Coronavirus

Pandemie Service und Hintergrund

Coronavirus: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Mannheim.Das öffentliche Leben in Deutschland läuft langsam wieder an: Kleine und mittlere Geschäfte sind wieder geöffnet, es wird Eis und Kaffee außer Haus verkauft und seit 4. Mai dürfen die ersten Schüler wieder in den Unterricht. Doch die Verunsicherung in den Bevölkerung bleibt. Die häufigsten Fragen aus Leserzuschriften im Überblick.

Trifft die Krise bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders hart?

Die Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen haben zu einer Vereinsamung bei vielen Senioren geführt. Einrichtungen haben über Depressionen, Lethargie, Appetitlosigkeit und andere Symptome der isolierten Senioren berichtet, die zu gesundheitlichen Schäden bis hin zum Tod geführt hätten. Viele Bundesländer haben ihre Corona-Maßnahmen genau aus diesem Grund gelockert. Die soziale Isolation hat sicherlich auch psychische Erkrankungen verschlechtert: Panikattacken, hypochondrische Störungen, wie die Furcht sich zu infizieren oder Zwangsneurosen, wie das zwanghafte Händewaschen, wurden durch die Stresssituation befeuert.

Menschen mit einer geistigen Behinderung haben es ebenfalls schwerer als viele andere. Tagesstrukturen sind von heute auf morgen weggebrochen: zum Beispiel ihre Arbeit in den Werkstätten. Auch fällt es vielen schwer, die Situation nachzuvollziehen. Es ist auch nach wie vor eine große Herausforderung, Menschen mit einer geistigen Behinderung rechtzeitig zu helfen, wenn sie sich infiziert haben. Ihnen fehlen oft die Worte, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich krank fühlen.

Der Mundschutz erschwert Gehörlosen die Kommunikation, es ist unmöglich Lippen zu lesen. Masken mit Sichtfenster – in Spanien gibt es derzeit eine verstärkte Produktion – könnten helfen. Und für Menschen mit einer Sehbehinderung sind die Abstandsregeln schwer einzuhalten. Das sind nur einige wenige Beispiele von Bevölkerungsgruppen, die durch das Virus besonders hart getroffen wurden – und noch immer sind.

Ich besitze einen Swimmingpool und will diesen mit Chlor behandeln. Kann ich den Pool bedenkenlos nutzen?

Ja. Ein privater Swimmingpool und Schwimmbäder sind an sich keine Orte mit erhöhtem Infektionsrisiko. Zum einen kann Chlorwasser helfen Sars-CoV-2 zu neutralisieren. Das gilt aber nur, wenn sich das Virus auf der Haut befindet und noch nicht in den Körper eingedrungen ist. Zum anderen werden Erreger im Wasser extrem verdünnt. Trotzdem ist eine bundesweite Öffnung der Hallen- und Freibäder derzeit „nicht absehbar“. Schwimmkurse sind wieder erlaubt.

Hilft die Einnahme von Chlordioxid gegen Corona?

Nein. Die chemische Verbindung, die als Bleichmittel und zur Desinfektion genutzt wird, wirkt auf Haut und Schleimhäute reizend bis ätzend, wie das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung mitteilt. Mögliche Folgen einer Chlordioxid-Einnahme sind: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, Darmschädigungen und Blutdruckabfall. Eine Injektion kann schwerwiegendere Folgen haben. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung und die US-Gesundheitsbehörde FDA warnen vor Chlordioxid-Lösungen. Die Mittel werden als Heilmittel gegen Autismus, Krebs, Aids, Grippe und andere Krankheiten beworben.

Wie kann ich meine partikelfiltrierende Maske desinfizieren?

Eigentlich sollten professionelle FFP2- und FFP3-Masken dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. Weil sie für den Klinikalltag bestimmt sind, werden sie einmal genutzt und anschließend entsorgt. Eigentlich. Die Schutzausrüstung ist knapp, Pflegekräfte und Mediziner verwenden die Einmalartikel seit Beginn der Corona-Krise mehrmals – weil sie der Meinung sind, dass es besser ist, eine nicht-perfekte Schutzausrüstung zu haben, als gar keine. In einigen Krankenhäusern werden Masken mit eingebautem Filter in einer Art Dampfreiniger sterilisiert. US-amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass diese Desinfektionsweise auch zu Hause funktionieren kann: Dafür legten sie die Maske mit der Außenseite nach unten auf zwei Gefäße mit jeweils 50 Milliliter lauwarmen Wasser in eine Mikrowelle. Die Maske wurde bei 750 Watt zwei Minuten lang erhitzt – der erzeugte Wasserdampf reinigte die Maske, ohne die Filterwirkung zu schwächen. Achtung: Viele Masken können Metallteile enthalten und in der Mikrowelle Feuer fangen. FFP2- und FFP3-Masken, die eine CE-Kennzeichnung besitzen oder nach dem Prüfgrundsatz der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik zugelassen sind, können auch bei 70 Grad im Backofen sterilisiert werden. Bei Masken aus Kanada, den USA, Australien oder Japan könnte der Kunststofffilter durch die Hitze beschädigt werden. Generell wird eine Wiederverwendung der Masken mit Filter nicht empfohlen.

