Coronavirus

Corona-Krise

Jungbusch singt gemeinsam - vom Balkon und am Fenster

Mannheim.Gerade als die Sonne untergeht, weht auf einmal eine Stimme durch die leeren Häuserschluchten in der Jungbuschstraße im Stadtteil Jungbusch. „And through it all, she offers me protection, a lot of love and affection…“, tönt das Lied „Angels“ von Robbie Williams dann auch von Balkonen und geöffneten Dachfenstern – denn zig andere singen plötzlich einfach mit, Gitarrenklänge geben die Melodie vor. Es ist eine Geste mit viel Herz, die verbindet, trotz Ausgangsbeschränkungen. "Ich war so berührt davon und so erfreut darüber gestern Abend, deswegen habe ich den Gesang gefilmt", berichtet Christin Georgi. Sie hat den Gesang ihrer Nachbarn direkt vom geöffneten Fenster aus aufgenommen und verrät: Das Video ist nur ein kurzer Ausschnitt aus einem 45 minütigem Konzert. Dabei würden Liederwünsche quer über die Straße gerufen,  die dann von den Musiker Thomas Woschitz,  Lex Brown und Rutger Martens von der Band Suit sowie Jojo Lange-Kabitz von der Band Das Moped und Jonas Weinfurtner direkt auf dem Balkon gespielt wurden. "Das war wirklich eine ganz tolle Stimmung, richtig schön", erzählt Georgi.

Seit vier Tagen gelten nun schon die verschärften Maßnahmen von Stadt und Land, um die Ausbreitung des Coronavirus abzubremsen (wir berichteten). Dabei halten sich viele Mannheimer an die neuen Regeln – und bleiben zuhause. Andere wiederum zieht es bei dem schönen Wetter nach draußen. Das gemeinsame Balkonsingen kommt aus Italien, wo die Menschen seit Wochen wegen der verhängten Ausgangssperre kaum mehr vor die Tür dürfen.

Applaus für alle Helfer

Auch in Deutschland und in Mannheim gibt es schon Aufrufe zu solchen Aktionen: Über soziale Netzwerke sind alle Menschen dazu aufgerufen, abends um 21 Uhr am offenen Fenster oder auf dem Balkon zu klatschen, was das Zeug hält. Nein: Das ist nicht als besonders einfallsreiche Beschäftigungsmaßnahme gedacht, vielmehr soll die gemeinsame Aktion eine Verneigung vor den Menschen sein, die in Corona-Zeiten besonders stark im Einsatz sind: Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, aber auch die, die an der Supermarktkasse den Frust jener Kunden abbekommen, die ein Paket Klopapier tatsächlich dringend benötigt hätten, für die aber nichts mehr übrig geblieben ist. Wer die Aktion ins Leben gerufen hat, lässt sich nicht zurückverfolgen, aber auch er oder sie hat Applaus verdient. Gemeinsam klatschen und allen Menschen Respekt zollen, die sich in außergewöhnlichem Maß einsetzen, das stärkt in der Krise – und es erinnert jeden daran, was derzeit alles geleistet wird.

Kirchen setzen auf starkes Zeichen

Ein starkes Zeichen der Gemeinschaft senden auch die Mannheimer Kirchen aus. Täglich werden sie nun um 18.55 Uhr die Glocken läuten, um auf zwei Aktionen hinzuweisen, die um 19 Uhr beginnen: ein häusliches Gebet und das gemeinsame Balkonsingen.

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Ökumene im besten Sinn und ein wunderbares Zeichen für die Älteren, die nun weniger Besuch haben und viel Zuspruch brauchen.

Ob die Bewohner im Jungbusch ihr abendliches Balkonkonzert wiederholen werden, wollen die Macher aber nicht verraten. Schließlich wolle man nicht, dass am Ende doch noch Leute extra dafür den Jungbusch besuchen, statt wie aufgefordert, zuhause zu bleiben.

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