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Rallye-Abenteuer für harte Kerle

Archivartikel

Wo sich sonst Gnu und Zebra Gute Nacht sagen, stellt der Geist des Amaroks ein paar harte Kerle auf eine Probe der besonderen Art. Die unerschrockenen Automobilisten müssen eines der größten Offroad-Abenteuer unserer Zeit meistern. Tatort ist Südafrika. Mehr als 10.000 Kilometer von der Heimat entfernt, will Autobauer Volkswagen beim "Spirit of Amarok" die Geländetauglichkeit seines Pick-ups beweisen. Da machen sogar die Giraffen lange Hälse. Der Motor-Informations-Dienst (mid) war bei dem Härtetest mit dabei.

Was wird von den Teilnehmen verlangt? Es gilt, den Amarok zentimetergenau durch eng gesteckte Passagen über zerklüftete Trial-Prüfungen zu manövrieren. Dabei ragt auch häufig mal ein Rad in die Luft. Dann wiedrum gibt es Speed-Passagen mit Toren, bei denen zwischen Pick-up und Torstangen gerade eine Handbreit Platz ist. Das erinnert fast ein wenig an einen Slalom für Skifahrer - und das in der weiten Steppe.

Die Beifahrer haben dabei die Aufgaben, immer auf ihrer Seite das verbleibende Raumangebot zu checken und außerdem die Zeitvorgaben im Auge zu behalten: Wer das Fünf-Sekunden-Fenster der Idealzeit verfehlt, erhält Strafpunkte, die es auch für das Berühren der Stangen oder gar das Zurückstoßen reichlich gibt.

Insgesamt 18 Teams aus neun verschiedenen Ländern, in denen der VW Amarok angeboten wird, stellen sich der Herausforderung. Deutschland wird durch zwei Teams vertreten, die sich in jeweils zwei Vorausscheidungen fürs Finale in Südafrika qualifiziert haben.

Unter dem Künstlernamen "Bagger-Mafia" treten Norman Nielsen und Stefan Dietz aus dem hohen Norden an. Die beiden Bagger-Unternehmer mit Motorsporterfahrung geben sind ambitioniert und optimistisch, einen besseren Auftritt als die deutschen Teilnehmer der Vergangenheit abzugeben.

Das zweite deutsche Team mit Christian Ziegler und Thorsten Gotthardy, ein Dachdeckermeister und ein Unternehmensberater, kommt aus Esslingen. Beide haben Erfahrung als Offroad-Instruktoren und setzen ihren Teamnamen "Kaltverformer" glücklicherweise nicht in die Tat um.

Dafür macht das Wettbewerbs-Areal seinem Namen alle Ehre. Das Amanzi Game Reserve in 1.400 Meter Höhe in der Freistaat-Provinz bietet Platz für vielfältige Spiele mit den VW Amarok V6. Für die Zeitvorgaben wie auch das Abstecken der Sektionen sorgt niemand Geringerer als Sarel van der Merwe. Die südafrikanische Motorsport-Legende, die sich über zahlreiche nationale Meistertitel hinaus einen Namen in der Rallye-WM und bei Langstreckenrennen in Le Mans und Daytona gemacht hat, ist heute die Leitfigur der südafrikanischen Offroad-Szene.

Der "Spirit of Amarok" ist ein Spektakel, bei dem außergewöhnliche Bilder entstehen. Diese Momentaufnahmen sind es, die sich in der Erinnerung der Teilnehmer einbrennen. So zum Beispiel auf einer Passage der Speed-Prüfung des ersten Tages: Man hört in der Ferne ein Auto starten, sieht dann eine große rötliche Staubwolke, vor der ein weißer Amarok V6 zu fliehen scheint, ehe sie ihn in einer engen Kurve einholt.

Und dann der Höhepunkt: Praktisch aus dem Staub heraus beschleunigt der Amarok mit seinen 258 PS, meistert eine langgezogene Linkskurve ohne Gaswegnehmen in einem gleichmäßigen Drift, und mit einer winzigen Lenkkorrektur fädelt der Fahrer das Auto ohne Berührung einer Stange durch das nächste Tor.

Die Südafrikaner und die beiden deutschen Teams führen hier die hohe Schule des Offroad-Fahrens vor, auch ein dänisches und ein tschechisches Team schlagen sich wacker. Aber an deren Geschwindigkeit trauen sich nicht viele Teilnehmer heran, und ohne kurzes Aufleuchten der Bremslichter geht es bei den meisten Konkurrenten nicht ab.

Die heimische Tierwelt reagiert auf die gebotene Show unterschiedlich. Eine Giraffen-Familie nimmt das Geschehen von hoher Warte aus mit scheinbar stoischer Ruhe zur Kenntnis. Dagegen verfolgt ein halbes Dutzend Zebras jedes Auto interessiert aus jener Sicherheitsdistanz, die auch südeuropäischen Rallyezuschauern generell zu empfehlen wäre. Zwei missmutig dreinblickende Kudus trollen sich im versammelten Galopp.

Nach vier harten Tagen im südafrikanischen Winter mit 25 Grad Celsius bei Tag und Temperaturen knapp über Null während der Nachruhe in den Zelten steht es fest: Die Sieger kommen auch dieses Mal aus Südafrika: Christian und Pikke Otto sind nicht zu schlagen. Für die deutschen Teilnehmer gibt es da und dort im Stangen-Labyrinth ein paar Kontakte zu viel.

Die Nordlichter Norman Nielsen und Stefan Dietz erkämpfen sich Platz vier, das Schwabenteam Christian Ziegler und Thorsten Gotthardy wird Zehnter. In der Nationenwertung springt der dritte Platz heraus, womit erstmals ein Team Germany den Sprung aufs Siegerpodium schafft.

Friedbert Weber / mid