Gibt es schon ein Konzept, wann kleinere Veranstaltungen, wie im Mannheimer Capitol, wieder stattfinden werden?

Großveranstaltungen wie Fachmessen, Vereinsfeste und Kongresse sowie kulturelle Veranstaltungen wie Theater, Schauspiel, Ballett, Konzerte, Oper, Kino, Musikfestivals, Film-, Theater- und Musikfestivals fallen im Ampelsystem der baden-württembergischen Landesregierung in die Stufe 5. Ob und wann eine Lockerung stattfinden wird, ist „nicht abschätzbar“. Museen und Ausstellungen dürfen wieder öffnen. Die Spielzeit der beiden Staatstheater in Karlsruhe und Stuttgart sind beendet. Auch das Theater und Orchester Heidelberg, das Nationaltheater Mannheim und das Capitol haben den Vorstellungsbetrieb der Spielzeit 19/20 eingestellt. Damit wird das bis zum 31. August vorgesehene Programm nicht wie geplant stattfinden. Der Kulturbetrieb der Alten Feuerwache ist ebenfalls ausgesetzt.

Hessen möchte kleinere Veranstaltungen wieder erlauben. Die Zahl von 100 Teilnehmern ist dabei eine Richtgröße. Im Einzelfall könnte diese auch größer sein, wenn die Veranstalter ausreichend Platz zur Verfügung stellen. Die Öffnung von Museen, Ausstellungen und Galerien in Rheinland-Pfalz ist für den 11. Mai vorgesehen. Wann Theater, Opern, Konzerthäuser und Kinos wieder in Betrieb gehen, wird noch entschieden.

Wie und wo kann man einen Antikörpertest – also einen Test, ob man bereits zu einem früheren Zeitpunkt erkrankt war und deshalb Antikörper entwickelt hat – machen lassen?

Es gibt bereits mehrere Antikörpertests auf dem Markt. Das Problem: Schon vor dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 gab es hierzulande harmlose Coronaviren, die Erkältungen auslösen können. Einige der Antikörpertests scheinen auch zu reagieren, wenn die getesteten Personen in den vergangenen Wochen oder Monaten Kontakt mit diesen harmlosen Coronaviren hatten. Experten warnen daher vor Schnelltests, die man im Internet kaufen kann. Ganz neu ist ein Antikörpertest des Schweizer Pharmakonzerns Roche, der äußerst zuverlässig eine Infektion mit dem Pandemievirus Sars-CoV-2 nachweisen kann. Für diesen Test muss ein Arzt Blut aus der Vene abnehmen und es in ein Labor einschicken. Noch übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nicht die Kosten, das soll sich aber bald ändern. Wer bereit ist, für die Kosten selbst aufzukommen, kann in seiner Hausarztpraxis nachfragen, ob das zuständige Labor schon über Testmöglichkeiten verfügt und dann einen Termin zum Blutabnehmen vereinbaren. Viele Labore haben den Test bereits, die anderen dürften ihn in den nächsten Tagen erhalten.

Gelten die Reisebeschränkungen auch innerhalb Deutschlands? Wir haben ein Ferienhaus im Juli an der Ostsee gemietet.

