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Mit Glanz und Gloria: So blüht Autolack wieder auf

Archivartikel

Bei Vogelkot sehen Autofahrer rot. Denn diese Flecken sind nicht nur hässlich, sondern auch äußerst gefährlich für den Lack. Wer sie nicht schnell entfernt, riskiert bleibende Schäden.

Deshalb raten Experten, das Auto so rasch wie möglich von den Schandflecken zu befreien. Und so geht das: Die verschmutzten Stellen sollten vorsichtig mit einem weichen Schwamm und lauwarmem Wasser gereinigt werden. Danach wird die Oberfläche noch mit Hartwachs behandelt, damit die Lackierung der nächsten Verschmutzung besser widerstehen kann und länger glänzt.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, haben die Spezialisten von Autobauer Ford in ihren geheimen Laboren künstlichen Vogelkot entwickelt. Die Säuren des Materials sollen die Rückstände der meisten europäischen Vogelarten abbilden, heißt es.

Der künstliche Vogelkot wird dann bei 40, 50 und 60 Grad Celsius in einem Ofen erhitzt, um die Lackoberflächen an ihre Grenzen zu bringen. Darüber hinaus werden die Lacke weiteren Härtetests unterzogen. Hintergrund: Bei Hitze werden die Oberflächen weicher und dehnen sich aus. Beim Abkühlen ziehen sie sich wieder zusammen und jeder Schmutz, einschließlich Vogelkot, haftet dann besonders stark, klebt förmlich an dem empfindlichen Lack. Ein ähnliches Szenario spielt sich im Verkehrsalltag bei Sonneneinstrahlung ab - deshalb die Erhitzung der synthetischen Säuren im Labor.

Wenn der Vogelkot nicht entfernt wird, droht oft eine Sonderbehandlung beim Lackprofi - und das kann recht kostspielig sein. Durch die Feinabstimmung von Pigmenten, Füllstoffen und Additiven können Spezialisten jedoch eine optimale Zusammensetzung des Lacks sicherstellen, die für maximalen Farbglanz sorgt - bei zugleich bestmöglichem Schutz vor Schadstoffen und Wettereinflüssen, erläutern die Ford-Experten.

Vogelkot ist oftmals weiß und schwarz. Der weiße Teil ist die Harnsäure, also der Urin des Vogels. Bei den dunklen Bestandteilen handelt es sich um verdaute Nahrung. Beides wird meistens gleichzeitig vom Vogel ausgeschieden. Dies geschieht mit einer solchen Geschwindigkeit, dass die unterschiedlichen Sekrete keine Zeit haben, sich zu vermischen. Dieses unappetitliche Ergebnis können Autofahrer häufig begutachten, die ihr Fahrzeug abends regelmäßig unter Bäumen parken.

Was auffällt: In der Corona-Krise scheinen besonders viele Kot-Kleckse die Autos zu "zieren". Handelt es sich dabei etwa um optische Täuschung? Mitnichten, betonen die Ford-Fachleute. "Da derzeit besonders viele Autos geparkt sind, weil die Menschen zu Hause bleiben, ist es wahrscheinlich, dass die Vögel mehr als sonst ihre Spuren hinterlassen", sagt Andre Thierig, Lack-Experte von Ford Europa.

Kunden könnten sich darauf verlassen, dass viel Entwicklungsarbeit und Know-how in den Schutz der Lackierungen investiert wurde, versichert Andre Thierig. So umfassen die Tests auch eine Bestrahlung von Lackflächen mit ultraviolettem Licht für eine Dauer von bis zu 6.000 Stunden in einem Labor. Außerdem werden Lacke bei Minusgraden gefroren, Salz und Schmutz ausgesetzt sowie mit Kraftstoff übergossen, wie es etwa bei Überbetankung passieren kann.

Bei so viel Hingabe und Liebe zum Detail dürften die Lacke der Ford-Fahrzeuge mit der nächsten Frühlingssonne ganz sicher wieder mit Glanz und Gloria aufblühen. Doch auch die Vögel werden zurückkehren - kackfrech wie sie nun mal sind.

Ralf Loweg / mid