Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Bäcker-Genossenschaft sieht Standort gefährdet / Notfalls Klage gegen Bebauungsplan / Investition auf Eis

Baugebiet in der Nachbarschaft bringt Bäko in die Bredouille

Auf der einen Seite der Straße liegt das Unternehmen Bäko, auf der anderen Seite eine große Wiese. Dort will die Gemeinde ein kleines Baugebiet ausweisen, auf dem rund 24 Wohnhäuser entstehen könnten. Doch genau dadurch sieht sich die Bäcker-Genossenschaft Bäko in ihrem Bestand gefährdet.

Der Streit darüber ist nicht neu. Bereits im Jahr 2017, als es im Gemeinderat um den Bebauungsplan ging, wurden die Bedenken des Unternehmens dagegen erörtert. In der Folge gab es Ende 2017 ein Gespräch mit Vertretern der Gemeinde und der Fraktionen auf der einen Seite und Bäko auf der anderen. Auch ihre Anwälte hatten beide Seiten dabei.

Differenzen um Lärmschutz

Die Ergebnisse dieser Gespräche werten beide Seiten unterschiedlich. „Wir haben die Bedenken durch umfangreiche Lärmgutachten berücksichtigt“, erklärt Bürgermeister Simon Michler. Das sieht man bei Bäko ganz anders. Die beiden Vorstände Reiner Jung und Jochen Früauff sind gebrannte Kinder, was das Thema Lärmschutz angeht. Als das Unternehmen 1997 seinen Frischdienst erneuerte und in ein Kühllager investierte, habe es von den Bewohnern der Reihenhäuser jenseits der Straße massive Einwendungen gegeben.

Die Bäko musste deshalb damals nach eigenen Angaben massive Schallschutzmaßnahmen treffen und für 600 000 Euro einen Lkw-Hof bauen. Eine spezielle Paneele sorgt hier dafür, dass vom Lärm beim Be- und Entladen der Lastwagen so wenig wie möglich nach draußen dringt. In jüngster Zeit wurde außerdem ein altes Schallschutztor durch ein neues ersetzt und auf zwei Meter erhöht, wie Früauff dem „MM“ bei einem Rundgang durch den Betrieb erklärt.

Vor 50 Jahren sei das Unternehmen in Ortsrandlage entstanden, in der Zwischenzeit sei die Wohnbebauung immer näher herangerückt, erläutert der Vorstand. Jüngstes Beispiel: Wohnhäuser an der nordöstlichen Spitze des Areals in der Freiherr-von-Drais-Straße. Hier habe man deshalb mit einer Gabionenwand für Abschirmung gesorgt.

Investitionen teilweise auf Eis

2011 entstand ein neues Hochregallager. Hier befinden sich Rohstoffe für die Bäcker wie Mehl ebenso wie Produkte, die die Kunden im Einzelhandel verkaufen. „Insgesamt ist die Bäckerwelt auch keine rosige“, weiß Früauff um die Sorgen seiner Kunden. Immer mehr geben ihr Handwerk auf. Trotzdem will Bäko weiter investieren, denn das Unternehmen beliefert auch Großbäckereien wie Görtz. So sollen für knapp 900 000 Euro Tore im Warenausgang und Ladeschleusen erneuert werden.

Um die Kunden künftig in einem Zug mit (gekühlter) Frischware und (ungekühlten) Trockenprodukten beliefern zu können, soll eine neue Kommissionierzone für 2,5 Millionen Euro gebaut werden. Diese Investition hat das Unternehmen nach eigenen Angaben wegen der Unsicherheit um das Baugebiet erst einmal zurückgestellt. „Ohne diese Investition ist der Standort massiv gefährdet“, unterstreichen Jung und Früauff unisono.

Im äußersten Fall müsste Bäko den Standort aufgeben und nach Alternativen suchen, erklärt Früauff. Eine denkbare Variante wäre der Bäko-Standort Ladenburg auf der anderen Neckarseite. Nach der Verschmelzung der Zentralen Nord und Süd sei eine Schließung dieses Standorts denkbar. Ob es tatsächlich soweit kommt, ist fraglich, denn Bäko hat in der Vergangenheit in Neckarhausen viele Millionen investiert. Sicher ist allerdings, dass der Vorstand notfalls gegen den Bebauungsplan vor Gericht ziehen will. Die Erfolgsaussichten bewerten beide Seiten natürlich unterschiedlich. Aber selbst, wenn Bäko vor Gericht scheitert, hätte eine Klage mindestens eine massive zeitliche Verzögerung für das Baugebiet zur Folge.

Die Pläne zur Bebauung sind übrigens nicht neu. „Wir wollten das schon Mitte der 1990er Jahren bebauen“, erinnert sich der damalige Bürgermeister Roland Marsch. In der Diskussion eines größeren Gesamtpaketes sei dies dann als Kompromiss zurückgestellt worden, um es in Reserve zu behalten. Es sei vor allem darum gegangen, das Entree von Neckarhausen offen zu gestalten, erzählt der frühere Gemeinderat Walter Köhler. Seine ehemalige Kollegin Heidi Gade dagegen meint sich zu erinnern, dass auch damals schon der Lärmschutz und Bäko ein Argument gewesen sei. Marsch indes bestätigt das nicht.