Für internationale Reisen gilt bis mindestens 15. Juni eine Reisewarnung – Urlaub in Deutschland ist für Pfingsten und die Zeit danach aber wieder in greifbare Nähe gerückt: Die Wirtschaftsminister der Länder streben an, Hotels und Pensionen unter Auflage bis Ende Mai wieder zu öffnen. Allerdings unterscheiden sich die Fahrpläne der einzelnen Bundesländer voneinander: Ab dem 18. Mai öffnen die Hotels in Mecklenburg-Vorpommern für Einheimische. „Ab dem 25. Mai werden wir auch für Gäste aus anderen Bundesländern öffnen“, sagt Wolfgang Waldmüller, Vorsitzender des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Damit wäre ein Urlaub an der Ostsee oder an der Seenplatte für alle Bundesbürger möglich. Es gilt zunächst eine Kapazitätsgrenze von 60 Prozent. Bei Campingplätzen gibt es keine Obergrenze. In Niedersachsen können vom 11. Mai an Ferienhäuser- und Wohnungen mit einer maximalen Auslastung von 50 Prozent vermietet werden. Ab dem 25. Mai können auch Hotels, Pensionen und Jugendherbergen touristisch genutzt werden – ebenfalls mit einer 50-Prozent-Quote. Hotels in Bayern dürfen ab dem 30. Mai wieder Touristen beherbergen. Auch in Schleswig-Holstein gibt es voraussichtlich ab dem 18. Mai Lockerungen im Tourismus. Hotels, Vermieter von Ferienwohnungen und Wohnmobilstellplätzen dürfen von da an wieder Gäste auch aus anderen Bundesländern empfangen. Kapazitätsgrenzen soll es nicht geben. 

Müssen Supermärkte Einkaufswagen und -körbe desinfizieren?

Experten und Behörden sehen Oberflächen wie die Griffe von Einkaufswagen und Körbe, EC-Kartenlesegeräte oder Kassenbänder zwar nicht als Übertragungsweg für das Coronavirus, weshalb Lebensmittelhändler auch nicht zu einer Desinfektion verpflichtet sind. Trotzdem gibt es Schutzmaßnahmen, die von Supermärkten seit Beginn des Ausnahmezustands umgesetzt werden.

Der Zugang zu den Lebensmittelgeschäften ist momentan nur unter Auflage gestattet, die Zahl der Kunden, die sich gleichzeitig in einem Markt aufhalten dürfen, ist begrenzt. Einige Supermärkte haben deshalb  Einlasskontrollen organisiert, sogenannte Kundenbetreuer schauen anhand der Einkaufswagen und -Körbe, wie viele Kunden sich im Markt aufhalten. Diese Methode sei ein einfaches Mittel, um die Schutzmaßnahmen umzusetzen, „zumal die meisten Kunden ohnehin einen Einkaufswagen zum Transport ihrer Lebensmittel nutzen“, erklärt ein Pressesprecher von Edeka. Ein Sprecher von Aldi Süd ergänzt, dass die Nutzung eines Einkaufswagens auch den Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet – weshalb es in ihren Märkten verpflichtend sei auch einen zu nutzen.

„Jeder Rewe und Penny-Markt verfügt über ein umfassendes Hygienekonzept und wird mehrmals täglich gereinigt. Auch unsere Einkaufswagen werden regelmäßig gesäubert“, erklärt eine Pressesprecherin. Ähnlich geht Edeka und Lidl vor: Griffe von Einkaufswagen und Körben werden regelmäßig desinfiziert – „vorausgesetzt, es ist ausreichend Desinfektionsmittel vorhanden, das aktuell jedoch knapp ist und dringend im Gesundheitswesen benötigt wird“, so der Edeka-Sprecher weiter.

Weitere Maßnahmen sind:

  • Aufkleber auf dem Boden, die auf den einzuhaltenden Mindestabstand hinweisen
  • Schilder, Aushänge, Plakate oder Instore Radio machen auf die aktuelle Situation und Hygienevorschriften aufmerksam
  • Plexiglasschutz an allen Kassen
  • Einmalhandschuhe zur freiwilligen Verwendung für Kassenpersonal

Darüber hinaus bietet Lidl in allen rund 3200 Filialen laut einer  Sprecherin noch Gesichtsschutz zur freiwilligen Verwendung im Verkaufsraum an. „Zudem achten wir darauf, dass die Filialen mit ausreichend Desinfektionsmitteln ausgestattet sind.“            

Die wichtigste Maßnahme, sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen, sind die seit Wochen kommunizierten einfachen Hygieneregeln: In die Armbeuge oder in einen Taschentuch niesen und husten, sich gründlich und regelmäßig die Hände waschen, sich unter keinen Umständen mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen - und Abstand zu anderen bewahren.

Ist eine „Herdenimmunität“ die richtige Strategie um das Coronavirus zu bekämpfen?

