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Premiere VW Golf VIII Volkswagen stellte die neue Generation seines Bestsellers in Wolfsburg vor / Umweltfreundliche Antriebe, aber keine reine Elektroversion

Mit Hybrid ins achte Kapitel der Erfolgsgeschichte

Archivartikel

Sieben Jahre hat Volkswagen seine siebte Golf-Generation verkauft. Jetzt wurde der Vorhang für den Nachfolger gelüftet, der vieles besser kann.

Wer ein Auto 35 Millionen Mal auf der Welt verkauft hat, hat eigentlich den Schlüssel zum Erfolg bereits gefunden. Und trotzdem ist jeder Modellwechsel beim Golf eine neue Herausforderung für Volkswagen. Er muss das meistverkaufte Auto in Deutschland bleiben. Das ist nicht nur eine Frage des Erfolgs, sondern auch eine des Prestiges.

Vielleicht ist dieser Druck der Grund, weshalb seit dem Golf III jeder Generationswechsel optisch eine sanfte Evolution und keine Revolution war. Das gilt auch für den Golf VIII. Seine Premiere machte Volkswagen zum Heimspiel. Der kompakte Bestseller wurde mit vielen prominenten Claqueuren in Wolfsburg der Öffentlichkeit präsentiert.

Fast hatte man das Gefühl, Bundestrainer Joachim Löw, Weltmeister Pierre Littbarski, die Schauspieler Andrea Sawatzki, Moritz Berkel und Max von Thun, Filmproduzent Oliver Berben oder Ex-Formel 1-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck wären eingeladen worden, um dem neuen Golf die Schau zu stehlen.

Wenn, dann galt die geteilte Aufmerksamkeit dem italienischen Designer Giorgetto Giugiaro. Ihm war es vor 65 Jahren gelungen, dem Käfer-Nachfolger dieses pragmatische Blechkleid zu schneidern, mit dem eine neue Fahrzeugkategorie begründet wurde: Die Kompaktklasse, die jeder fast selbstverständlich „Golfklasse“ nennt.

„In jedem neuen Golf steckt die DNA von Giugiaros erstem Golf“, bescheinigte VW-Chef Herbert Diess dem italienischen Meister-Designer. Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG erläuterte außerdem die aktuelle Herausforderung: Der Golf biete fast alle Facetten umweltfreudlicher Fortbewegung. Es wird ihn mit Benzin-, Diesel-, und Erdgasmotoren geben, auch als Plug-in-Hybrid, die eine bestimmte Strecke rein elektrisch fahren können, sonst aber von einem Verbrenner fortbewegt werden. Einen reinen Elektro-Golf hat VW nicht mehr. Diesen Part soll bald das kompakte Elektroauto ID.3 übernehmen.

Marken-Vorstand Ralf Brandstätter gerät ins Schwärmen, wenn er die Neuerungen aufzählt, die den Golf auszeichnen. Hier zieht Technik ein, die es in dieser Fahrzeugklasse bisher nicht gab. Dazu zählt die auf Bildschirme gestützte Information und Steuerung. Der Touchscreen auf der Mittelkonsole ist keine Überraschung. Der zweite Bildschirm, der die Instrumententafel komplett digitalisiert, schon.

Keyless go wird neu definiert. Kompatible Smartphones ersetzen den Schlüssel. Der Golf selbst ist ebenfalls ständig online und verbindet sich mit Streamingdiensten, Webradio und weiteren Online-Angeboten. Wer will, kann „Alexa“ integrieren und wie zuhause auf Kommando Musik abspielen, Nachrichten abrufen oder Smart-Home-Geräte steuern.

Weil die Hersteller autonomes Fahren als Sicherheitsaspekt entdeckt haben, unterstützt Golf VIII den Fahrer durch intelligentes, aktives Lenken, Gasgeben und Bremsen bis 210 km/h. Nicht alle Modelle werden so schnell sein, denn das Einstiegsmodell begnügt sich mit 90 PS Leistung. Am anderen Ende der PS-Skala sind 300 PS geplant. VW verspricht niedrige Verbrauchswerte. Dort, wo der Vertrauensverlust durch den Dieselskandal am größten ist, wollen sich die Wolfsburger keine Blöße geben. Eine zweifache AdBlue-Einspritzung reduziert die Stickoxid-Emission. Wer mehr erwartet, der findet zwei Hybridmotoren.

Schon der auf einer 48-Volt-Bordelektrik basierende „Mild-Hybrid“ spart zehn Prozent Verbrauch. In der nächsten Stufe stehen zwei Plug-in-Versionen zur Auswahl. Die schwächere hat bereits 204 PS, die sportlichere sogar 245 PS.

Wie weit man mit dem Hybridmotor tatsächlich rein elektrisch fahren kann, ob der neue Golf beim Verbrauch hält, was seine Entwickler versprechen, und wie er sich fährt, können die ersten Kunden in Europa schon ab Dezember erleben. Die anderen Märkte folgen kurz darauf. Für alle anderen werden wir diese Informationen in einem Test nachliefern.