Edingen-Neckarhausen

Neckar-Bergstraße Serie „Mutmacher“ / Der Edinger Pfarrer Bernd Kreissig lädt allabendlich zum gemeinsamen Musizieren ein

Auf Abstand, aber beim Singen vereint

„Pfarrer Kreissig ist ein echter Mutmacher, und Gesang erfreut nun mal das Herz“, bemerkte eine Stammbesucherin des „Abendsingens“. Allabendlich um 19.30 Uhr läuten die Glocken der evangelischen Kirche in Edingen. Ist ihr Klang verhallt, spielt der Geistliche auf dem Digital-Piano Kirchenlieder. Dazu nimmt er im Seiteneingang des Gotteshauses Platz, und eine kleine Schar von Sängern freut sich schon auf das gemeinsame Singen im Freien.

„Welches Abendlied möchten Sie heute singen? Ein Vorschlag, ein Wunsch?“, fragt der Pfarrer in die Runde. Eine Sängerin wünscht sich das Lied „Meine Zeit in deinen Händen.“ Die sieben „Abendsänger“, die an diesem Tag gekommen sind, stimmen das Lied gemeinsam mit dem Pfarrer an. Man sitzt oder steht auf Abstand und ist dennoch im Gesang vereint. „Mir liegt das Singen am Herzen, deshalb komme ich gerne hierher“, gesteht beispielsweise Anneliese Wacker. Sogar einen Kanon stimmt der kleine Kreis an. „Wir werden immer besser“, lobt der Pfarrer die spontan vorgetragene Gesangskunst. An den allermeisten Tagen greift er selbst in die Tasten, ist er mal verhindert, ist Kantor Dirk Apfel zur Stelle. „Auch in der Corona-bedingt gottesdienstfreien Zeit wollen wir untereinander in verschiedenster Form Kontakt halten, das ,Abendsingen’ ist eine davon“, betont Bernd Kreissig.

Diese Woche erster Gottesdienst

Bisher seien allabendlich immer ein paar Leute gekommen, nur ein einziges Mal blieb der Geistliche allein: „Da hat das Wetter nicht mitgespielt, aber ansonsten hatten wir bisher echtes Wetterglück“, erinnert er sich. Schön sei auch, dass immer mal wieder jemand Neues dazukomme und mitsinge. Aber nicht nur vor, auch im Gotteshaus soll wieder Leben herrschen. „Wir haben die Kirche ausgemessen, Plätze nummeriert und alle Vorkehrungen getroffen, um das von der Landeskirche entwickelte Schutzkonzept umzusetzen. An Christi Himmelfahrt feiern wir erstmals wieder Gottesdienst“, kündigte der Pfarrer an. In der Kirche darf nicht gesungen werden, es wird das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes empfohlen, und der Gottesdienst soll nicht länger als etwa 30 Minuten dauern. Die Besucherzahl ist aufgrund der Abstandsregeln begrenzt, Ordner weisen die Plätze an.

„Ich freue mich darauf, dass es in unserer Kirche wieder einen Gottesdienst geben wird, auch wenn wir vorm Normalzustand noch weit entfernt sind“, konstatiert der Pfarrer. Auf dem Dachboden der Kirche hatte er ein altes Kreuz gefunden, das jetzt vor der Kanzel hängt. „Es symbolisiert eigentlich die Passionszeit mit einem aus Stacheldraht umwickelten Kreis, als Dornenkrone und dem zerborstenen Holz“, erklärt der Pfarrer und fügt an: „Corona ist die lateinische Bezeichnung für Krone, und so haben wir jetzt mit der stacheligen Variante unser Corona-Kreuz in der Kirche hängen“, interpretiert Bernd Kreissig das Objekt ganz zeitgemäß.

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