Nein. Kanzleramtschef Helge Braun, der selbst Arzt ist, hat in den vergangenen Tagen nochmals deutlich gemacht, dass die Strategie einer „Herdenimmunität“ im Kampf gegen die Pandemie untauglich ist.  Mit dem Begriff meinen Wissenschaftler die Immunität eines so großen Prozentsatzes der Bevölkerung nach einer Infektionswelle, dass die weitere Ausbreitung der Krankheit zum Erliegen kommt. Eine Epidemie sei erst zu Ende, wenn ein Anteil von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung „durchseucht“ und immun gegen das Virus ist. „Um nur die Hälfte der deutschen Bevölkerung in 18 Monaten zu immunisieren, müssten sich jeden Tag 73 000 Menschen mit Corona infizieren, sagte Braun. So hohe Zahlen würde das deutsche Gesundheitssystem nicht verkraften, die massive Anzahl an Infizierten könnte auch von den Gesundheitsämtern nicht nachverfolgt werden. „Die Epidemie würde uns entgleiten“, so Braun weiter.

In den vergangene Wochen ist vermehrt die Frage aufgekommen, ob es nicht klüger wäre, vor allem junge Menschen unter kontrollierten Bedingungen anzustecken – statt weiterhin die Einschränkungen des öffentlichen Lebens auszuharren. „Das ist eine schwere Abwägungsgeschichte, die niemand – weder Politiker noch Mediziner – jemals verantworten wollen würden“, macht Thomas Miethke, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Uniklinikums Mannheim, deutlich. Denn wer könnte garantierten, dass der Krankheitsverlauf bei jungen Menschen milde und ohne Nebenwirkungen abläuft, wie es immer behauptet wird. Inzwischen gibt es weltweit Fälle von Jugendlichen, die an den Folgen des Coronavirus gestorben sind – ohne, dass sie eine Vorerkrankung hatten. So ist in Belgien ist eine Zwölfjährige, in Frankreich eine 16-Jährige, in Portugal ein 14-Jähriger an Covid-19 gestorben. „Auch Menschen, die nicht zur Risikogruppe zählen, können durchaus schwere Krankheitsverläufe entwickeln“, erklärt Miethke.

Auch Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz schrieb kürzlich: Die Herstellung einer „Herdenimmunität“ (…) ist ohne Überlastung des Gesundheitssystems nicht herstellbar und angesichts eines in seinen Wirkungen auf das Individuum nicht berechenbaren Virus ethisch nicht zu verantworten. Stattdessen setzen Wissenschaftler nach wie vor auf den Kurs der Bundesregierung: Abstand bewahren, Ansteckungen vermeiden und bezüglich der Immunität auf die Einsatzfähigkeit eines Impfstoffs warten.

Wäre es nicht klüger, junge Menschen unter kontrollierten Bedingungen anzustecken – statt dass auch sie die Beschränkungen weiter aushalten müssen?

„Das ist eine schwere Abwägungsgeschichte, die niemand – weder Politiker noch Mediziner – jemals verantworten wollen würden“, macht Thomas Miethke, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Uniklinikums Mannheim, deutlich. Denn wer könnte garantieren, dass der Krankheitsverlauf bei jungen Menschen milde und ohne Nebenwirkungen abläuft, wie es immer behauptet wird. Inzwischen gibt es weltweit Fälle von Jugendlichen, die an den Folgen des Coronavirus gestorben sind – ohne dass sie eine Vorerkrankung hatten. „Auch Menschen, die nicht zur Risikogruppe zählen, können durchaus schwere Krankheitsverläufe entwickeln“, erklärt Miethke. Stattdessen setzen Wissenschaftler nach wie vor auf den Kurs der Bundesregierung: Abstand bewahren, Ansteckungen vermeiden und bezüglich der Immunität auf die Einsatzfähigkeit eines Impfstoffs warten. Und da gibt es schon gute Nachrichten: Die Impfstoffentwicklung läuft derzeit auf Hochtouren.

Ist man immun gegen das Coronavirus, wenn man die Lungenkrankheit einmal überstanden hat?

Die Mehrheit der Wissenschaftler gehen momentan davon aus, dass man immun wird, wenn man die Infektion durchgemacht hat. Doch die Daten zum neuartigen Coronavirus sind begrenzt. Wie lange die Immunität anhält und man vor einer Neuinfektion geschützt ist, ist nach wie vor unklar - Experten vermuten "einige Monate". Grund dieser Unsicherheit: Man weiß nicht, ob das Virus mutiert und die vom Körper gebildeten Antikörper nicht mehr wirksam sind. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das Vorhandensein von Antikörpern einen vollständigen Schutz gegen eine Neuinfektion verleiht. 

