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Volvo 1800 S: Alter Schwede

Der Start war wenig glamourös, und schon gar nicht spektakulär: Eine englische Manufaktur fertigte den Volvo P1800 ab 1960 in so unbefriedigender Qualität, dass schon die ersten 250 Autos noch vor der Auslieferung nach Göteborg zur Nachbesserung in die Werkshallen mussten. Als das Problem 1963 schließlich gelöst wurde, war der schnellste Volvo nicht mehr aufzuhalten.

Der Verkauf des fortan Volvo 1800 S - "S" für Sverige (Schweden) - genannten und auf 71 kW/96 PS erstarkten Sportlers kam weltweit in Fahrt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolvierte der Schwede in 12,1 Sekunden, ein souveräner Wert, den allein Sportwagen und sehr leistungsstarke Limousinen erzielten.

Visionär war das Sicherheitskonzept des schnellen Volvo, der als weltweit erstes Sportcoupe serienmäßig über Sicherheitsgurte für alle vier Passagiere verfügte. Es war ein Volvo, der begehrenswert wie ein italienischer Gran Turismo und charismatischer als britische Kultsportwagen war. Es waren die langgestreckte Motorhaube und dynamische Silhouette, die den Volvo so rasant aussehen ließen.

Das sah auch das Fernsehen so: Die Produzenten der englischen TV-Krimiserie "The Saint" erkoren einen Volvo 1800 S zum Dienstwagen des Titelhelden Simon Templar, verkörpert vom britischen Schauspieler Roger Moore. Moore fuhr auch privat einen polarweißen Volvo 1800 S. Aber auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf nutzte ab seinem 18. Geburtstag nacheinander mehrere Fahrzeuge des sportlichsten Coupes.

Fester Bestandteil der Geschichte des schwedischen Sportcoupes ist zudem der rote Volvo 1800 S, den der Amerikaner Irv Gordon 1966 erwarb und mit dem er im Jahr 2013 die Drei-Millionen-Meilen-Marke (4.827.000 Kilometer) durchbrach. Ein Allzeit-Rekord, der ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen wurde.

Im Jahr 1972 rollte das letzte Coupe - ein Volvo 1800 E - vom Band und ein Jahr später verabschiedete sich der Volvo 1800 ES. Insgesamt wurden 47.855 Einheiten der sportlichen Schweden gebaut, davon 39.778 Coupes.