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Mit Volvo-Schätzen auf Jubiläums-Tour

Archivartikel

Vor ziemlich genau 50 Jahren baut Volvo den letzten "Amazon". Ein Exemplar aus dem finalen Baujahr - ein 123 GT - gehört zu den Schätzen des Volvo-Museums in Göteborg. Zum runden Geburtstag darf die zweitürige Limousine ausnahmsweise auf Tour.

Der Motor-Informations-Dienst (mid) gibt Gas und nimmt dies zum Anlass für einen Vergleich zwischen Volvo-Modellen aus drei Generationen. Jubilar Nummer zwei: der 25 Jahre alte Volvo 850 T5-R mit fünf Zylindern und munteren 176 kW/240 PS, die auch heute noch für reichlich Fahrspaß sorgen. Um das Volvo-Bild zu komplettieren, steht noch ein brandneuer V60 mit Plug-in-Hybrid bereit.

Obgleich kein Riese, erweist sich der "Amazon" noch heute als edler Hingucker. Elegant schmiegt er sich an die Straße und kann sich auch mit seinen Fahrleistungen im heutigen Straßenverkehr behaupten. Sicherheit wird bei Volvo schon damals großgeschrieben. So wartet er gleich mit mehreren Besonderheiten auf: einem in der oberen Hälfte gepolsterten Armaturenbrett, einer Frontscheibe mit Sicherheitsverglasung und den ersten serienmäßigen Befestigungspunkten für Sicherheitsgurte auf Vorder- und Rücksitzen. Ab 1959 ist das Modell außerdem das weltweit erste Fahrzeug mit serienmäßigen Dreipunkt-Sicherheitsgurten.

Unterdessen besitzt der Amazon keinen runden, sondern länglichen Tacho mit einer km/h-Zahlenreihe von links nach rechts. Das Ambiente ist für damalige Verhältnisse gehoben, das Platzangebot durchaus großzügig. Dass sich danach aber technisch alles schneller verändert als in den Jahrzehnten zuvor, merkt man beim Umstieg in den 25 Jahre jüngeren Volvo 850 T5-R. Dieses Auto wartet mit mehr Masse auf, sattem Sound und einer klassisch-elegant schaltenden Automatik jenseits der heute so populären Schaltwippentechnik.

Der Fahrer nimmt hier in lederbezogenen Wohnzimmersesseln Platz und sitzt wie in Abrahams Schoß. Der aufgeladene Motor beschleunigt souverän - auch gemessen an heutigen Ansprüchen. Komfortabler und behaglicher geht es kaum.

Verglichen mit aktuellen Modellen verhält sich der 850er von 1995 allerdings in Kurven etwas behäbig. Merklich wird das vor allem beim unmittelbaren Vergleich mit dem rasanten V60 T8 AWD "Polestar Engineered". Volvo hat sich ja vor ein paar Jahren neu erfunden, Milliarden in die Entwicklung gesteckt und baut heute modern-elegante Fahrzeuge fortschrittlichen Antrieben und innovativer Sicherheitstechnik. Gegen den drahtigen 405-PS-Hybriden wirkt der 850 T5-R ein wenig betagt wie ein Herr mit grauen Schläfen, der sich allerdings sehr fit gehalten hat.

Das Fahrwerk des V60 T8 AWD "Polestar Engineered" sorgt für feinstes Handling: Die Mehrlenker-Aufhängung an Vorder- und Hinterachse umfasst hochwertige Stoßdämpfer mit Dual-Flow-Ventil. Sie erhöhen die Steifigkeit von Federn und Dämpfern, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.

Davon abgesehen ist hinsichtlich des Interieurs bei Volvo jede Menge passiert. Die aktuellen Cockpits sehen ungemein edel aus. Da können die Veteranen bei all ihrem Nostalgie-Charme nicht ganz mithalten. Und dennoch sollte man sie in Ehern halten.

Lars Wallerang / mid