Laut einem Medienbericht hat auch der angsehenste US-Virolge Anthony Fauci Zweifel bei der Immunität. Es gebe zwar Grund zu ebendieser Annahme, weil es auch bei anderen Viren so sei. Doch bewiesen sei es noch nicht. Daher sei es noch nicht sicher, einfach auf Antikörper zu testen und dann davon auszugehen, dass die untersuchte Person fortan geschützt ist. Solche Antikörpertests sollen es ermöglichen, zumindest die Genesenen von den strengen Shutdown-Maßnahmen auszunehmen und so Wirtschaft und öffentliches Leben wieder ein Stück weit zu öffnen.

Den Berichten aus Südkorea, wonach sich  91 Coronavirus-Patienten ein zweites Mal ansteckten, begegnen viele Experten jedoch mit Skepsis. Sie sprechen von einer fehlerhaften Methodik oder von anderen Ursachen, wieso das Erbgut des Erregers bei den Menschen erneut nachgewiesen wurde. Thomas Miethke, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Uniklinikums Mannheim, geht von folgender Annahame aus: Je stärker die Erkrankung verlaufen ist, desto höher ist die Immunität.

Was hat es mit dem schwedischen Modell auf sich?

Anders als in weiten Teilen Europas greift die schwedische Regierung nicht mit strikten Maßnahmen in den Alltag ihrer Bürger ein. Cafés, Friseure, Fitnessstudios sind geöffnet und auch Kindergärten und Schulen bis zur neunten Klasse dürfen besucht werden. Die Menschen sollen lediglich Abstand bewahren und zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Das hat Konsequenzen: In Schweden wurden weitaus mehr Infizierte registriert als in den anderen nordischen Ländern. Dort starben 3175 Menschen an Covid-19. In Dänemark gab es bisher rund 522 Todesfälle, in Norwegen rund 217. Beide Länder haben jeweils halb so viele Einwohner wie Schweden. Trotzdem vertrauen Regierung und Gesundheitsbehörde auf den Staatsepidemiologen Anders Tegnell. „Wir glauben, wir erreichen mit Freiwilligkeit genauso viel wie andere Länder mit Restriktionen“, sagte er kürzlich. Diese Sicht teilen andere nicht. Etwa 2000 Wissenschaftler haben die schwedische Regierung zum Umdenken aufgefordert. Täglich würden immer noch Hunderte neue Ansteckungen registriert – momentan gibt es mehr als 25 000 Infizierte im Land. Tegnell wiederum rechnet damit, schon im Mai Anzeichen für eine Immunität in Stockholm erkennen zu können. Allerdings kann man es nicht oft genug betonen: Man weiß nicht genug über eine Immunität. Es könnte sein, dass Schweden im Gegensatz zu anderen Ländern einer zweiten Viruswelle entkommt – oder eben nicht. Das wiederum würde bedeuten, dass die vielen Toten im Land hätten durchaus vermeidbar sein können. (Stand der Zahlen: 8. Mai 2020)

Gibt es in Deutschland eine generelle Maskenpflicht?

Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist deutschlandweit Pflicht. Menschen müssen im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel eine einfache Maske tragen – in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz gilt diese Regelung seit dem 27. April.

Was bringen Masken überhaupt?

Laut Studien gab es während der SARS-Epidemie 2002/2003 einen Schutzeffekt bei sogenannten FFP-Masken. Dieser Profi-Schutz verfügt über einen Filter, der auch Viren abfangen soll. Für normale OP-Masken – sie bestehen aus mehreren Lagen, mindestens eine davon hat Filterwirkung – gibt es laut dem Robert Koch-Institut (RKI) keine ausreichenden Belege, dass sie den Träger vor Ansteckung schützen. Jedoch können sie andere schützen. Experten, darunter die Virologen Christian Drosten und Alexander Kekulé, sind der Ansicht, dass sich die Ausbreitung des Virus so verlangsamen lässt. Denn ein Teil der durch Husten, Niesen oder die Atemluft ausgestoßenen Erreger wird von der Maske abgefangen. Ein weiterer Vorteil: Wer die Maske trägt, greift sich nicht an Nase und Mund – was Schmierinfektionen verhindern kann. 

Man hört immer wieder, dass einfache Masken den Träger selbst nicht schützen, sondern nur die anderen. Warum ist das so?

