Coronavirus

Schutzmasken stellen Gehörlose vor große Probleme

Archivartikel

Frankenthal/Mainz.Das Tragen von Mund-Nasen-Masken erschwert gehörlosen und hörgeschädigten Menschen die Kommunikation. Da die Masken den Mund komplett verdecken, können viele Gehörlose nicht erkennen, wenn sie jemand anspricht. Auch das Lippenlesen und die Kommunikation per Gebärdensprache wird durch das Tragen von Masken stark beeinträchtigt. Die Lösungen sind vielfältig, doch nicht immer praktikabel.

Zunächst wurden Masken mit Sichtfenstern entworfen. Eine solche ließ auch Sonja Grünwald vom Fachdienst für Hörgeschädigte in Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben als Prototyp für ihre fünf Kolleginnen nähen. Doch nach einem mehrtägigen Test habe sich herausgestellt, dass das Sichtfenster beim Tragen beschlage, sagte Grünwald. Einige seien nun dazu übergegangen, transparente Visiere zu tragen. Doch diese würden Licht stark reflektieren und vielen sei das Tragen von Visieren unangenehm.

Papier und Stifte in Geschäften

Die Gehörlosen benötigten das Mundbild nicht nur gegenüber Personen, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, sondern auch gemeinsam mit der Nutzung von Gebärdensprache, erklärte Grünwald. Denn "eine Gebärde definiert sich aus der Handstellung und -bewegung, der Mimik und dem Mundbild". Es sei für Gehörlose ein zusätzliches Problem, dass nun ausgerechnet dieses verdeckt wird.

Diese Erfahrung macht auch Katja Krüger, Mitarbeiterin beim Landesverein Beratung und Integration für Menschen mit Hörschädigung Rheinland-Pfalz und selbst gehörlos. Sie stellte fest, dass die normalen Masken bei Gehörlosen aufgrund des fehlenden Mundbildes nicht gerne gesehen sind. Allerdings sind auch Masken mit Sichtfenster ihrer Meinung nach zwar "gut gemeint", jedoch auch "irgendwie inakzeptabel" und keine gute Lösung. Zudem werde die Kommunikation momentan auch durch die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen stark eingeschränkt. Enger Körperkontakt und Berührungen seien ein wichtiger und selbstverständlicher Bestandteil im Austausch von und mit Gehörlosen, erklärte Krüger.

"Für die Verständigung von Menschen mit und ohne Hörbehinderungen sind Schutzmasken, aber auch die Einhaltung des Schutzabstands eine zusätzliche Barriere, auf die im Alltag geachtet werden muss", sagte auch der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch. Wichtig sei, dass gegenseitig Verständnis aufgebracht werde. In der derzeitigen Situation müssten Lösungen für eine sichere und barrierefreie Kommunikation gefunden werden. Schutzmasken mit Sichtfenster könnten eine Hilfe sein, durch das mögliche Beschlagen des Fensters jedoch auch nur eingeschränkt. "Zudem hilft es, wenn Geschäfte Papier und Stift bereitstellen", sagte Rösch. Auch die Spracheingabe über das Smartphone könne die Kommunikation in Zeiten der Mundschutzpflicht erleichtern.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund schätzt die Gruppe der Gehörlosen oder Hörgeschädigten in Rheinland-Pfalz auf etwa 6000 bis 8000 und in ganz Deutschland auf rund 80.000 bis 100.000 Personen.

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