Bilfinger

Konzern schreibt auch im dritten Quartal rote Zahlen

Bilfinger-Chef Blades: Wir sind in keinem Verkaufsprozess

Archivartikel

Mannheim.Steht der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger zum Verkauf? Bis Donnerstag hat der SDax-Konzern eine klare Stellungnahme zu solchen Spekulationen verweigert, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befeuert wurden. Offensichtlich hat er aber inzwischen eingesehen, dass defensive Aussagen wie „Grundsätzlich kommentiert Bilfinger keine derartigen Gerüchte oder Spekulationen“ gerade diese nicht beenden.

Wohl deshalb nahm Bilfinger-Chef Tom Blades in einer Telefonkonferenz ausführlich Stellung zu entsprechende Fragen der Journalisten: „Wir haben keinen Vertrag auf dem Tisch. Bilfinger stellt sich nicht zum Verkauf. Wir sind auch in keinen Verkaufsprozess verwickelt, alles andere ist Spekulation.“ Blades räumte allerdings ein, dass es immer wieder Gespräche mit Investoren gebe. „Das ist nicht ungewöhnlich“, sagte er. Und dass darunter auch Private-Equtiy-Unternehmen sind, gab er auch zu. „Wir sind für die interessant. Es haben sich schon einige gemeldet, unterhalten kann man sich immer“, erklärte Blades.

Aktien bleiben im eigenen Besitz

Bilfinger hat Begehrlichkeiten bei Investoren geweckt, weil das Unternehmen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie in die roten Zahlen gerutscht und auch der Aktienkurs eingebrochen ist. Würde ein Private-Equtiy-Unternehmen jetzt zuschlagen, könnte es die Bilfinger-Anteile nach wenigen Jahren womöglich wieder mit Gewinn verkaufen, wenn die Kurse wieder steigen.

Blades verweigerte allerdings die Antwort auf die Frage, was denn ein fairer Preis für Bilfinger sei. Er sagte nur, seine Aufgabe sei es, den Unternehmenswert wieder zu steigern. Nach Angaben von Finanzvorstand Christina Johansson plant das Unternehmen auch keine Aktienverkäufe. „Wir behalten unsere Aktien im eigenen Besitz“, stellte Johansson klar.

Bei der Vorlage der Zahlen des dritten Quartals versprühte Blades einen gewissen Optimismus. Die Erholung des Unternehmens habe von Juli bis September an Fahrt aufgenommen. „Ich glaube, dass Bilfinger insgesamt gut für die Zukunft aufgestellt ist“, sagte er und ordnete die Kennziffern so ein: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Am Aktienmarkt fiel die Beurteilung eher gegenteilig aus. Der Kurs ging um mehr als sieben Prozent in den Keller.

Die Corona-Pandemie und der Ölpreisverfall machen dem Konzern insgesamt weiter zu schaffen. Der Verlust betrug von Juli bis September 19 Millionen Euro, wie der Industriedienstleister in Mannheim mitteilte. Im Vorjahreszeitraum betrug der Gewinn noch sechs Millionen Euro. Der Umsatz fiel im Jahresvergleich um rund 20 Prozent auf 870 Millionen Euro. Der Auftragseingang ging um 29 Prozent zurück.

Blades äußerte sich positiv über das Krisenmanagement. „Unsere Leute haben nicht gezögert, sondern das Richtige gemacht“, sagte er. Das Unternehmen fuhr dabei nach eigenen Angaben einen harten Sparkurs. „Wir haben schnell gehandelt und unsere Überkapazitäten abgebaut“, sagte Blades. Im Vertrieb und in der Verwaltung wurden Kosten reduziert. Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern ist seit Jahresbeginn um rund 4000 gesunken, der Großteil in Nordamerika, Nordeuropa und Großbritannien. Dagegen hat das Unternehmen die Zahl der Kurzarbeiter von in der Spitze rund 3000 auf inzwischen 650 abgebaut.

Zur Konsolidierung gehören laut Finanzvorstand Johansson weitere Verkäufe von Teilen des Konzerns. „Wir haben noch ein paar Sorgenkinder, die wir abarbeiten wollen.“ Nach ihren Angaben wurden zwei tschechische Gesellschaften, die einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro machten, bereits abgestoßen. Beim Rest geht es demnach um weitere maximal 100 Millionen Umsatz.

Für das Gesamtjahr bestätigt Bilfinger die Mai-Prognose: Umsatzrückgang um rund 20 Prozent und ein noch positives Ebita vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

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