Tatsächlich kann eine einfache, selbst genähte Maske nicht effektiv vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Das liegt vor allem daran, dass beim Einatmen reichlich Luft seitlich an ihr vorbei strömt. Hat etwa kurz zuvor eine infizierte Person an der Stelle geniest und befinden sich noch Tröpfchen in der Luft, wird eine Maske diese nicht vollständig abhalten können. Auch beim Ausatmen kann nicht ausgeschlossen werden, dass Viren an der Maske vorbei entweichen. Dennoch gibt es einen großen Schutzeffekt. Denn wenn eine infizierte Person mit Maske hustet oder niest, wird der größte Teil der Viren durch den Stoff zurückgehalten und kann sich nicht so weit in der Umgebungsluft verteilen wie das ohne Mund-Nasen-Abdeckung der Fall wäre. Umso wichtiger ist es, auch Alltagsmasken richtig zu tragen: Idealerweise sollten sie vom Nasenrücken bis unter das Kinn reichen und sowohl um die Nase als auch den Mund straff anliegen.

Ganz anders ist die Situation bei den professionellen FFP-Masken für medizinisches Personal. Diese liegen sehr eng am Gesicht an. Die eingeatmete Luft wird gefiltert. Während der Sars-Epidemie 2002/2003 konnten in Studien ein Schutzeffekt für die Träger nachgewiesen werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärt: „Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl Eigenschutz als auch Fremdschutz.“ Anders ist es bei Masken mit Ventil. Diese „filtern nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für Fremdschutz ausgelegt“.

Kann man die Maske auch falsch tragen?

Durchaus. Viele Menschen machen den Fehler, dass sie ihre Nasenspitze nicht bedecken oder die Maske zu locker tragen. Idealerweise sollte eine Gesichtsmaske vom Nasenrücken bis unter das Kinn reichen und sowohl um die Nase als auch den Mund straff anliegen. An den Seiten sollten keine Lücken entstehen. Wenn man die Maske auf- oder absetzt, sollte man sie nicht direkt an der Vorderseite anfassen, sondern idealerweise nur an den Bändern oder Schlaufen abstreifen. Nicht vergessen: Vor und nach dem Anziehen und Tragen der Maske sollte man die Hände gründlich waschen.

Kann ich wiederverwendbare Masken so oft tragen, wie ich möchte?

Ja, aber nur wenn man sie regelmäßig reinigt, denn sobald Masken durch Atemluft durchfeuchtet sind, verlieren sie ihre Schutzwirkung.  Stoffmasken, egal ob gekauft oder selbst genäht, sollte man regelmäßig in der Waschmaschine bei mindestens 60 Grad (Programm "Kochwäsche") waschen. Desinfizierende Waschmittel (Hygienespüler) garantieren, dass Mikroben abgetötet werden.

Wenn möglich, sollte man die Masken nach dem Waschgang noch in den Trockner tun oder den getrockneten Mundschutz bei mindestens 165 Grad Celsius bügeln.  Virologe Christian Drosten erklärt, dass man Masken aus Zellulosestoffen auch im Backofen sterilisieren könne: Einfach bei etwa 70 bis 80 Grad Celsius für 20 bis 30 Minuten „backen“. Ob eine Sterilisierung in der Mikrowelle was bringt, ist nicht bekannt. Nach jedem Waschen, Trocknen, Bügeln oder Backen, sollten die Masken immer darauf geprüft werden, ob sie beschädigt wurden.  

Welche Hygieneregeln soll ich zu Hause beachten?

Das RKI empfiehlt, Räume regelmäßig zu lüften. Sollte eine Person im Haushalt Symptome einer Erkältung zeigen, sollte sich diese möglichst getrennt von den anderen Familienmitgliedern aufhalten. Ideal ist ein eigenes Zimmer und – sofern vorhanden – die Benutzung einer separaten Toilette oder eines anderen Badezimmers. Türklinken und Oberflächen sollten regelmäßig abgewaschen oder desinfiziert werden. Außerdem sollten alle Personen im Haushalt regelmäßig Hände waschen. 

Was soll ich tun, wenn ich Symptome einer Erkältung bemerke?

Wenn Sie in den vergangenen 14 Tagen nicht in einem Risikogebiet waren und auch keinen Kontakt zu einer an Covid-19 erkrankten Person hatten, dann können Sie sich so verhalten wie bislang auch, wenn Sie unter ähnlichen Symptomen litten. Falls Sie eine Krankschreibung benötigen und nur leichte Beschwerden haben, kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen diese nach telefonischer Rücksprache ausstellen. Sie müssen also nicht in eine Praxis gehen.

Und wenn ich in einem Risikogebiet war und jetzt Symptome habe?

