Bilfinger

Technik Hightech-Fluggeräte helfen bei Inspektionen von Bohrinseln auf der Nordsee / Kamera mit hoher Auflösung / Nischengeschäft mit Potenzial

Bilfinger nutzt Drohnen zur Instandhaltung

Archivartikel

Aberdeen.Sie wiegt nur ein paar Kilo, ist keinen Meter lang und surrt wie eine übergroße Wespe - und sie fliegt dahin, wohin Menschen nur mit Hilfe von Gerüsten oder Seilen klettern könnten. Die Falcon 8 ist eine Drohne und seit rund drei Monaten für Bilfinger Salamis im Einsatz auf den Öl- und Gasförderplattformen in der Nordsee.

Salamis, die Tochter des Mannheimer Industriedienstleisters Bilfinger, ist auf die Instandhaltung und Wartung für die Förderindustrie in der Nordsee spezialisiert. Auf Europas größter Branchenmesse SPE Offshore im schottischen Aberdeen war die Drohne der "Star" am Salamis-Stand. Das fast 30 000 Euro teure Hightech-Fluggerät trägt eine Kamera mit hoher Auflösung, die Risse oder Schwachstellen der Anlagen und Rohre aufzeigt. Mit Hilfe von Thermalbildern lassen sich außerdem undichte Stellen etwa an Dichtungen, Gasleitungen oder Isolierungen an den von Wind und Wasser gebeutelten Anlagen aufspüren.

Korrosion ist aufgrund der extremen Bedingungen die größte Gefahr für die Materialien auf den Bohrinseln. "Der Einsatz von Drohnen reduziert das Risiko für die Mitarbeiter und spart Zeit", sagt Salamis-Geschäftsführer Sandy Bonner. Denn für die Inspektionen in schwer zugänglichen Gebieten müssten sonst aufwendig Gerüste aufgestellt oder Industriekletterer eingesetzt werden. Gesteuert wird die Drohne von Salamis-Mitarbeitern, die auf den Plattformen arbeiten und eine Extra-Ausbildung dafür absolviert haben. Die dank der Drohnen-Aufnahmen entdeckten Schwachstellen werden direkt von den eigenen Technikern repariert.

Digitale Unterstützung

Die digitale Unterstützung soll Salamis zugleich einen Wettbewerbsvorteil bringen. Die Branche ist hart, ein Dutzend Service-Anbieter kämpft um die Aufträge auf den Plattformen. Der Verfall des Ölpreises führte zu massiven Umsatzrückgängen in der Öl- und Gasbranche, auch bei Salamis. Seit dem Tiefpunkt vor zwei Jahren geht es aber langsam wieder aufwärts. In Großbritannien hat Salamis beim Kerngeschäft - Isolierung, Gerüstbau und Lackierungen - rund 40 Prozent Marktanteil.

Zwar setze schon eine Handvoll Konkurrenten ebenfalls Drohnen ein, so Bonner, die müssten aber eigens Spezialisten dafür vor Ort bringen. Bei Salamis übernehmen Mitarbeiter die Steuerung der Drohnen, die sowieso schon vor Ort arbeiten. Das spart dem Kunden zum Beispiel die Extra-Kosten für die teuren Helikopter-Flüge zur Bohrplattform. Drei Kunden nutzen die Salamis-Drohnen schon, so Bonner, einige zeigten Interesse - "ein Nischengeschäft mit Potenzial". (be)

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