Bilfinger

Industrieservice Ölpreisverfall trifft Mannheimer Konzern

Bilfinger kürzt Dividende und streicht Jobs

Archivartikel

Mannheim.Der Industriedienstleister Bilfinger hat den Stellenabbau in seiner Mannheimer Zentrale fast abgeschlossen. Der Konzern hatte vergangenes Jahr angekündigt, dass rund 110 der 280 Arbeitsplätze in der Hauptverwaltung gestrichen werden, allerdings ohne „harte Entlassungen“. Wie Bilfinger-Vorstandschef Tom Blades am Donnerstag in einer Telefonkonferenz erklärte, sei mit rund 90 Prozent der Betroffenen bereits eine Regelung getroffen worden. Sie haben das Unternehmen zum Teil verlassen oder werden das Blades zufolge demnächst tun. Damit will der Servicekonzern seine Verwaltungskosten senken.

Als Folge der Corona-Krise und des Ölpreisverfalls hat Bilfinger weltweit aber noch deutlich mehr Stellen abgebaut. In Schottland und Norwegen mussten 225 Mitarbeiter gehen, die im Wartungsgeschäft von Öl- und Gasanlagen in der Nordsee aktiv waren. In den USA wurden 575 Mitarbeiter entlassen.

Insgesamt arbeiten rund 33 860 Beschäftigte bei Bilfinger. Wenn der Preis für Rohöl stark sinkt, wird in der Branche weniger Öl gefördert und gleichzeitig weniger Geld investiert. Das wirkt sich auch auf Dienstleister wie Bilfinger aus.

„Die Covid-19-Pandemie macht sich im gesamten Bilfinger-Geschäft bemerkbar, hinzu kommt der Ölpreisschock bei etwa einem Drittel unserer Aktivitäten“, sagte Blades. Dem Unternehmen komme jetzt aber eine solide Bilanz zugute. Rund 2400 Bilfinger-Beschäftige befinden sich europaweit in Kurzarbeit. Der starke Rückgang der Geschäftstätigkeit führe in einigen Bereichen zur Unterauslastung – die werde nun durch Kurzarbeit kompensiert. Außerdem verzichten Aufsichtsrat, Vorstand und leitende Angestellte auf einen Teil ihrer Gehälter.

Großaufträge aus England

Verzicht üben sollen auch die Aktionäre: Statt der im Februar angekündigten Zahlung von 1 Euro je Aktie, sollen es jetzt nur noch 0,12 Euro werden. Angesichts der aktuellen Lage und der Unsicherheiten durch die Corona-Krise sei Bilfinger vorsichtig, begründete Blades die Kürzung. Am 24. Juni entscheiden die Aktionäre bei einer virtuellen Hauptversammlung darüber.

Nicht alle Geschäftsbereiche sind von der Pandemie betroffen. So ist der Auftragseingang im abgelaufenen ersten Quartal 2020 sogar gestiegen. Dazu trugen vor allem Großaufträge für das neue Atomkraftwerk Hinkley Point C im Südwesten Englands bei. Hier erwartet Bilfinger in den kommenden Monaten noch weitere Aufträge, das gesamte Volumen soll bei 250 Millionen Euro liegen. Allerdings wurden Corona-bedingt andere geplante Großprojekte und damit Aufträge für Bilfinger ins kommende Jahr verschoben.

Trotzdem wagt der Vorstand des Konzerns jetzt eine Prognose für das laufende Jahr, nachdem der erste, deutlich optimistischere Ausblick nach Ausbruch der Pandemie zurückgezogen wurde. Er rechnet 2020 mit einem Umsatzrückgang von rund 20 Prozent gegenüber 2019 (4,3 Milliarden Euro) und einem Betriebsergebnis deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Finanzvorstand Christina Johansson erwartet die größten Belastungen im zweiten Quartal, gefolgt von einer allmählichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte.

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