Dann sollten Sie sich bei Ihrem Gesundheitsamt melden. Das gilt auch für den Fall, dass Sie Kontakt zu einer an Covid-19 erkrankten Person hatten – unabhängig davon, ob Sie Symptome haben oder nicht. Das Gesundheitsamt wird dann organisieren, dass Sie getestet werden.

Soll man bei einer Atemwegserkrankung einen Test veranlassen, auch wenn der Patient nur leichte Symptome wie Husten oder Niesen hat?

Wer getestet wird, entscheiden derzeit die Kliniken und Hausärzte selbst. Laut Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sollten auch Patienten mit leichten Symptomen getestet werden, wenn sie: 

  • in den vergangenen zwei Wochen zu einem Erkrankten Kontakt hatten, der zuvor positiv auf Covid-19 getestet wurde
  • sich in einer Region aufgehalten haben, in der das Virus flächendecken nachgewiesen wurde (Internationale Risikogebiete sind unter anderem Italien, Iran, die chinesische Provinz Hubei, die französische Region Grand Est, Madrid in Spanien, Bundesland Tirol in Österreich oder die US-Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York; in Deutschland besonders betroffen: der nordrhein-westfälische Landkreis Heinsberg
  • bei der Arbeit mit Menschen in Kontakt kommen, die ein hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben, beispielsweise im Krankenhaus oder der Altenpflege.

Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollten sich Betroffene laut RKI selbst isolieren, also zu Hause bleiben, alle engen Kontakte unter zwei Metern meiden, gute Händehygiene einhalten und wenn ein Kontakt zu anderen unvermeidbar ist einen Mund-Nasenschutz tragen.

Zahlt die Krankenkasse den Test?

Ja. Laut dem Bundesgesundheitsministerium übernehmen die Krankenkassen die Testung auf das Coronavirus in einem weiten Umfang. Voraussetzung ist die Entscheidung eines Arztes.

Ist ein Test bei Personen ohne jedes Krankheitszeichen sinnvoll?

Nein. Wenn man gesund ist, sagt ein Test auf Covid-19 auch nichts darüber aus, ob man möglicherweise krank werden kann. Außerdem werden damit  Arztpraxen, Kliniken und Labore unnötig belastet.

Gibt es einen Schnelltest auf das Coronavirus, den man – ähnlich wie einen Schwangerschaftstest - zu Hause selbst durchführen kann?

Ein Schnelltest, mit dem man eigenhändig eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus durchführen kann, existiert noch nicht. Wenn Personen den Verdacht haben, sich infiziert zu haben, sollten sie sich zunächst telefonisch bei ihrem Arzt oder dem Gesundheitsamt melden.

Gibt es eine Impfung?

Mehrere Pharma- und Biotechnologieunternehmen – wie BioNTech in Mainz oder CureVac in Tübingen – arbeiten an der Entwicklung eines Impfstoffs. Bisher ist aber keine Schutzimpfung verfügbar. Experte gehen davon aus, dass Anfang bis Mitte kommenden Jahres ein Impfstoff vorliegen könnte.

Gibt es Medikamente zur Behandlung von Covid-19?

Jein. Derzeit laufen in zahlreichen Ländern Medikamentenstudien. Bislang werden vor allem bereits zugelassene, antivirale Medikamente gegen Grippe und HIV getestet. Auch ein Ebola-Medikament des Pharmakonzerns Gilead scheint viel versprechend. Patienten in Deutschland, die schwere Symptomen aufweisen, erhalten bereits Medikamente. Noch ist aber unklar, wie wirksam diese sind.

Zu was könnte eine von außen angeordnete Isolation führen und was sind die typischen Stressfaktoren?

„Die China-Rückkehrer mussten damals in eine Kaserne, Menschen, die infiziert sind, müssen 14 Tage in Zwangsisolation, anders die Arbeitnehmer oder Elternteile, die nun zu Hause ihren Job erledigen oder auf ihr Kind aufpassen müssen. Das sind alles unterschiedliche Arten von „unter Quarantäne sein“ und sie wirken sich ganz unterschiedlich auf die Psyche des Betroffenen aus“, sagt Barbara Lubisch, Stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung. Die einen könnten mit der Situation sehr gut umgehen, würden ihren Alltag dementsprechend ausrichten. Andere würden sich dagegen bedroht fühlen. „Die Älteren machen sich vielleicht Sorgen um ihre Gesundheit. Die Jüngeren dagegen, dass sie im Homeoffice nicht effizient arbeiten können und bei ihrer Arbeit zurückgeworfen werden.“

Eine aktuelle Studie belegt: Eine von außen angeordnete Isolation kann für manche Menschen extrem belastend sein und zu Angst, Wut, Verwirrung, Depressionen und sogar zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen, schreibt ein Forscherteam am britischen King’s College in einer Fachzeitschrift. Die Gründe sind vielfältig: Stigmatisierung, Sorge vor finanziellen Einbußen, die Quarantänedauer, die sich unerwartet verlängert oder Angst, nicht ausreichend mit Lebens- und Arzneimitteln oder Informationen versorgt zu werden.

