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Robert Kubica: Endlich wieder mittendrin

Archivartikel

Echtes Racing. Harte Duelle Rad an Rad. Lackaustausch. Überholmanöver, Motorsport am Limit also: Robert Kubica ist 2020 endlich wieder mittendrin statt nur dabei. Nach einem schwierigen Jahr in der Formel 1 wagt der Pole 2020 den Sprung in die DTM, er geht für das BMW-Kundenteam ART Grand Prix an den Start.

Im Gespräch mit dem Motor-Informations-Dienst (mid) hört man sie heraus, die Sehnsucht und die Vorfreude. Den Drang, sich beweisen zu wollen. Keine Frage: Das Racing hat ihm gefehlt, denn im unterlegenen Williams war er chancenlos, auch gegen seinen Teamkollegen George Russell.

Kein einfaches Jahr für Robert Kubica, für ihn trotzdem ein enorm wichtiges, weil er trotz seines Arm-Handicaps sein Comeback in der Königsklasse des Motorsports feierte. "Ich habe es in die Formel 1 geschafft, nach allem, was passiert war", sagte er. Das habe ihm eine Menge gegeben, sowohl Erfahrung, aber auch das Wissen, dass er immer noch performen kann.

Er will nun durchstarten, loslegen, sich mit den anderen messen. Spaß haben, und das am besten auf Augenhöhe. "Ich hoffe, dass ich durch die DTM die Möglichkeit bekomme, wieder zu racen. Ich hoffe, dass ich in der DTM konkurrenzfähiger sein werde. Wenn ich Erfolg habe, wäre das eine große Befriedigung", betonte er.

Doch natürlich kennt Kubica die Vergangenheit. Er weiß, dass es Formel-1-Stars nicht unbedingt einfach hatten mit dem Umstieg in einen Tourenwagen. Die bescheidenen Statistiken der Vorgänger wie David Coulthard oder Heinz-Harald Frentzen oder auch von BMW-Kollege Timo Glock, der anfangs arge Probleme hatte, können abschreckend wirken.

"Das zeigt, wie hart der Wettbewerb ist und wie unterschiedlich die DTM zur Formel 1 ist. Meine Erfahrung aus den letzten 15 Jahren auf der Strecke wird nicht unbedingt hilfreich sein. Angst macht mir das aber nicht", sagt Kubica. Er weiß aber: "Es ist eine der härtesten Herausforderungen meines Lebens. Ich habe einen riesigen Respekt vor der Serie und den Fahrern und weiß, dass es schwierig wird."

Hinzu kommt, dass das Coronavirus auch die DTM fest im Griff hat. Die vor allem für ihn so wichtigen Testfahrten wurden abgesagt, der Saisonstart verschoben, keiner weiß im Moment, wann und wie es weitergeht. Parallel ist Kubica Ersatzfahrer bei Alfa Romeo in der Formel 1, die Anfang Juli 2020 ihren Betrieb wieder aufnehmen will.

Welche konkreten Ziele hat er sich gesetzt? Da bleibt er zurückhaltend. Er selbst ist Rookie, ART Grand Prix hat zwar DTM-Erfahrung, die liegt aber schon ein paar Jahre zurück. "Als Neuling muss man realistisch sein und sollte sich keine massiven Ziele setzen. Wir müssen sicherstellen, dass wir unseren Job gut machen und uns auf uns selbst fokussieren."

Dafür muss aber sein BMW M4 DTM konkurrenzfähig sein. "Die Stärke des Autos ist ein wichtiger Teil des Projekts. Und wenn wir den Job gut machen, können wir hoffentlich abliefern." Er erwarte kein einfaches Jahr, so Kubica: "Aber ich hatte nie Angst vor Herausforderungen." Und was vor allem zählt: Er ist endlich wieder mittendrin.

Andreas Reiners / mid