Coronavirus

Virtuelle Podiumsdiskussion

Bildungsschere spreizt sich weiter

Archivartikel

Mannheim.Wie geht es am 10. Januar weiter, wenn es weitergeht? Das war eine der Fragen, über die am Mittwochnachmittag, dem ersten Tag der vorgezogenen Weihnachtsferien, eine Runde aus Schülern, Politikern, einem Lehrer, einem Elternvertreter und einer Bildungsforscherin diskutiert hat. „Im besten Fall wird es mit Präsenzunterricht weitergehen“, sagt Thorsten Papendick, Vorsitzender des Gesamtelternbeirates Mannheim.

Tatsächlich müssten sich Schüler, Lehrer, Eltern aber darauf einstellen, dass der Lockdown im Januar weitergehe. „Da mache ich mir sehr große Sorgen, weil die Schulen in Baden-Württemberg zum großen Teil nicht in der Lage sind, einen guten Fernlernunterricht oder Hybrid-Unterricht, bei dem der eine Teil der Klasse zu Hause, der andere in der Schule sitzt, anzubieten.“ Der Grund: Die technischen Möglichkeiten seien nicht vorhanden.

Auch Oskar Weiß, der in die 12. Klasse des Feudenheim-Gymnasiums geht, unterstreicht die Bedeutung des Präsenzunterrichts. „Es ist ein immenser Unterschied, ob man zu Hause sitzt oder im Unterricht, wo man Kontakt mit Mitschülern und Lehrern hat“, ergänzt Dennis Klingenspohr, der mitten im ersten Total-Lockdown im Frühjahr sein Abitur am Liselotte-Gymnasium abgelegt hat. Auch der Rektor der Humboldt-Werkrealschule, Harald Leber, einer Schule in einem der sozialen Brennpunkte Mannheims, der Neckarstadt-West, blickt besorgt auf das neue Jahr und anstehende Abschlussprüfungen. „Wenn der Lockdown noch länger herrscht, wird es für unsere Schüler schwierig.“

Dass sich durch die Coronakrise die Bildungsschere weiter gespreizt habe, weil vor allem sozial benachteiligte Kinder unter Schulschließungen leiden, sei eine Tatsache, aber kein Phänomen, das allein auf Deutschland zutreffe, unterstreicht die Heidelberger Bildungsforscherin Anne Sliwka. „Bei uns war sie ohnehin schon sehr weit gespreizt.“ Andere Länder seien da besser aufgestellt gewesen. SPD-Politiker Stefan Fulst-Blei, Mitglied im Mannheimer Gemeinderat und im baden-württembergischen Landtag, forderte in diesem Zusammenhang mehr Mittel vom Land, damit Schulen vor Ort benachteiligte Schüler unterstützen könnten. „Sonst fallen die durchs Raster, deren Eltern die Nachhilfe nicht bezahlen können.“ Elke Zimmer, die für die Grünen im Mannheimer Gemeinderat und im Landtag in Stuttgart sitzt, sprach sich für passgenaue Lösungen aus. „Wir müssen das Geld an Schulen ausschütten, die besondere Bedarfe haben.“

Zum Thema