Auto

Skoda Scala: Maximalist in der Poloklasse

Seit dem VW-Einstieg bei Skoda haben die Tschechen das Privileg, auf den Konzernplattformen immer die Modelle mit der maximalen Raumnutzung zu bauen. Und dieses Prinzip ist an keinem Modell mustergültiger ablesbar als beim Scala. Oder besser gesagt, kein Modell verbirgt seinen technischen Stammbaum gekonnter als der Nachfolger des Rapid, der nicht nur einen weitaus eleganteren Namen, sondern auch ein dazu passendes Ambiente mitbringt. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat ihn in der Version mit dem 1,5 Liter TSI-Motor ausgiebig testen können.

Selbst wenn der Scala neben einem Polo parkt, würde keiner unterstellen, dass diese beiden Fahrzeuge im Grunde in der gleichen Klasse unterwegs sind. Auch zum Vorgänger, dem keineswegs kleinen Rapid, macht der Scala, der als erstes Modell die sogenannte A0-Plattform des Konzerns nutzt, nochmal richtig Boden gut. Mit einer Außenlänge von 4,36 Metern plus einer Breite von 1,79 Metern gehört dieses Modell im Grunde in die Kompakt- oder Golfklasse. Die Form geht aber weniger in Richtung Golf als in die eines Audi A3 Spaceback mit einer deutlich länger gezogenen Dachline.

Wer die vom Rapid übernommene Heckklappe öffnet, schaut in einen 467 Liter großen Kofferraum. Nicht kleckern, eher klotzen. Mit maximal nutzbaren 1.410 Litern Ladevolumen unterstreicht der Scala seine Konkurrenzfähigkeit bis ins Kombi-Segment. In der teilbar klappbaren Rücksitzlehne vermissen wir allerdings eine Durchschiebe-Luke für Skier. Eine Clever-Lösung, die zu viel kostet? Wer die Option einer einklappbaren Beifahrer-Rücksitzlehne wählt, kann aber bis zu 2,40 Meter lange Gegenstände im Scala - was lateinisch Leiter heißt - unterbringen. Ein Allzweck-Auto für Kunden, die beim Kauf auf ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis achten und sich nicht von der SUV-Welle mitreißen lassen wollen.

Für das Einstiegsmodell verlangt Skoda aktuell 17.690 Euro, wobei der getestete 1,5 Liter Vierzylinder-TSI mit 150 PS Leistung und Siebengang-DSG aber gleich mal gut 10.000 Euro mehr als der 1,0 Liter Dreizylinder-Basis-Scala kostet. Unter dem Strich summierte sich der Preis unseres mit allem Schnick und Schnack wie Sportfahrwerk und Rückfahrkamera aufgepumpten Testwagens auf 36.599 Euro. Ein Auto zum Preis von zwei, das geht auch bei Skoda inzwischen. Doch schon in der Active genannten Basisversion wurden nicht nur das Ambiente und speziell die Sitze wirklich aufgemöbelt, auch technisch bringt der Scala schon in Serie etliches mit. So etwa einen Spurhalte- und den Frontradarassistenten mit City-Notbremsfunktion. Auch LED-Technik für Tagfahr- und Abblendlicht, elektrische Fensterheber und elektrische Spiegel sind Scala-Standard.

Nach oben bietet die Options- und Ausstattungsliste klassenüberwindende Komfort- und Sicherheitsfeatures. Zum Beispiel eine adaptive Temporegelung, die von 210 km/h bis zum Stillstand nutzbar ist, eine Toter-Winkel-Überwachung mit 70 Metern Reichweite und das virtuelle Cockpit. Hier lassen sich auf dem zehn Zoll messenden Bildschirm ganz nach Geschmack fünf unterschiedliche Darstellungspanoramen wählen. Der maximal 9,2 Zoll große Zentralbildschirm führt per Finger ziemlich intuitiv durch die Menüs von Musik, Navigation und Kommunikation. Die Einbindung eines Smartphones funktioniert nach den Firmenslogan: simply und clever.

Unser Testwagen verfügte auch über eine induktive Ladeschale, allerdings muss zur Nutzung von Android Auto das Telefon per USB-Kabel gekoppelt werden. Aber das ist eine Anforderung von Android, nicht von Skoda. Im Vergleich zur Navigationsleistung und dem Komfort gefiel uns die Smartphone-Kabellösung etwas besser als die fest eingebaute Lösung von Skoda. Mit bis zu vier USB-Anschlüssen (zwei vorn in Serie, zwei hinten als Option) sollte der Scala allen Anforderungen moderner Peripherie-Geräte gerecht werden.
Was das Ambiente angeht, gesellt sich dann schick als Attribut zu groß und technisch überzeugend dazu. Anders als beim spartanisch eingerichteten Rapid werden beim Scala die Kunststoffoberflächen weicher und haptisch wertiger ausgeführt. Auf akkuraten Einbau verstehen sich die Tschechen schon immer. Zum neuen Selbstbewusstsein passt, dass mit der Einführung des Scala vor etwa einem Jahr auch der Firmenname groß und in voller Breite das Heck der Fahrzeuge ziert. Sitzkomfort, Raumangebot und Rundumsicht sind im Scala tadellos.

Dieser insgesamt gelungene Auftritt endet nicht mit dem Starten den Motors. Der 1,5 Liter-Vierzylinder als neue Allzweckwaffe im VW-Konzern wirkt hier akustisch besonders gut gedämmt. Seine 150 PS sind auch sportlicher Gangart nicht abgeneigt, wobei der Vierzylinder im Leistungsmodus etwas knurrig klingt, ohne es zu sein. In 8,5 Sekunden lässt sich der Scala auf 100 km/h beschleunigen und in der Spitze sollen nach Datenblatt 219 km/h möglich sein. Damit lässt sich auch dem Nachbarn gegenüber mit den Scala punkten. Wesentlicher, aber weniger leicht zu belegen ist das komfortable Fahrverhalten, das auch bei groben Flickstellen und Schlaglöchern nur wenig Unruhe ins Auto durchleitet. Die Lenkung durfte allerdings mehr Transparenz bringen. Gerade um die Mittellage schien uns die Präzision verbesserungsfähig.

Die im Datenblatt ausgewiesenen 4,9 Liter als Durchschnittsverbrauch konnten wir im Alltagsbetrieb nicht erreichen, aber mit einem 14-Tage-Schnitt von 5,7 Litern gelingt dem Scala auch in Sachen Verbrauch eine ziemlich überzeugende Vorstellung.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Skoda Scala 1,5 TSI DSG:

- Länge / Breite / Höhe: 4,36 / 1,79 / 1,47 Meter
- Motor: Vierzylinder Direkteinspritzer Turbo
- Hubraum : 1.498 ccm
- max. Leistung : 150 PS/110 kW bei 5.000 U/min
- maximales Drehmoment : 250 Nm bei 1500 U/min
- Siebengang DSG
- 0 bis 100 km/h : 8,5 s
- Spitze: 219 km/h
- Normverbrauch: 4,9 l/100 km (NEFZ)
- CO2-Emission: 116 g/km
Preis : ab 27.150 Euro (Schaltgetriebe)