BASF

Arbeit BASF-Auszubildende Ramona Jörger ist derzeit nicht im Betrieb, sondern im Homeoffice / Auch MVV setzt auf digitales Lernen

Am Esstisch statt in der Lehrlingswerkstatt

Archivartikel

Ludwigshafen.Der Morgen beginnt mit einer To-Do-Liste. Die stellt sich Ramona Jörger seit sieben Wochen täglich zusammen, bevor sie sich zu Hause an den Schreibtisch oder den Esstisch der Familie setzt. Wären es normale Zeiten und gäbe es das Coronavirus nicht, würde die 19-Jährige dort gar nicht sitzen. „Diese Woche wäre ich eigentlich in der Berufsschule“, sagt sie.

Praktischer Teil fällt erst mal weg

Ramona Jörger ist Auszubildende und macht beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen eine Lehre als Elektronikerin für Automatisierungstechnik. Die 19-Jährige ist im dritten Jahr, im Dezember stehen ihre Abschlussprüfungen an.

Doch statt in der Schule oder im Unternehmen gemeinsam mit anderen Lehrlingen, Lehrern und Ausbildern zu arbeiten, ist Jörger wegen der Corona-Krise nun schon seit Wochen im Homeoffice. Dort bearbeitet sie Aufgaben online und schickt sie zurück, mit den Ausbildern und Lehrern tauschen sich die Lehrlinge in Videokonferenzen aus. „Damit ich nicht den Überblick verliere, wann ich welche Aufgabe bei wem abgeben muss, mache ich mir morgens die To-Do-Liste“, erzählt Jörger.

Was im Moment komplett wegfällt, ist der praktische Teil ihrer Lehre – zum Beispiel auf dem Ausbildungscampus der BASF. „Da sind Anlagen in kleinerem Maßstab nachgebaut, an denen wir üben können. Die dürfen wir programmieren oder wir dürfen mal was verdrahten, und es kann nichts passieren, wenn wir einen Fehler machen.“ Im Moment würden solche Übungen allerdings nur in der Theorie behandelt. „Da lernt man natürlich auch was. Aber oft versteht man die Theorie viel besser, wenn man sie in der Praxis dann anwendet“, sagt die 19-Jährige.

Ab nächster Woche wäre Jörger normalerweise in dem BASF-Betrieb eingesetzt, in dem sie nach ihrer Ausbildung übernommen wird: die Gebäudetechnik des Chemiekonzerns. Auch da stünde viel Praxis auf dem Programm. „Da ist man überall unterwegs, wo es was zu tun gibt – zum Beispiel im Feierabendhaus oder in Bürogebäuden.“

„Vielleicht klappt ein Crashkurs“

Die Auszubildende hofft, dass sich zumindest ein Teil der praktischen Übungen und Aufgaben in den nächsten Wochen nachholen lässt. „Vielleicht klappt ja noch ein Crashkurs vor den Prüfungen.“ Diese bestehen neben der Theorie ohnehin auch aus einem praktischen Projekt, das ein halbes Jahr vor der Prüfung zwischen dem Auszubildendem und seinem Betreuer festgelegt wird. Umgesetzt wird es dann im Betrieb.

Nach Angaben einer BASF-Sprecherin arbeitet das Unternehmen im Moment erst einmal daran, dass die 16 Lehrlinge, die schon im Sommer ihre Elektroniker-Ausbildung abschließen, für ihr Praxisprojekt wieder zurück ins Werk können. Ramona Jörger und ihre Ausbildungskollegen, die erst im Dezember mit den Prüfungen dran sind, könnten später folgen. Auch bei anderen Unternehmen wie der MVV sind die Auszubildenden wegen der Corona-Krise derzeit überwiegend im Homeoffice. Bei dem Mannheimer Energieversorger gibt es jeden Morgen ab 7 Uhr Videokonferenzen via Skype aus den Lehrwerkstätten. Zudem würden Aufgaben über das Intranet verteilt und Präsentationen zu Fachthemen entwickelt. Das Unternehmen könne dabei auf bestehende Strukturen zurückgreifen: E-Learning – also digitales Lernen – nutze man seit fünf Jahren in den technischen Ausbildungsberufen, so die MVV.

BASF-Auszubildende Ramona Jörger hofft unterdessen, dass sie und ihre Kollegen bald wieder in den normalen Alltag zurückkehren können. Neben dem persönlichen Austausch mit Lehrern und Ausbildern fehlt ihr auch das Kartenspielen mit anderen Lehrlingen in der gemeinsamen Mittagspause.

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