BASF

BASF Niedriger Rheinpegel führt zu Ausfällen in der Produktion / Lieferengpässe bei rund einem halben Dutzend Produkten

Ludwigshafener TDI-Anlage steht erneut still

Archivartikel

Ludwigshafen.Erst Einschränkungen beim „Herz“ des Stammwerks, jetzt auch noch der komplette Stillstand der teuersten Anlage in Ludwigshafen: Das Niedrigwasser im Rhein und daraus resultierende Versorgungsengpässe machen dem Chemieriesen BASF erheblich zu schaffen. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, fährt es die Produktion des Kunststoffprodukts Toluoldiisocyanat (TDI) in Ludwigshafen in den nächsten Tagen komplett herunter. Ursache ist die ausbleibende Versorgung mit dem Grundstoff Toluol, einem Lösungsmittel.

Verlust von 50 Millionen Euro

Ende Oktober hatte Vorstandschef Martin Brudermüller bereits bekannt gegeben, dass die Auslastung des Steamcrackers II, der wichtigsten Anlage des Stammwerks, auf 60 Prozent gedrosselt wurde. Diese Größenordnung gelte weiterhin, sagte gestern eine BASF-Sprecherin.

Wie hoch die Verluste durch den Ausfall der TDI-Anlage sein werden, wollte sie nicht beziffern. Im dritten Quartal dieses Jahres belief sich der durch das Niedrigwasser verursachte Verlust, bedingt durch höhere Transportkosten und Produktionsausfälle, auf 50 Millionen Euro. Das hatte das Unternehmen vor einigen Tagen mitgeteilt.

Wann in Ludwigshafen wieder TDI produziert werden kann, ist offen. „Das Wiederanfahren der Anlage hängt von der weiteren Entwicklung des Rheinpegels ab“, teilte die BASF mit. Ein sogenannter Force-Majeure – ein Lieferengpass – drohe jedoch nicht, erklärte die Unternehmenssprecherin. Weltweit könne die BASF jährlich mehr als 780 000 Tonnen TDI produzieren. Dadurch würden die Bedürfnisse der Kunden gedeckt, auch wenn die Anlage in Ludwigshafen mit einer jährlichen Kapazität von 300 000 Tonnen zeitweise stillstehe.

TDI ist ein wichtiger Ausgangsstoff für den Spezialkunststoff Polyurethan. Es wird zu einem großen Teil in der Möbelindustrie, beispielsweise für Matratzen oder Polsterungen, sowie in der Automobilindustrie etwa für Sitzpolster weiterverarbeitet. Die eine Milliarde Euro teure TDI-Anlage in Ludwigshafen läuft erst seit Juli im Regelbetrieb. Der Bau des bisher größten Einzelprojekts in der Unternehmensgeschichte hatte sich erheblich verzögert und wurde deutlich teurer als geplant.

Der niedrige Rheinpegel und die dadurch erheblich verringerten Transportkapazitäten behindern aber auch andere Teile der BASF-Produktion. Insgesamt gibt es der Unternehmenssprecherin zufolge bei rund einem halben Dutzend Produkten Lieferengpässe, etwa bei Weichmachern. Obwohl BASF alle Alternativen wie Pipeline, Lastwagen und Zug nutze, könnten nicht genügend Rohstoffe nach Ludwigshafen gebracht werden. BASF transportiert nach eigenen Angaben 40 Prozent der benötigten Rohstoffe und Güter per Schiff zum Stammwerk. (mit dpa)