Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Interessengemeinschaft Partnerschaft und Förderverein Gemeindemuseum präsentieren ihr neues Buch

350 Seiten Völkerfreundschaft

Archivartikel

Wer ihm gegenüber sitzt, der spürt: Erwin Hund lebt für diese Partnerschaft seiner Heimatgemeinde mit dem französischen Plouguerneau. 37 Jahre hat er den Partnerschaftsverein IGP geführt, ist heute dessen Ehrenpräsident, aber auch Ehrenbürger von Plouguerneau. Es bedeutet ihm sichtlich viel, dass er am Dienstag, natürlich im „Plouguerneau-Haus“ in der Fichtenstraße, den zweiten Band des Buches über die Jumelage präsentieren konnte.

Nicht minder davon begeistert ist Dietrich Herold, ebenfalls seit langem für die Jumelage engagiert. Als Vorsitzender des Fördervereins Gemeindemuseum Edingen-Neckarhausen e. V. fungiert er als Herausgeber der Schriftenreihe „Bausteine zur Ortsgeschichte“, als deren neunte Folge das jetzige Buch erscheint.

Und schließlich: Ralf Fetzer, der als Verleger für den attraktiven äußeren Rahmen sorgt. In derartigen Werken ist er versiert – nicht nur in Edingen-Neckarhausen, sondern auch in vielen anderen Gemeinden.

In bewährter Zusammenarbeit haben die drei als Redaktionsleiter, Herausgeber und Verleger erneut ein Werk geschaffen, das seines Gleichen sucht. 350 Seiten zu Papier gebrachtes Zeugnis des Engagements für deutsch-französische Freundschaft. Und dies wird auch in der Konzeption des Werkes deutlich. Alle Beiträge sind ins Französische übersetzt, die deutschen und die französischen Texte jeweils zusammengefasst, das jeweilige Kapitel aber „auf dem Kopf stehend“; „Wendebuch“ heißt das im Fachjargon.

Finanziell gefördert wurde das Werk vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Ein Drittel der 300 Exemplare starken Auflage ist bereits auf dem Weg nach Plouguerneau.

Außergewöhnliche Konzeption

Seine erfolgreiche Fortsetzung findet damit ein Projekt, dessen Ausgangspunkt, wie so oft, ein Jubiläum war. Genauer gesagt zwei: das 40. des Partnerschaftsvereins 2016 und das 50. der Jumelage selbst 2017. In diesen Jahren ihres Bestehens wurde von so vielen so viel geleistet, das es verdient, festgehalten zu werden, dachten sich die Verantwortlichen.

Bereits der erste Band 2019 wurde aber keine klassische Chronik. Vielmehr ein Sammelband mit Darstellungen vieler Aspekte des Lebens dieser Partnerschaft. Dieses Konzept wird auch im zweiten Band fortgeführt. Dargestellt werden Aktivitäten in den Bereichen Jugend, Musik, Kunst, Theater, aber auch die menschlichen Begegnungen; aufgelistet sind 25 deutsch-französische Ehepaare, die sich durch diese Jumelage gefunden haben.

Spannend sind die Gespräche mit Zeitzeugen. Etwa jenes von Erwin Hund mit Louis Semier. Der 94-jährige Priester war „der Erste aus Plouguerneau, der nach Neckarhausen kam“. Berührend, als er erzählt, wie sich 1940 die Erschießung des Landwirts Jean-Marie Kerandel durch die Deutschen vollzog. Eine der vielen Lasten der Geschichte: „Dies führte zu einer Verstimmung, die in Plouguerneau noch präsent ist“, weiß Semier. Und doch: „Die Familie beteiligte sich an vielen Partnerschaftsbegegnungen und pflegt bis zum heutigen Tag die vor 50 Jahren entstandene, herzliche Verbindung“, berichtet Hund über die Nachkommen des toten, die er seit langem kennt.

Stolz ist der Verein, dass Alfred Grosser, der 95-jährige „große alte Mann der deutsch-französischen Freundschaft“, seit 2013 Ehrenmitglied der IGP ist. „Es wird vom Willen der politischen Entscheidungsträger und vom weiteren Engagement der Bürger in beiden Gemeinden abhängen“, schreibt Hund über die Zukunft der Jumelage. Die Voraussetzungen sind gut: Seit September wirkt die junge Französin Mathilde Moreau in Edingen-Neckarhausen – im Rahmen des Deutsch-Französischen Freiwilligendienstes. Getragen wird ihre Stelle vom Service Civique Français und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk.

2019 riefen Präsident Macron und Kanzlerin Merkel den Deutsch-Französischen Bürgerfonds ins Leben. Mit Bürger-Projekten soll er die deutsch-französische Freundschaft fördern. Beauftragter des Fonds für die Bretagne, Baden-Württemberg und Bayern ist – man mag fast sagen: wer sonst? – Erwin Hund.

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