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Mannheims größte Baustelle

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Mannheims größte Baustelle findet sich Osten der Stadt. Auf der ehemaligen US-Liegenschaft Benjamin-Franklin-Village werden seit April 2016 die Voraussetzungen für ein Wohnquartier mit bis zu 8000 Bewohnern geschaffen. Ob Franklin mit seinen 144 Hektar ein eigenständiger Stadtteil sein oder ein Teil von Käfertal wird, das wird noch diskutiert. Achim Judt, Geschäftsführer der verantwortlichen MWS Projektentwicklungsgesellschaft, hat da eine klare Meinung: "Wir tun alles dafür, dass es eigenständig bleibt." Vier Jahre lang wurde geplant. Es wurden Wettbewerbe und Bürgerbeteiligungen ins Leben gerufen, Experten einbezogen und unerwartete Herausforderung durch die Flüchtlingsunterbringung gemeistert. Ende 2015 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Damit begann eine Umbauphase von zwei Jahren und im Anschluss eine Neu- und Aufbauphase von circa fünf Jahren. Gemeinsam mit 20 Investoren entsteht ein Wohnangebot mit der bisher breitesten Palette an Mannheimer Wohntypologien. Über einer Milliarde Euro sollen insgesamt in den Hochbau investiert werden.

Bestehende Immobilien werden derzeit umfangreich renoviert, auf Bauplätzen entstehen gleichzeitig neue Häuser. Die ersten Bewohner des neuen Stadtviertels ziehen voraussichtlich schon in diesem Sommer ein. Die architektonische Mitte des neuen Quartiers sollen vier Hochpunkte bilden. Vier Gebäude in Form der Buchstaben H, O, M und E mit je etwa 13 Stockwerken werden zusammen das Wort HOME bilden. Als weitere architektonische Besonderheit soll die Europa-Achse, ein Fuß- und Radweg der sich quer durch Franklin zieht, die monotonen Kasernenstrukturen auf dem Gelände bewusst durchbrechen. Das dritte Highlight im Zentrum des neuen Quartiers ist ein öffentliches Gebäude in Hügelform. Er soll unter anderem eine Tiefgarage, ein Ärztehaus, einen Supermarkt und eine Bibliothek beherbergen. Eine weitere Besonderheit ist das Mobilitätskonzept blue_village_franklin, das unter anderem eine Elektrobus-Linie, eine elektrobetriebene Carsharing-Flotte, ein Fahrradverleihsystem und vernetzte Mobilitätsstationen vorsieht.

Doch Franklin ist nur eines von acht Arealen, die im Rahmen der Konversion umgewidmet werden. Bis 2015 waren bereits über 300 Hektar ehemalige Militärflächen frei geworden und zum Teil in eine neue zivile Nutzung überführt worden. Für die Stadt Mannheim ergeben sich durch die Größenordnung neue Chancen, um Potenziale für Gewerbe, Wohnen, Naherholung und Infrastruktur zu erschließen. Seit Beginn des Prozesses im Jahr 2011 wurden über 1000 Ideen gesammelt. Zahlreiche Initiativen und Arbeitskreise bringen ihre Vorstellungen auf den Konversionsflächen ein.

Das Turley-Gelände mit 12,6 Hektar Fläche auf der denkmalgeschützten Anlage der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kaserne wurde 2012 von der MWS Projektentwicklungsgesellschaft als erste der Mannheimer Konversionsflächen von der Bundesanstalt für

Immobilienaufgaben (BImA) erworben. Das Konzept sieht eine hochwertige, urbane Mischung aus besonderem Wohnen, innovativem Arbeiten und Forschen, Gemeinbedarf und Stadtteilkultur vor. Hier entsteht ein urbanes Wohnquartier mit Gastronomie, Bäckern sowie Bildungseinrichtungen und gemeinschaftliche Wohnformen neben klassischen Eigentums- und Mietwohnungen, betreutem und inklusivem Wohnen. Schon jetzt ist das Leben auf der Fläche ist spürbar. So haben beispielsweise drei Wohngruppen bereits ihr neues Zuhause auf Turley bezogen.

