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Bilfinger Lob für den Vorstand – aber heftige Angriffe auf den Aufsichtsrat wegen der Schadenersatzforderungen

Aktionäre verlieren die Geduld

Archivartikel

Mannheim.„Wieso dauert das so lange?“, diese Frage von Aktionärssprecher Marc Tüngler hätte das Motto der Hauptversammlung des Bilfinger-Konzerns sein können. Der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollte – wie mehrere andere Aktionäre – wissen, warum der Aufsichtsrat seine Schadenersatzforderungen gegen zwölf ehemalige Vorstände noch nicht durchgesetzt hat. Es sei unerträglich, dass man sich monatelang um das Thema drehe und nicht zu Potte komme, sagte Tüngler.

Aufsichtsratschef Eckhard Cordes stand im Zentrum der Kritik: „Herr Cordes, wann gehen Sie endlich?“, fragte der Aktionär Matthias Gaebler. Großes Unverständnis, etwa bei Christian Retkowski von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), gab es auch darüber, dass insgesamt drei – sich widersprechende – Gutachten für 2,45 Millionen Euro in Auftrag gegeben wurden.

Die Schadenersatzansprüche hatte der Aufsichtsrat zwar schon im Februar 2018 bekanntgegeben. Danach aber war nicht viel passiert. Erst am vergangenen Dienstag, einen Tag vor der Hauptversammlung, beschloss der Aufsichtsrat konkrete Forderungen gegen die früheren Spitzenmanager, darunter die Ex-Vorstandschefs Roland Koch und Herbert Bodner.

„Kein Cent Schaden entstanden“

Ihnen wird vorgeworfen, ihre Pflichten verletzt zu haben, weil sie nach mehreren Korruptionsfällen kein funktionierendes Compliance-Management-System aufgebaut hätten. Solche Systeme sollen interne Regelverstöße wie Bestechung verhindern. Einem Teil der Manager werden auch Pflichtverletzungen bei der Übernahme der Leittechnikfirma Mauell 2012 zur Last gelegt.

Welche Summen von den einzelnen Vorständen nun gefordert werden, das verriet Aufsichtsratschef Cordes nicht. Insgesamt gehe es um einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“. Retkowski erklärte, die SdK werde den Aufsichtsrat dieses Mal noch entlasten, aber sehr genau beobachten, was in den kommenden Monaten passiere. Tüngler befürchtete, dass sich das Kontrollgremium durch sein langes Herumlavieren in eine schlechte Verhandlungsposition gebracht habe. Er stellte den Antrag auf eine Sonderprüfung – um herauszufinden, ob dem Unternehmen durch das zögerliche Verhalten ein Schaden zugefügt wurde.

Dem Unternehmen sei kein Cent Schaden entstanden, da die Ansprüche nicht verjährt seien, betonte Cordes dagegen mehrfach. Das Verfahren sei hochkomplex, der Aufsichtsrat habe eine Sorgfaltspflicht. „Hier geht es um Millionenbeträge, hier werden Individuen verklagt.“ Cordes kündigte an, notfalls vor Gericht zu gehen, falls die kommenden Verhandlungen mit den Ex-Vorständen scheitern sollten. Einen „Micky-Maus-Vergleich“, der nur ein paar Millionen bringe, werde die DSW ablehnen, kündigte Marc Tüngler an. Sein Antrag auf eine Sonderprüfung wurde allerdings von der Hauptversammlung abgeschmettert. Er werde sich juristische Schritte vorbehalten, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Lob von den Aktionärsvertretern gab es für den Vorstand dank solider Zahlen 2018 – nach den Krisen-Jahren zuvor. „Man hat das Gefühl, es geht wieder bergauf“, sagte Tüngler. Und sein SdK-Kollege Christian Retkowski hält auch die gestern veröffentlichen Zahlen zu den ersten drei Monaten 2019 für „vielversprechend“.

Bilfinger-Vorstandschef Tom Blades sprach von einem „robusten Start“, obwohl der Auftragseingang unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums liegt. Gleichzeitig legte der Umsatz aber deutlich zu. Erfreulich sei, so Blades, dass Bilfinger den Umsatz zum siebten Quartal in Folge gesteigert habe. Der Aktienkurs gab trotzdem um 5,6 Prozent nach.

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