnahmslos alle neuen Modelle, sowohl der Stadtbus Lion's City, der Intercity als auch der Lion's Coach wurden mit namhaften Design-Auszeichnungen bedacht. Komplimente gibt es von vielen Seiten, es sind auch nicht nur die MAN-Karossen, die allseits Beifall finden. Auch das Interieur verdient das Prädikat "sehenswert".

Endlich ist der Startschuss für die Serienfertigung des neuen Lion's City gefallen, auf den die Kunden und die Verkäufer so lange warten mussten. Fast zeitgleich mit dem Dieselverbrenner geht auch der neue Erdgas-Stadtbus ins Rennen. Und zwar in drei Längen, mit 12, 18 und 18,75 Metern. Der neue D15-Diesel ist als Neunliter-Sechszylinder mit den Motorleistungen 280, 330 und 360 PS verfügbar. Und der neue 9,5 Liter kleine Gasmotor (Typ E18) befeuert mit 320 PS und 1.400 Newtonmetern sowohl Solo als auch Gelenkzüge.

Die Diesel- und CNG-Verbrenner können mit einem Mildhybrid-Antrieb kombiniert werden, der die Motoren an Haltestellen abstellt und bis zu 16 Prozent Treibstoff sparen soll. Selbst der Elektroantrieb für den Stadtbus ist schon weit gediehen. Hier gehen die Münchner eigene Wege. Zum einen, weil sie ihre batterieelektrischen Modelle konsequent ohne Motorturm und mehr Platz im Heck konzipieren. Zum anderen setzt MAN ohne Wenn und Aber auf Zentralmotorantrieb.

Die Permanentmagnet-Motoren liefert die Traton-Konzernschwester Scania zu. Auch in der Frage der Batterien stellt sich MAN eigenständig auf. Die Münchner setzen auf aus Depotladen oder "Overnight-Charging" mit CCS-Steckerladung, bis zu 150 Kilowatt Ladeleistung soll möglich sein. Bei den großen Batteriepaketen soll es sich um gängige NMC-Akkus (= Nickel-Mangan-Kobaltoxid) handeln, MAN spricht nur von einer ausgereiften Batteriezelltechnologie aus dem Konzernbaukasten.

Für den Solobus sind 480 kWh vorgesehen und für 640 kWh im Gelenkbus. Allerdings machen die MAN-Techniker die Gesamtkapazität nur zu 60 Prozent nutzbar, "zugunsten der Lebensdauer der Batterien", wie uns die Techniker erklären. Was die eher knapp bemessene Reichweite von nur 200 Kilometern erklärt.

Auch für den Regionalverkehr liefert MAN gute Nachrichten. Endlich erhält der Lion's Intercity mit dem D15-Sechszylinder den Motor, den er auch braucht. Bislang dümpeln die Verkaufszahlen noch vor sich hin, zumindest hierzulande, wo sich das Intercity-Geschäft doch sichtlich verändert.

An den Reisebussen haben die MAN-Vertriebsstrategen heute mehr Freude. Die erst kürzlich ausgezeichneten Lion's Coach-Hochdecker können sich im Wettbewerbsfeld sehen lassen. Jetzt erhalten sie mit neuen D26-Sechszylindern gemäß Euro 6d auch mehr Leistung und Drehmoment. Dazu neue Getriebe und Achsen, die den Vortrieb deutlich sparsamer gestalten. Da und dort findet man Aufwertungen und Verbesserungen, auf den folgenden Seiten gehen wir ausführlich darauf ein.

Neuheiten gibt es auch bei den Neoplan-Fahrzeugen zu vermelden. Es bleibt bei den bewährten drei Grundmodellen Tourliner, Cityliner und Skyliner. Sie profitieren analog der Coach-Aufwertung von neuen Antriebsaggregaten und Modellpflegemaßnahmen. Für City- und Skyliner gibt es optional Mirror Cams, die der Aerodynamik zugutekommen und die toten Winkel eliminieren.

Auch nach unten runden die Münchner ihr Omnibusprogramm weiter ab und mutieren so Schritt für Schritt zum Vollsortimenter. Neben dem bereits bekannten MAN TGE Intercity gibt es jetzt einen TGE-Minibus mit der Bezeichnung City für den Stadtbetrieb, der Fünftonner besitzt mittschiffs den üblichen Niederflur-Einstieg und ein über Stufen erreichbares bestuhltes Heck. Auch der eTGE Kombi zielt auf städtische Einsätze, der achtsitzige Fronttriebler ist gut als Bürgerbus vorstellbar.