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Skoda Scala: Quirliger Kleiner mit Marathon-Fähigkeiten

Archivartikel

Nicht jeder, der ein kompaktes Auto sucht, ist auf ein reines Stadtauto für den ausschließlichen Betrieb im urbanen Umfeld fixiert. Denn die Vorteile eines kleinen, leichten und sparsamen Fahrzeugs kehren sich auf längeren Strecken nicht automatisch in Nachteile um. Freilich: Nicht jeder automobile Zwerg bietet den Reisekomfort, der einem großen Wagen fast automatisch mitgegeben ist. Das fängt beim Antrieb an, umfasst auch das Innenraumgefühl mit guten Sitzen sowie anständiger Geräuschdämmung und endet beim ausgewogenen Fahrwerk.

Der Skoda Scala, der 2019 den Rapid beerbte, könnte genau in dieses Beuteschema fallen. Zumal er noch mit einem Dieselmotor angeboten wird, der genug Leistung für die Autobahn offeriert, ohne dabei zum Brüllaffen zu werden. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat es ausprobiert und griff zu einem Scala mit 1,6-l-TDI-Motor und 7-Gang-DSG-Getriebe. Der aufgeladene Selbstzünder leistet 115 PS und passt ideal zum Scala.

Abgesehen von einer Anfahrschwäche, bei der sich das Turboloch bei niedrigen Drehzahlen und das etwas verzögerte Einrücken der Kupplung überlagern, sodass beim Wegfahren aus dem Stand eine kleine Kunstpause entsteht, ist dieser Antrieb ein Alleskönner: quicklebendig, wenn es flott vorwärts gehen soll und elastisch genug, um mit niedrigen Drehzahlen im Verkehrsbrei mitzuschwimmen.

Dabei bleibt der Diesel immer genügsam. Bei einer gemütlichen Landstraßenrunde kamen wir auf lediglich 4,6 Liter je 100 Kilometer. Bei einer gemischten Fahrt mit einer Stadtdurchquerung und rund 100 Kilometer Autobahnfahrt waren es 5,7 Liter und erst als es darum ging, auf einer völlig leeren Autobahn mit Vollgas möglichst rasch zum Flughafen zu kommen, genehmigte sich der flotte Tscheche 8,1 Liter je 100 Kilometer. Wenn es unbedingt ganz schnell ein muss, lässt sich der Scala allerdings auch nicht lumpen und ist mit maximal 200 km/h unterwegs.

Steht beim Kauf die vielseitige Nutzbarkeit des Wagens im Vordergrund, dann hat Skoda mit dem Scala genau ins Schwarze getroffen. Die Karosserie baut auf einer VW-Plattform auf, die auf den internen Namen MBQ A0 hört und auch für den VW Polo und den Seat Ibiza genutzt wird. Allerdings hat sich Skoda für die längste Ausbaustufe entschieden, die mit einem großzügig dimensionierten Radstand für Innenraummaße sorgt, die schon fast auf Octavia-Niveau liegen. In der Praxis profitieren davon besonders die Hinterbänkler, die mit kommoder Beinfreiheit angenehmen Reisekomfort genießen. Das geht allerdings nicht zu Lasten des Kofferraums, der mit 467 bis 1.410 Liter Ladevolumen ebenfalls üppig ausgefallen ist.

Optisch bietet der Scala deutlich mehr Chic als sein Vorgänger. In der "Style"-Ausstattung, die direkt unter der Top-Version "Monte Carlo" rangiert, bietet Skoda ein vernünftiges Paket, das für knapp über 28.000 Euro geschnürt ist. Allerdings lässt sich die Endsumme durch die detailreiche Aufpreisliste rasch in die Höhe treiben. Beim mid-Testwagen machten die Anschlussgarantie auf drei Jahre und diverse Ausstattungspakete fast 5.000 Euro aus. Insgesamt summierten sich die angekreuzten Sonderwünsche auf 10.000 Euro. Damit waren allerdings zum Beispiel auch ein edleres Soundsystem, der adaptive Abstandsassistent, die Diebstahlwarnanlage, der Knieairbag auf der Fahrerseite plus Seitenairbags im Fond, eine Müdigkeitserkennung, das Sportfahrwerk SCC und die Rückfahrkamera an Bord.

Ein Augenzwinkern verrät Skoda stets mit seinen "Simply Clever" Lösungen. Sei es der Regenschirm, der in einer Röhre in der Fahrertür auf seinen Einsatz bei schlechtem Wetter wartet, der Eiskratzer mit Reifenprofil-Messer in der Tankklappe oder der integrierte Trichter im Waschwasserbehälter: Sie alle machen das Leben leichter. Als weniger "simply clever" empfanden wir das Bedienkonzept des Infotainment-Systems. Ein Beispiel: Den Tageskilometerzähler eben mal intuitiv auf Null zu setzen, misslang im mid-Test. Der Weg zum positiven Ergebnis scheint wohl eher der Fall für eine Doktorarbeit zu sein - mit der kleingedruckten Bedienanleitung als Quellenmaterial.

Weniger schön ist auch die Neigung des Scala, einem ruhigen Fahrstil mit sparsamen Lenkradbewegungen zu misstrauen. Wie auch bei anderen Modellen des VW-Konzerns schon erlebt, blafft ein Warnsystem den Fahrer immer wieder an, er solle doch endlich die Hände ans Lenkrad nehmen, obwohl sie dort vorschriftsmäßig positioniert sind. Erst nach einem flotten Rüttler am Steuer, der einen angedachten Zickzackkurs simuliert, beruhigt sich dieses fehlerhaft ausgelegte Fahrerassistenzsystem mit Oberlehrer-Ambition wieder für einige Zeit.

Trotzdem: Der positive Eindruck beim Skoda Scala überwiegt. Das quirlige Raumwunder, das auch auf Langstrecke dauerhaft Spaß bereitet, begeistert durch spontane Gasannahme, mit dynamischem Fahrwerk und direkter Lenkung, die einen guten Fahrbahnkontakt vermittelt. Zudem leistet der niedrige Verbrauch seinen Beitrag, damit selbst bei zügigem Vorankommen mit Autobahntempo kein Hüpfen von Tankstelle zu Tankstelle angesagt ist.

Klaus Brieter / mid

Technische Daten Skoda Scala Style 1,6 l TDI DSG:

- Länge / Breite / Höhe: 4,36 / 1,79 / 1,50 Meter
- Motor: Vierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer
- Hubraum: 1.598 ccm
- Leistung: 85 kW/115 PS bei 3.250 - 4.000 U/min
- max. Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 - 3.250 U/min
- Getriebe / Antrieb: 7-Gang-DSG / Frontantrieb
- 0 bis 100 km/h: 10,1 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Normverbrauch: 4,0 l/100 km
- CO2-Emissionen: 106 g/km
- Preis: ab 28.268 Euro