Bilfinger

Bestechungsfälle Bilfinger-Chef schreibt Brief an Mitarbeiter

Blades beschwört neue Kultur

Mannheim.Nach dem Wirbel um Korruptionsfälle bei Bilfinger hat Vorstandschef Tom Blades (Bild) der Belegschaft zugesichert, dass sich der Mannheimer Konzern künftig regeltreu verhalten werde. „Wir verzichten auf jeden Euro, den wir durch unrechtmäßiges Verhalten verdienen könnten“, so Blades in einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt. Seit Anfang 2016 habe es bei Bilfinger keine Verstöße gegen gesetzliche Regeln und Vorschriften bei der Unternehmensführung – in der Fachsprache Compliance – gegeben.

Vor Kurzem waren heftige Vorwürfe gegen den ehemaligen Vorstandschef Roland Koch bekannt geworden. Der Schweizer Rechtsanwalt Mark Livschitz, der für die US-Justiz Bilfinger überwacht, sprach von einer „defekten, vererbten Unternehmenskultur“. Die Vorstandsmitglieder hätten gehandelt „wie Könige in ihren Schlössern“ und sich an keine Regeln gehalten. Koch wies das über seinen Sprecher zurück.

„Seriöse Geschäfte“

Blades erklärte in dem Schreiben weiter, der Nahe Osten würde zu Unrecht oft mit Bestechung in Verbindung gebracht. Vielmehr habe er „persönlich langjährige Erfahrungen mit seriösen Geschäften“ gemacht. Im Oman soll Bilfinger laut „Spiegel“-Magazin einen wegen Korruption verurteilten Landeschef weiterbeschäftigt haben. Der Konzern gab an, nichts von der Strafe gewusst zu haben.

Bilfinger hatte im Frühjahr mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat ehemalige Vorstandsmitglieder aus den Jahren 2006 bis 2015 auf Schadenersatz verklagt. Den Managern werden Pflichtverletzungen bei der Einführung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems vorgeworfen, das der Vorbeugung und Aufdeckung von interner Korruption dient. Die Ansprüche belaufen sich auf 100 Millionen Euro. Überwiegend geht es um Bestechungsfälle in Nigeria und Brasilien.