Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Verwaltung legt Vorschlag zu künftigen Neubauflächen vor / Diskussionsgrundlage für Gemeinderat

35 Hektar sollen bleiben, aber anders verteilt werden

Archivartikel

In den kommenden Wochen kann der Gemeinderat von Edingen-Neckarhausen die Weichen für die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte stellen: Wo könnte einmal gebaut werden, wo nicht. Die Verwaltung legt dazu einen Vorschlag vor, von dem Bürgermeister Simon Michler hofft, dass er „konsensfähig“ ist. „Ziel wäre natürlich ein einstimmiger Beschluss“, sagte er gestern im Pressegespräch. Fallen soll dieser Beschluss im Juni. In der nächsten Gemeinderatssitzung am 16. Mai steht zunächst die Diskussion im Mittelpunkt.

Hintergrund ist der Flächennutzungsplan, den der Nachbarschaftsverband derzeit überarbeitet, also fortschreibt. Der Plan legt für alle 18 Mitgliedskommunen mögliche Entwicklungsflächen für die nächsten 10 bis 15 Jahre fest. Aktuell gibt es dazu einen Vorentwurf – und ein reges Interesse an Selbigem in Edingen-Neckarhausen: 77 Stellungnahmen aus der Doppelgemeinde hatte der Nachbarschaftsverband während der Öffentlichkeitsbeteiligung erhalten (wir berichteten). Insgesamt 254 Unterzeichner haben darin Kritik, Anregungen oder auch Lob zum Ausdruck gebracht. „Das ist viel und auch gut so“, findet Michler. Denn auf der Grundlage dieser Stellungnahmen hat die Verwaltung nun ihrerseits einen Vorschlag erarbeitet. Und der unterscheidet sich vom Vorentwurf des Nachbarschaftsverbands – seinerzeit noch in Abstimmung mit Bürgermeister Roland Marsch entstanden – zum Teil deutlich. „Es wird erhebliche Änderungen geben“, so Michler.

4,2 Hektar im Mittelgewann

Die Gesamtfläche möglicher Neubauareale meint er damit ausdrücklich nicht. „Von den rund 35 Hektar sollten wir nicht runter“, sagt er und betont: „Das heißt aber nicht, dass diese Flächen auch alle bebaut werden.“ Vielleicht spielten sie jedoch für die Entwicklung der Gemeinde einmal eine wichtige Rolle. „Es ist wichtig, Alternativen zu haben“, ergänzt Bauamtschef Horst Göhrig.

Eine wesentliche Änderung am Vorentwurf schlägt die Verwaltung beim Edinger Mittelgewann vor. „Der Bürgerentscheid muss sich widerspiegeln“, unterstreicht Michler, was er schon mehrmals betont hat. Sein Vorschlag sieht daher vor, das Areal von der Liste der kurz- bis mittelfristigen Potenziale (Zeitstufe 1) komplett zu streichen und langfristig nur 4,2 Hektar mögliches Bauland – etwa als „Abrundung“ hinter der Lipowa – auszuweisen. Im Vorentwurf zum Flächennutzungsplan ist das Mittelgewann mit 10,7 Hektar als Entwicklungsfläche der ersten Zeitstufe enthalten. Zwei Jahre müsste die Gemeinde ohnehin noch warten, bis sie das Thema nach dem ablehnenden Bürgerentscheid wieder aufgreifen könnte, so Michler. Gänzlich streichen würde er in der Konsequenz auch das Grundgewann (im Vorentwurf gut 10 Hektar langfristige Wohnbaufläche). Das Areal schließt unmittelbar an das Mittelgewann an und macht nur als dessen Fortsetzung Sinn.

„Keine ganz großen Baugebiete“

Auch hinsichtlich der Größe möglicher Bauflächen greift die Verwaltung einen von vielen Bürgern in den Stellungnahmen geäußerten Wunsch auf: „Wir wollen keine ganz großen Baugebiete in einem Wurf“, sagt Michler. Das größte zusammenhängende Areal liegt laut dem Kompromissvorschlag im Neckarhäuser Kappeseck und verfügt über je sechs Hektar pro Zeitstufe. Im Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan ist das Kappeseck überhaupt nicht als Wohnbaufläche enthalten. Im (noch) gültigen Plan hingegen sogar mit 16,8 Hektar. „Viele verstehen nicht, warum das Areal wegfallen sollte“, erklärt Michler. Lage und Zuschnitt der insgesamt zwölf Hektar wolle man – hier wie bei den anderen Entwicklungsgebieten – im Gemeinderat noch diskutieren. „Wahrscheinlich macht es Sinn, die Fläche an der Bahn freizulassen“, meint Göhrig, ohne vorgreifen zu wollen.

Areale zur Siedlungsabrundung

Auch vom Lämmerhorst will die Verwaltung nicht lassen. Knapp sieben Hektar sollen laut deren Vorschlag als Potenzial für eine „sinnvolle Siedlungsabrundung“ am Ortsrand von Neu-Edingen im Flächennutzungsplan bleiben. Gut neun Hektar waren dort schon bisher im Plan enthalten, standen aber im Vorentwurf zu dessen Fortschreibung fast komplett auf der Streichliste. Nahezu halbieren würde die Verwaltung demgegenüber die Entwicklungsfläche Kirchhofpfad. Dort, wo sich die Streuobstwiesen befinden, sollten keine Häuser entstehen, so Göhrig und Michler.

„Wir haben bei der Auswahl aller Flächen den sogenannten Fachplan Landesweiter Biotopverbund berücksichtigt“, betonen beide, dass auch dieser Einwand, den die Naturschutzverbände vorgebracht hatten, beachtet worden sei. „Wir glauben, in dem Vorschlag findet sich jeder wieder“, gibt sich Michler zuversichtlich, dafür auch im Rat eine große Zustimmung zu erhalten.