BASF

Chemie Flaute dauert auch im dritten Quartal an / Verkauf der Bauchemie soll noch in diesem Jahr Milliarden bringen

BASF-Sparprogramm wird beschleunigt

Archivartikel

Gent/Ludwigshafen.Der Chemiekonzern BASF steht weiter unter Druck und verzeichnet auch im laufenden dritten Quartal eine eher gedämpfte Geschäftsentwicklung. Im Vergleich zum zweiten Quartal habe es keine Besserung gegeben, sagte Vorstandschef Martin Brudermüller am Freitag auf einer Investorenkonferenz im belgischen Gent.

Dagegen könnte der geplante Verkauf der Bauchemie-Sparte schon bald mögliche Milliardenerlöse in die Kassen des Dax-Konzerns spülen. BASF will den Bereich noch bis Ende des Jahres veräußern. Es gebe bestätigte Angebote, sagte Brudermüller. Er erwarte bis Ende des Jahres, die Verträge zu unterzeichnen. Nach unbestätigten Berichten vom Sommer könnte der Verkauf bis zu drei Milliarden Euro in die Kassen von BASF spülen.

Das Sparprogramm im Zuge einer neuen Konzernstrategie soll nach Angaben des Unternehmens bereits im laufenden Geschäftsjahr eine halbe Milliarde Euro zum operativen Ergebnis (Ebitda) beisteuern. Anschließend ist eine Steigerung geplant: Im kommenden Jahr rechnet Brudermüller mit einer Verbesserung des operativen Ergebnisses von bis zu 1,3 Milliarden Euro. Ab 2021 soll das Sparprogramm zwei Milliarden Euro beisteuern. BASF hatte das Programm im November angekündigt. Brudermüller setzt damit vor allem auf schlankere Strukturen und einfachere Abläufe. Weltweit 6000 Stellen sollen dabei verschwinden.

„Zeitplan weiter straffen“

Angesichts der andauernden Flaute im dritten Quartal könnte die Umsetzung der Maßnahmen nun deutlich schneller vorangehen: „In einer Situation wie dieser beschleunigen sie, wo es nur geht,“ hatte Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel Anfang September in einem Interview mit dem „Finance Magazin“ gesagt. „Wir liegen auf Kurs, prüfen nun aber, den Zeitplan weiter zu straffen.“ Zuvor hatte bereits Brudermüller in einem Gespräch mit dem „Handelsblatt“ betont, dass man den Umbau beschleunige. „Ich glaube, jedem in der BASF ist heute klar, dass sich etwas ändern muss. Stillstand ist angesichts der neuen Herausforderungen keine Option.“

Anfang Juli hatte BASF seine Prognose wegen der Krise in der Autoindustrie und des Zollstreits zwischen den USA und China kräftig gesenkt. Auch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gut zwei Wochen später zeigte sich der Dax-Konzern weiter pessimistisch.

Im zweiten Quartal war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 15,2 Milliarden Euro gesunken. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern hat sich mit einer Milliarde Euro fast halbiert. Nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter erhöhte sich der Gewinn nur dank eines Buchgewinns von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 6,5 Milliarden Euro.

Wachstum soll unter anderem die Agrarsparte von BASF bringen. Der Umsatz in diesem Bereich soll bis 2030 um 50 Prozent steigen (2018: 6,17 Milliarden Euro). Bis 2028 will der Konzern hier über 30 neue Produkte mit einem Umsatzpotenzial von mehr als sechs Milliarden Euro auf den Markt bringen.

Wintershall an die Börse

Mit Blick auf das Öl- und Gasgeschäft der Tochter Wintershall Dea bestätigte das Management Pläne, im zweiten Halbjahr 2020 an die Börse zu gehen. BASF ist derzeit mit 73 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Anschließend wird der Chemiekonzern nach aktueller Planung noch die Mehrheit halten, im Nachgang will er sich aber von weiteren Anteilen trennen. BASF hatte erst im Mai das Öl- und Gasgeschäft seiner Tochter Wintershall mit dem Rivalen Dea zusammengelegt.

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