Das 80,9 Hektar große Gelände der ehemaligen Spinelli-Barracks Feudenheim/Käfertal soll bei der Ausrichtung der Bundesgartenschau (BUGA) 2023 in Mannheim eine Kernfläche sein. Im nördlichen Bereich ist arrondierendes Wohnen vorgesehen. Ähnlich sieht es auf der 226,6 Hektar Fläche der Coleman-Barracks aus, wo naturräumliche Entwicklung und Naherholung einen Schwerpunkt bilden sollen. Aufgrund der fortgesetzten Nutzung durch die US-Armee wurden die Planungen allerdings vorerst gestoppt. Ein weiteres Wohnquartier soll auf dem 6,9 Hektar Hektar großen Areal der Hammonds-Barracks in Seckenheim entstehen, das allerdings bis 2018 teilweise noch von der Bundeswehr genutzt wird.

Glückstein-Quartier setzt maßstäbe für hochwertigen Wohnungsbau

Keine jüngere militärische Vorgeschichte hat hingegen das Glückstein-Quartier zwischen Victoria-Turm und Neckarauer Übergang. Das 33 Hektar große Areal besteht aus früherem Bahngelände, der ehemaligen Gießerei der John-Deere-Werke sowie städtischen Bereichen. Auf einer Fläche von rund 91 000 Quadratmetern wächst der Stadtteil Lindenhof um rund 750 neue Wohnungen. Vorzeigeprojekt ist "Glückstein V" direkt am Hanns-Glückstein-Park. Hier werden nach Einschätzung der Entwickler "Maßstäbe für hochwertigen Wohnungsbau" gesetzt.

Die fünf Stadthäuser, in deren freier Mitte sich das "Tor zum Park" herausbildet, stehen bereits im Rohbau. Anfang Mai waren die künftigen Wohnungseigentümer und weitere Interessierte erstmals auf die Baustelle zur Begehung eingeladen. Im Zeitraum Ende 2017 bis März 2018 sollen die Gebäude fertiggestellt sein.

Das Glückstein-Quartier mit den teilweise schon verwirklichten Bürogebäuden, Wissenschaftseinrichtungen, hochwertigen Wohnungen, einem Hotel und einer öffentlichen Grünfläche soll im Endausbau Raum für rund 4600 Arbeitsplätze und 1500 Einwohner bieten.

Wohnen direkt am Wasser: Das ist die Besonderheit eines weiteren spektakulären Neubauprojekts im Stadtteil Luzenberg. Am Altrhein _ in der Rheinwiesenstraße/Ecke Gerwigstraße _ entstehen unter dem Namen "JOY am Ufer" zehn fünfgeschossige moderne Wohngebäude in einer begrünten Gartenanlage mit unverbaubarer Sicht auf das Gewässer und eigenem Bootsanleger. Startschuss war im vergangenen Sommer. Die Pro Concept Wohnen am Wasser GmbH investiert nach eigenen Angaben rund 35 Millionen Euro in das Vorhaben. Die insgesamt 89 Eigentumswohnungen sollen im dritten Quartal 2018 bezugsfertig sein. "Auf Grundlage eines Wettbewerbes sowie in gemeinsamer Planung und enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden der Stadt Mannheim, haben wir zu einer architektonisch wie städtebaulich interessanten Lösung gefunden" erklärt Jens Hanreich, einer der Initiatoren des Projekts.

Luzenberg war bislang in erster Linie als Industriestandort bekannt, an dem unter anderem Saint-Gobain und das Mercedes-Benz Werk ihren Sitz haben. Die Stadt Mannheim hat jetzt auch die die Vorzüge von Luzenberg als Wohnort erkannt. Die Mischung aus industriell geprägter Architektur, moderner neuer Wohnbebauung sowie kurzen Wegen ins Grüne ist attraktiv und könnte Mannheims Norden nachhaltig verändern. Wie im Jungbusch werden auch im Stadtteil Luzenberg mehr und mehr ungenutzte Industriegelände zu Wohn- und Arbeitsräumen der besonderen Art umgewandelt. So hat zum Beispiel die deutsche Modeschöpferin Dorothee Schumacher ihren Firmensitz am Industriehafen.