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So viel spart der neue Renault Clio

Archivartikel

Ob als Alternative zu Flieger oder Bahn, Autos rechnen sich klimatechnisch immer noch in Zeiten der Umweltdiskussionen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den Test gemacht und fuhr mit dem neuen Renault Clio von Berlin nach Belgrad und zurück.

Mit dem Clio nach Rio hört sich schöner an als mit dem Clio nach Belgrad. Aber wegen einer Konferenz mussten wir nun mal nach Serbien. Und weil einem heutzutage das Umweltgewissen im Nacken sitzt, stellt sich schnell die Frage, welches Transportmittel auf der geplanten Route die beste Ökobilanz hat. Vor unserer Reise haben wir also mit einem CO2-Rechner - davon findet man unzählige im Internet - die Umweltbilanz überschlagen.

Ein Flug von Berlin nach Belgrad stößt demnach pro Person zirka 0,3 Tonnen CO2 aus. Ist man mit zwei Personen unterwegs, hat man für Hin- und Rückflug bereits 1,2 Tonnen CO2 verursacht. Zugreisen verursachen pro Person im Schnitt etwa ein Drittel dessen, was ein Auto auf derselben Strecke verbraucht. Pro Person werden rund 0,05 Tonnen CO2 ausgestoßen. Für Hin- und Rückweg mit zwei Personen ergibt das 0,2 Tonnen CO2.

Entscheidet man sich für das Auto, stößt man pro Fahrt, unabhängig von der Personenanzahl, 0,15 Tonnen CO2 aus. Für Hin- und Rückweg also 0,3 Tonnen. Mit Zug oder Auto wird nur ungefähr ein Viertel der Umweltbelastung verursacht. Der eigene CO2-Fußabdruck lässt sich also leicht reduzieren, indem auf Fliegen verzichtet wird.

Der Clio ist bei der zwölfstündigen Autofahrt nach Belgrad auf jeden Fall ein guter Begleiter. Er verfügt in der neuesten Generation über eine Reihe an Ausstattungsmerkmalen, die den Fahrern selbst lange Strecken erleichtern. Schon in der Einstiegsvariante für 12.990 Euro ist er mit einem Tempomat ausgestattet. Bei Langstrecken ist dies kaum noch wegzudenken. Aber auch der serienmäßige Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sowie der Spurhalteassistent sorgen für Sicherheit auf langen Fahrten.

Pluspunkte sammelt der Clio auch für das Interieur. Es gibt viel und gut erreichbaren Stauraum in den Türen. In der Mittelkonsole befinden sich die üblichen zwei Getränkehalter. Zusätzlich findet der Fahrer etwas Platz unter der Armlehne und eine Ablagefläche für das Smartphone, das auf Wunsch auch induktiv geladen werden kann. Auch größere Gepäckmengen lassen sich mit dem Clio gut transportieren. Der Kofferraum bietet 391 Liter Fassungsvermögen. Ein Peugeot 208 beispielsweise bietet nur rund 270 Liter, ein VW Polo sogar nur 251 Liter und ein Opel Corsa immerhin 280 Liter.

Während das Vorgängermodell des Clio noch rustikaler verarbeitet war und viel Hartplastik im Innenraum verwendet wurde, wirkt der Innenraum im neuen Clio deutlich wertiger. Statt Hartplastik werden jetzt aufgeschäumte, weiche Oberflächen verwendet. Die Bedienelemente für die - nicht serienmäßige - Klimaanlage scheinen von aktuellen Audi-Modellen inspiriert zu sein. Mithilfe der gut verarbeiteten Drehelemente kann die Temperatur im Innenraum einfach bedient werden. Die wichtigsten Fahrzeugfunktionen lassen sich über zentral angeordnete Kippschalter bedienen. Weitere Funktionen verstecken sich hinter einem 4, 7 oder 9,3 Zoll großen Display. Sämtliche Multimediasysteme sind optional. In der Basisversion hat der Clio kein Radio.

Neben Navigations- und Radiofunktion besitzt das neue EasyLink getaufte System auch eine Android Auto- und Apple CarPlay-Anbindung. Ansonsten fällt das System weder positiv noch negativ auf. Es erfüllt problemlos seine Aufgabe. Ebenfalls in der Liste der Sonderausstattungen finden potentielle Kunden eine digitale Instrumententafel. Dort lassen sich mithilfe der Knöpfe am Lenkrad verschiedene Informationen anzeigen. Praktisch ist dabei unter anderem die automatische Verkehrszeichenerkennung für Geschwindigkeiten. In der Praxis hat diese leider nicht immer einwandfrei funktioniert und somit teils zu Verwirrung geführt. So wurde uns zum Beispiel auf einer Autobahn über einen langen Zeitraum eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 km/h angezeigt.

Der kleine Franzose ist mit vier verschiedenen Benzinmotoren bestellbar. Der SCe 65 und der SCe 75 sind mit einem 1,0 Liter großen Dreizylinder-Saugmotor ausgestattet, die 65, beziehungsweise 75 PS leisten. Der TCe 100 nutzt den gleichen Motor in Zusammenarbeit mit einem Turbolader und leistet 100 PS. Zudem wird noch der TCe 130 mit einem 1,3 Liter großen Vierzylinder angeboten. Dieses Aggregat leistet 130 PS. Dieselmotoren sind in Deutschland nicht mehr zu haben. Geschaltet wird in den meisten Modellen manuell. Nur die Topmotorisierung TCe 130 wird standardmäßig mit Doppelkupplungsgetriebe geliefert.

Im Test waren wir mit dem TCe 100 unterwegs, der gemäß WLTP zwischen 4,4 und 4,7 Liter verbrauchen soll. Auf den insgesamt rund 2.500 Kilometern verbrauchte der Clio im Schnitt 5,5 Liter. Auf der gesamten Fahrt wurden also rund 140 Liter Superbenzin getankt. Je nach Spritpreis ergibt das etwa 100 Euro pro Fahrt. Bei einem CO2 Ausstoß von rund 100 g/km hat der Clio dabei mit zirka 0,25 Tonnen CO2 weniger umweltbelastende Gase freigesetzt als wir ursprünglich berechnet hatten.

Ein Flugzeugticket für die gleiche Strecke kostet pro Person zwischen 70 und 170 Euro bei Frühbuchung. Spontanität ist also nicht erlaubt. Mit der Bahn spart man gegenüber der Autofahrt nur dann, wenn wenige Personen reisen. Zudem dauert die Fahrt etwa 24 Stunden und die Webseite der Bahn ist nicht einmal dazu in der Lage, einen Preis für die Route zu berechnen. Der neue Renault Clio ist also nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch schneller als die Bahn und besser für die Umwelt als Fliegen.

Johannes Unruh / mid