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Überraschend ausgebremst

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Die Einschläge in der Formel E kamen kurz hintereinander, und sie kamen heftig. Erst kündigte Audi an, dass man den Stecker nach der kommenden Saison ziehen werde, kurz danach auch BMW. Zwei große deutsche Autobauer ziehen sich aus der bis dato boomenden Elektrorennserie zurück: Was bedeuten die Ausstiege für die Formel E? Ist der Hype vorbei? Geht es jetzt bergab für eine Serie, in der viele Dinge lange ein Selbstläufer waren?

Mercedes zum Beispiel steht mit einem Bekenntnis zur Serie, verbunden mit einem "Aber". "Wir bleiben so lange in der Formel E, wie die Rahmenbedingungen für Mercedes attraktiv bleiben mit Blick auf das künftige (Sportliche) Regelwerk, die Kostenregulierung und das Technische Reglement", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Motorsport.com. "Ich denke, die Formel E ist in ihrer Nische in einer starken Position, und sie kann auf jeden Fall dort herauswachsen."

Klar ist aber, dass die Formel E nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. "Wir werden diese Botschaft also zur Kenntnis nehmen, unsere Lehren daraus ziehen und sie (die Formel E) stärker machen. Solche Momente sind dafür da, die Serie und auch die Show zu verbessern. Sie sind immer auch eine Art Weckruf." Die Serie habe die Möglichkeit zur Analyse, so Wolff.

"Die Anzahl der Hersteller, die wir haben, ist immer noch größer als bei jeder anderen Meisterschaft", sagte Seriengründer Alejandro Agag der Nachrichtenagentur Reuters: "Angesichts der Auswirkungen von Covid auf den Autoverkauf sind Budgets sehr wichtig. Wenn dieses Element nicht da wäre, wer weiß - die Entscheidung wäre wahrscheinlich anders ausgefallen."

Er bleibt gelassen. "Es herrscht eine große Nachfrage. Diese Neuigkeiten scheinen bedeutsamer zu sein als sie es in Wirklichkeit sind." Wie es heißt, sollen Gespräche mit drei interessierten Herstellern geführt werden.

Es gibt aber auch Stimmen, die glauben, dass das Ende des Formel-E-Hypes in Sicht ist. "Mein gesamtes Personal entwickelt elektrische Hypercars. Ich glaube nicht, dass einige von ihnen die Formel E sehen. Ich habe das Gefühl, dass diese Zeiten vorbei sind", sagte Mate Rimac, Gründer des Elektro-Hyperautoherstellers Rimac der Financial Times: "Tesla war nie an Rennen beteiligt und hat die wertvollste Marke der Welt aufgebaut."

Agag betont aber, dass die Formel E durch ihre finanzielle Stabilität gut aufgestellt sei. Er sieht es aber wie Wolff, dass eine Budgetobergrenze eingeführt werden müsse, Agag wünscht sich ein Limit von 15 Millionen Euro pro Jahr.

"Wir müssen diese Kostenobergrenze so schnell wie möglich umsetzen. Aber wir wollten es vor der Entscheidung von BMW und Audi tun. Dies kann jetzt tatsächlich dazu beitragen, es schneller umzusetzen, was ich für eine sehr gute Sache halte", sagte Agag.

Denn ein Selbstläufer ist auch die Formel E nicht mehr.

Andreas Reiners / mid