Wie kann man damit umgehen?

„Eine Quarantäne ist keine Freiwilligkeit, in die man sich begibt. Sie widerstrebt gewissermaßen dem Kontrollbedürfnis des Menschen, selbstbestimmt zu leben“, erklärt Lubisch. Umso wichtiger sei es, den Alltag zu strukturieren und das „Gefühl der Nützlichkeit“ zu behalten: So sollen Betroffene zur normalen Uhrzeit aufstehen, vormittags beispielsweise konzentriert ihrer Arbeit nachgehen,  aufräumen oder andere Dinge erledigen. Am Nachmittag oder Abend können sie ihre Freizeit genießen. „In Pyjamas den ganzen Tag fernzusehen lenkt zwar ab, aber macht keinesfalls zufrieden.“

Auch Infizierte, die in Kliniken unter Quarantäne sind, könnten der Isolation entkommen: „Sie sollen auf jeden Fall den Kontakt zu ihren Liebsten oder Arbeitskollegen per Messenger-Dienste, Mail, Telefon- oder Videogespräche behalten. Was noch wichtig ist: sich bewegen. Das ist ein Urbedürfnis.“ Wenn Kliniken es einrichten können, könnten Erkrankte ein Sportgerät ins Zimmer gestellt bekommen und sich so ablenken.

Was steckt hinter der Psychologie von Hamsterkäufen?

„Das kann ich selbst nicht nachvollziehen“, sagt Lubisch. „Vielleicht steckt dahinter eine irrige Annahme, das Sicherheitsgefühl wiederzubekommen. Oder es ist etwas, was noch von der Sammler- und Jägerzeit tief in uns verankert ist: in Notzeiten Vorräte anzulegen.“ So oder so sei diese Art von Angst völlig irrational. „Anders als zu Zeiten des Krieges oder in Kriegsgebieten selbst, ist unsere Versorgung nicht gefährdet. Trotzdem werden in den Menschen Katastrophenbilder heraufbeschworen, die der Realität nicht entsprechen.“ Die Menschen sollten sich keinesfalls von der Unruhe anstecken lassen, sich stattdessen überlegen: Was benötige ich überhaupt für eine oder zwei Wochen an Lebensmitteln und Hygieneartikeln? Dabei könnte es eine große Hilfe sein, sich mit Familienmitgliedern auszutauschen und einen Einkaufszettel zu erstellen. „Es gibt Menschen, die 20 Kilo Mehl auf einmal gekauft haben. Was wollen sie damit anfangen? Der Einkauf muss ja auch sachgemäß gelagert werden, es wäre schade, wenn man letzten Endes alles wegschmeißen muss, nur weil man sich von der Panik anderer hat anstecken lassen.“

Was passiert mit dem Menschen, wenn ein naher Angehöriger plötzlich in Isolation muss?

Es sei verständlich, dass sich Menschen Sorgen um andere machen. Diese Art von Angst sei laut Lubisch rational und berechtigt. „Ich frage mich, wie weit die Isolierung von Älteren überhaupt gehen muss. Es ist wichtig, dass Seniorenheime zu kritischen Zeiten wie diesen keine offenen Häuser sein dürfen. Aber ältere Menschen von einem Tag auf den anderen von ihren Liebsten zu trennen, verursacht großes Leid – auf beiden Seiten.“ Umso wichtiger sei es auf moderne Technik zu setzen: Dass Pflegepersonal könne beispielsweise besonders darauf achten, dass Senioren oft mit ihren Kindern und Enkeln telefonieren, sich Bilder schicken oder per Video sehen. „Es darf auch nicht gesagt werden: Oma oder Opa, wir kommen dich mindestens einen Monat lang nicht besuchen. Lieber von Woche zu Woche entscheiden, gemeinsam Pläne tüfteln und sich darauf freuen. Das trägt zur Verbundenheit immens bei.“

(mit dpa)

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