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Test VW Passat Variant GTE Hybrid-Antrieb lässt sparsame und sportliche Fahrweise zu / Bis zu 70 Kilometer rein elektrische Reichweite

Zwei Herzen und zwei Seelen

Archivartikel

Mit dem Facelift bekommt der VW Passat einen Hybrid-Antrieb, der dank größerem Akku auf eine rein elektrische Reichweite von bis zu 70 Kilometern kommt.

Im Passat GTE schlummern zwei Seelen – und zwei Herzen schlagen dort sowieso, denn dem bekannten 1,4 Liter großen Vierzylinder mit 156 PS Leistung assistiert in dieser Version des Passat Variant ein 115 PS starker Elektromotor, der die Systemleistung auf stolze 218 PS anhebt. 400 Nm Drehmoment bringen die beiden Kraftquellen bei Bedarf an die Vorderräder.

Das Zusammenspiel dieses Hybrid-Systems macht den Mittelklassewagen zu einem echten Spritknauser. Über eine Strecke von fast 50 Kilometern (laut NEFZ-Norm sogar 70 Kilometer) kann man rein elektrisch fahren. Erst bei Geschwindigkeiten über 140 km/h schaltet sich automatisch der Verbrennungsmotor zu.

Der GTE ist ein Fall für Berufspendler. Sie können den Akku mit seinen 13 kWh Kapazität über Nacht an der normalen Garagensteckdose aufladen und am nächsten Tag emissionsfrei zur Arbeit düsen. 5,5 Stunden dauert der Ladevorgang; sogar nur 3,5 Stunden, wenn man sich eine 360-Volt-Dose setzen lässt.

Im E-Modus darf man auf den spontanen Antrieb des Elektromotors bauen, wird aber ansonsten eher mit moderatem Tempo unterwegs sein. Wer es eilig hat, kann per GTE-Taste die andere Seele des Passat wecken. Denn dann ziehen die beiden Motoren gemeinsam am gleichen Strang – dem Frontantrieb. Der Passat wird förmlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt, denn automatisch verändert sich auch das Fahrverhalten. Der spürbar starke Schub über die Vorderachse lässt den großen Kombi wie an der Schnur gezogen aus der Kurve sprinten. Wo man bis dahin nur die komfortable Seite des großen Volkswagens zu schätzen lernte, erkennt man plötzlich die große Spreizung des Fahrwerks. Der Passat kann auch prima sportlich. Kein anderer in dieser Klasse bekommt dieses Spagat so überzeugend hin.

Noch flexibler ist der GTE bei den Fahrprogrammen. Die Auswahl Eco, normal oder Sport hat man unabhängig von der Antriebsquelle. Hier bringen die zwei Kraftquellen noch mehr Vielfalt ins Spiel. Im Extremen ist man rein elektrisch oder ausschließlich mit Verbrennungsmotor am Start und spart sich die Akku-Kapazität für die nächste Stadtfahrt auf. Denn dort ist der Stromer am effektivsten. Sogar das Aufladen des Akku über den Verbrenner ist möglich – aber es macht weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht Sinn, also weder aus Umweltschutzgründen, noch wegen der Sparsamkeit.

Die wahre Stärke entwickelt der Passat als Hybrid. Es ist insgesamt die beste Idee, der ausgeklügelten Antriebssteuerung die Entscheidung zu überlassen, ob man dem E-Motor, dem Benziner oder beiden im Zusammenspiel die Arbeit überlässt. Die Elektronik macht das so geschickt, dass immer genug elektrische Energie gebunkert wird, um noch Reserven für Zwischensprints oder den GTE-Modus zu behalten. Das geschieht dann, indem beim Bremsen oder im Schiebebetrieb Energie zurückgewonnen wird.

Das kann man durch eine vorausschauende Fahrweise klug unterstützen. Wer den Schalthebel nach rechts aus der Kulisse schiebt, nutzt den Elektromotor als Bremse und gewinnt über den Generator Strom für den Akku. Die Bremswirkung wird dabei so groß, dass man bei normaler Fahrt und etwas Übung das Bremspedal nur noch braucht, um schnell zum Stillstand zu kommen. Wie hoch der Verbrauch ist, hängt von der Strecke ab, die man zwischen zwei Ladevorgängen zurücklegt. Solange die Entfernung nicht viel höher ist als die elektrische Reichweite, ist der Normverbrauch von 1,6 Litern kein Fabelwert. Je weiter es geht und je mehr Kilometer bei Autobahntempo zurücklegt werden, desto höher steigt der Spritbedarf.

Im sportlichen GTE-Modus muss man mit acht Litern rechnen, was angesichts der Fahrleistungen (in 0,0 Sekunden auf Tempo 100 / 222 km/h Höchstgeschwindigkeit) ein akzeptables Ergebnis ist.

Zurückhaltend und vorausschauend bewegt, sind drei Liter durchaus realistisch. Der Testverbrauch lag bei guten 4,7 Litern.

Die Stärken hat der Passat beim Komfort, dem hervorragenden Platzangebot und der auf hohem Niveau stehenden Verarbeitung. Zahlreiche Sicherheits- und Assistenzsysteme bringen den Volkswagen auf Augenhöhe mit der Premium-Konkurrenz. Kein Wunder, dass er der Liebling der Flotteneinkäufer ist.

Entsprechend hoch ist der Preis. Die zusätzliche Technik hebt nicht nur das Gewicht, sondern auch die Ansprüche des Händlers. Der Passat Variant GTE startet bei 45 810 Euro. Zwar ist damit alles Notwendige und manch Wünschenswertes bereits bezahlt. Die lange Liste der Sonderausstattungen kann diese Summe aber nach oben drücken.

Schwächen zeigt der Passat bei der Bedienung – sonst eine Paradedisziplin bei Volkswagen. Die Systeme werden fast ausschließlich über den großen Zentralbildschirm angesteuert, was in der Regel über mehrere Menü-Ebenen führt. Wirklich ärgerlich ist, dass zum Beispiel ein über verschiedene Schritte gewählter Fahrmodus dann auch noch verlorengeht, weil schon eine kurze Pause zum Einkaufen beim Bäcker die Grundeinstellung zurückholt.