Edingen-Neckarhausen

Edingen Anwohner lehnen massive Bebauung auf den Tennisplätzen ab / Unterschriftenaktion geplant

Bürger machen für Park mobil

Archivartikel

Gegen den geplanten Bau von Mehrfamilienhäusern auf dem Gelände der Tennisplätze in Edingen wächst der Protest. Betroffene Anwohner wollen jetzt die Initiative „Wir für den Park“ gründen und Unterschriften gegen das Projekt sammeln.

„Wir sind nicht generell gegen eine Bebauung“, erklärt Michael Krüger dem „MM“ vor Ort. Mit Einfamilienhäusern auf dem Gelände der Tennisplätze, die demnächst ins Sportzentrum umziehen, könne er leben. Was ihn und seine Mitstreiter stört, ist jedoch der jetzt diskutierte Bau von sechs Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage sowie einer Reihenhauszeile entlang der Straße Hundert Morgen. Die dort möglichen 40 Wohnungen sind nach seiner Überzeugung überdimensioniert. In dem gesamten Quartier Hundert Morgen gebe es nur rund 30 Einheiten, rechnet er vor.

Dafür den kleinen Park zwischen Tennisplätzen und Schulzentrum zu opfern, nennt Christoph Buzello widersinnig. „Wir nehmen uns damit eine der letzten innerörtlichen Grünflächen“, kritisiert er. Wiese, Bäume, ein Spielplatz und Bänke zum Verweilen – vieles davon müsste weichen, wenn die aktuellen Pläne zur Bebauung umgesetzt würden.

Einige Bewohner des Viertels sind bereits im Rentenalter, haben keine kleinen Kinder mehr. Doch das Quartier befindet sich in einem Generationswandel, wie die junge Mutter Nadine Loew betont. Sie wohnt mit ihrer Familie erst seit Kurzem hier und freut sich über das Stück Natur vor der Haustür, mit Bäumen, die Schatten spenden und einem Hügel, der im Winter bei Schnee zum Rodeln einlädt. „Hier hat mein Sohn das Radfahren gelernt“, erzählt sie. Dass Wohnungen gebraucht werden ,weiß sie aus eigener Erfahrung. Aber hier hält sie die Pläne für zu exzessiv.

„Außenentwicklung nötig“

„Es geht nicht ohne Außenentwicklung“, glaubt auch Christoph Buzello. Mit anderen Worten: Ein Neubaugebiet am Ortsrand wäre ihm lieber als die massive Bebauung einer Lücke im Innern. „Die Innenverdichtung ist ein schwaches Argument“, findet Michael Krüger. Er hält noch eine ganz andere Variante für denkbar: „Warum baut man nicht einfach die Kita Neckar-Krotten auf den Tennisplätzen statt im Gemeindepark?“ Dann, so argumentiert er, könnten beide Parks erhalten werden.

Bürgermeister Simon Michler teilt diese Einschätzung allerdings nicht. „Das würde doppelt und dreifach kosten“, lehnt er diesen Vorschlag rundweg ab. Mit den Anwohner sei er im Dialog, versichert er. „Was jetzt geplant ist, finde ich durchaus anwohnerfreundlich“, sagt Michler. Auch mit einer Bebauung bleibe das Areal ein „herrliches Gebiet“. Der Bürgermeister schließt nicht aus, dass die Gemeinde den Anwohnern noch ein Stück entgegenkommt. Das „Heiligtum Rodelhügel“ nennt er dabei als Beispiel. Für ihn steht aber auch fest: „Nichts zu machen und gar nicht zu bauen, das können wir uns nicht leisten.“ Die Gemeinde sei darauf angewiesen, Wohnraum zu schaffen und Geld einzunehmen. Denn mit dem Erlös aus dem Grundstücksverkauf müssten wichtige anstehende Investitionen finanziert werden.

Die Entscheidung über die Bebauung der Tennisplätze ist erst einmal vertagt. Im September, spätestens aber im Oktober soll der Gemeinderat festlegen, wie es zwischen den Wohngebieten Hundert Morgen und Starenweg weitergeht. Gut möglich, dass neben der Sitzungsvorlage der Verwaltung dann auch noch ein Stapel Unterschriften gegen das Projekt auf dem Ratstisch liegt. Denn die wollen Michael Krüger und seine Mitstreiter der Bürgerinitiative in den nächsten Wochen sammeln.