BASF

Bilanz Kurt Bock sorgte bei der BASF mit nüchterner Zurückhaltung für gute Zahlen, musste aber auch Rückschläge hinnehmen

Nicht spektakulär, aber wirkungsvoll

Archivartikel

Ludwigshafen.Sein letzter großer Auftritt vor Journalisten aus aller Welt ist typisch für Kurt Bock. Von Emotionen wie Wehmut oder Bedauern zum Abschied ist nichts zu spüren. Stattdessen präsentiert der BASF-Chef bei der Bilanzpressekonferenz gewohnt sachlich und konzentriert die Geschäftszahlen des Chemiekonzerns.

Bock wird bei der BASF-Hauptversammlung am Freitag nach sieben Jahren den Vorstandsvorsitz an seinen bisherigen Stellvertreter Martin Brudermüller abgeben und erst einmal in Rente gehen. Nach der gesetzlich vorgeschriebenen Abkühlphase von zwei Jahren soll der 59-Jährige dann Vorsitzender des BASF-Aufsichtsrats werden.

Eitle Selbstdarstellung liegt dem gebürtigen Ostwestfalen fern. Als „auffällig unauffällig“ bezeichnet ihn die „Süddeutsche Zeitung“, als „Rationalist“ die „Wirtschaftswoche“. Ein Vorstandschef könne nur „die Dinge vorantreiben“, sagt Bock selbst, entscheidend sei das Team. „Manches ist gelungen, manches nicht“, so sein knapper Rückblick. „Man lernt auch Demut in dem Geschäft.“

Zukäufe am Ende der Amtszeit

Nüchterne Zurückhaltung übte der promovierte Betriebswirt auch lange Zeit, während die globale Chemiebranche eine Riesenfusion nach der anderen verkündete. Erst zum Ende seiner Amtszeit spielt die BASF bei Zukäufen eine aktivere Rolle und greift nach dem Polyamid-Geschäft des belgischen Konkurrenten Solvay und der Saatgutsparte von Bayer. Die neuen Geschäfte sollen die BASF robuster gegen Konjunkturschwankungen machen.

Bock ist kein Visionär, sondern der analytische Optimierer, der konsequent an Sparschrauben drehte – was ihm in Ludwigshafen einige Kritik der Belegschaft eingebracht hat. Seine Methode ist ist nicht spektakulär, aber wirkungsvoll: Bocks letzte Bilanz für 2017 weist glänzende Zahlen mit einem Betriebsergebnis von 8,5 Milliarden Euro und einer Rekordprämie für die Mitarbeiter im Stammwerk Ludwigshafen auf.

Zu den Rückschlägen in Bocks Amtszeit zählen Dauerprobleme mit der neuen TDI-Anlage und das verheerende Unglück im Oktober 2016. Bei der Explosion im Nordhafen waren vier Männer der BASF-Werkfeuerwehr und ein Matrose ums Leben gekommen. Ein Gutachten hat eindeutig einen Fremdmitarbeiter als Verursacher ausgemacht.

Bock aber wurde vorgeworfen, dass er sich erst Tage später an die Öffentlichkeit gewandt hatte. Das kam auch in Teilen der Belegschaft nicht gut an, ist aus dem Ludwigshafener Werk zu vernehmen. So richtig warm geworden sei er nie mit den Anilinern, heißt es. BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat verteidigt Bock dagegen: Er betont das „würdige Gedenken“ und „eine langanhaltende Phase der Anteilnahme“ im Unternehmen. Auch Horvat spricht von kritischen Stimmen aus der Belegschaft gegenüber dem Vorstandschef, lobt aber auch die Standortvereinbarung, die die Beschäftigung bis zum Jahr 2020 sichert.

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