Bilfinger

Bilfinger schafft Sprung in die schwarzen Zahlen - Personalabbau nimmt Tempo auf

Mannheim/Düsseldorf.

Der Industriedienstleister Bilfinger will in den kommenden Jahren seinen Umsatz kräftig steigern. Bis 2024 soll der Erlös auf mehr als fünf Milliarden Euro steigen, wie Bilfinger am Donnerstag in Mannheim mitteilte. 2019 kletterten die Erlöse im Jahresvergleich um vier Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig will das Unternehmen wieder profitabler werden. Das Konzernergebnis 2019 lag erstmals seit 2016 mit 24 Millionen Euro wieder im positiven Bereich. Derzeit beschäftigt der Konzern rund 34 000 Menschen.

Bereits im November hatte Unternehmenschef Tom Blades angekündigt, mit Hilfe einer strafferen Organisation und einem Abbau von 200 Stellen die jährlichen Vertriebs- und Verwaltungskosten auf unter 300 Millionen senken. Dazu beitragen soll auch die Verkleinerung des Vorstands von vier auf drei Mitglieder. Zudem will Blades weitere Unternehmen verkaufen, die nicht profitabel genug sind.

Der seit Mitte 2016 an der Bilfinger-Spitze stehende Brite hatte nach dem Verkauf des Tafelsilbers, den Immobiliendienstleistungen, einen tiefgreifenden Umbau eingeläutet. Seitdem konzentriert sich der Konzern auf zwei Geschäftsbereiche und trennte sich von verlustbringenden Geschäften.

Personalabbau nimmt Tempo auf

Beim Personalabbau in der Konzernzentrale kommt der Konzern voran: Nach Angaben von Vorstandschef Tom Blades haben bereits mehr als 20 Mitarbeiter aus eigenem Antrieb Abfindungen ausgehandelt und das Unternehmen verlassen. Außerdem sollen die Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat bis März 2020 abgeschlossen sein. Bilfinger will die Zahl der Beschäftigten in der Mannheimer Zentrale um rund 110 auf 170 reduzieren.

Tom Blades will länger Bilfinger-Chef bleiben

Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden läuft noch bis Juni 2021, doch Tom Blades würde gerne länger Bilfinger-Chef bleiben. Blades führt den Mannheimer Industrieservice-Konzern seit 2016. Er würde sich freuen, wenn der Aufsichtsrat den Vertrag verlängern würde, sagte der 63-Jährige bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt auf Nachfrage. „Ich bin fit, mache noch Triathlons“, sagte Blades. Üblicherweise wird über Vorstandsverträge ein Jahr vor Ablauf entschieden.

Der gebürtige Brite, der schon lange in Deutschland lebt, hat sich inzwischen auch einen deutschen Pass zugelegt. Aber nicht unbedingt als Folge des Brexits, sondern weil seine Frau ihn dazu überredet habe. „Ich muss aber beichten, ich habe den deutschen Pass schon zweimal genutzt, weil die Einreise nach Russland damit schneller geht“, sagte Blades. Im Herzen sei er aber „nach wie vor überzeugter Brite“.

Bilfinger-Aktionäre: Schadenersatz gegen Ex-Vorstände durchsetzen

Aktionärsvertreter forderten unterdessen den Aufsichtsrat des Industriedienstleisters Bilfinger erneut auf, rasch Ex-Vorständen wegen laxen Vorgehens gegen Korruption Schadenersatz abzuringen. "Wir erwarten, dass der Aufsichtsrat bis zur Hauptversammlung im Frühjahr endlich reinen Tisch gemacht hat", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW/Düsseldorf), Marc Tüngler, anlässlich der Jahres-Pressekonferenz des Mannheimer Unternehmens. Das belastende Thema müsse endlich abgeschlossen werden. Allerdings müsse die Zahlung angemessen sein: "Wir dulden weiterhin keinen Mickey-Mouse-Vergleich."

Bilfinger fordert wegen Versäumnissen im Kampf gegen Korruption von zwölf ehemaligen Vorstandsmitgliedern Schadenersatz. Darunter ist Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Tüngler spricht von mehr als 100 Millionen Euro, wobei jeder Manager individuell, begleitet von einer Haftpflichtversicherung für Führungskräfte, mit dem Aufsichtsrat am Verhandlungstisch sitze.

Zwar war ein Antrag der DSW auf eine Sonderprüfung, bei der ein Rechtsanwalt untersuchen sollte, welcher Schaden durch das zögerliche Vorgehen des Aufsichtsrates entstanden ist, bei der Hauptversammlung im Mai 2019 gescheitert. "Der Druck bleibt aber weiter erhalten", sagte Tüngler.