Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Lokale Wirtschaftsförderin informiert den Gemeinderat über ihre Arbeit

Carola Koch: „Ohne Glasfaser sind wir verloren“

Archivartikel

Seit fast drei Jahren ist Carola Koch (kleines Bild) nun als Stabsstelle von Bürgermeister Simon Michler im Amt und damit federführend für die Wirtschaftsförderung in der Gemeinde Edingen-Neckarhausen zuständig. Jetzt legte sie im Gemeinderat erstmalls öffentlich Rechenschaft über ihre Arbeit ab.

„Unsere Infrastruktur ist gut, das hören wir immer wieder“, stellte Koch einleitend fest. Zu den guten Rahmenbedingungen zähle auch ein relativ günstiger Steuerhebesatz in einer attraktiven Wohngemeinde. 1059 Betriebe seien im Rathaus erfasst. „Da ist aber jeder Tupperverkäufer und Solaranlagenbetreiber dabei“, relativierte die Wirtschaftsförderin und ergänzte: „Wir werden nie der große Industriestandort werden.“ Bei den Betrieben gebe es viele Neuanmeldungen durch Existenzgründung, aber auch viele Abmeldungen.

„Ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit ist das Flächenmanagement“, erläuterte sie weiter. Derzeit lägen 30 Initiativanfragen von Gewerbetreibenden vor, die Interesse hätten, sich in der Gemeinde zu entwickeln. „Aber leider haben wir kaum verfügbare Flächen.“ Nicht zuletzt deshalb sei das Gewerbegebiet am Hilfeleistungszentrum so wichtig. Hier rechnet die Gemeinde inzwischen bis Ende 2020 mit der Rechtskraft des Bebauungsplans, wie sie dieser Tage allen Interessenten in einem Brief schreibt.

Probleme mit Leerständen

Eine weitere Möglichkeit, Gewerbetreibende unterzubringen, sind Leerstände. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. „Erstaunlich viele Eigentümer wollen nicht, dass ihre Leerstände publiziert werden“, erklärte Koch. Auch durch den Datenschutz seien der Gemeinde hier die Hände gebunden.

„Betriebsbesuche waren uns von Anfang an wichtig“, nannte sie eine ihrer zentralen Aufgaben, die sie gemeinsam mit Michler wahrnimmt. Was dabei immer wieder zur Sprache kommt, ist das Internet. „Breitband ist ganz wichtig“, unterstrich die Wirtschaftsförderin. Nach der Fertigstellung des Backbones, des Gerippes, bestehe nun die Möglichkeit, Glasfaser bis in die Häuser zu legen. Einen konkreten Termin dafür könne sie aber derzeit nicht nennen. Auch der Rhein-Neckar-Kreis hatte in der Vergangenheit entsprechende Zeitziele immer wieder nach hinten verschoben. Gleichwohl betonte Koch an diesem Abend: „Wenn wir kein Glasfaser haben, sind wir verloren.“

Ein enger Draht besteht nach Angaben von Koch zum örtlichen Bund der Selbstständigen (BdS). Der Gewerbeverein sei zwischenzeitlich etwas eingeschlafen, „wir sind aber auf dem Weg nach oben.“ Als Beispiel nannte sie den Taler, der wiederbelebt worden und gerade im Kommen sei: „Eine eigene Währung ist ’was tolles.“ Eine Leistungsschau wie in früheren Jahren werde es wohl nicht wieder geben. Der Aufwand sei sehr groß. „Das ist richtig viel Arbeit und auch finanziell ein riesiger Aufwand.“ Stattdessen sollten andere bestehende Veranstaltungen genutzt werden, um das örtliche Gewerbe zu präsentieren.

Beifall am Ende

Dass die Arbeit von Carola Koch im Gemeinderat positiv ankommt, zeigte der Beifall am Ende ihrer Präsentation. „Die Ausführungen haben meine Erwartungen erfüllt, und die waren nicht niedrig“, sagte Gemeinderat Dietrich Herold (UBL): „Kompliment, was Sie da auf die Beine gestellt haben.“ CDU-Sprecher Bernd Grabinger bedankte sich für die umfangreiche Darstellung: „Es ist nötig, zu sehen, wo überall angepackt wird.“ Vielleicht könne man auch mal eine Gewerbeschau im Gewerbegebiet Edingen-Nord durchführen, regte er an.

„Wir brauchen uns vor unseren Einzelhändlern und Dienstleistern nicht zu verstecken“, lobte Thomas Zachler (SPD). Besuche des Gemeinderates in den Betrieben oder umgekehrt schlug Thomas Hoffmann (OGL) vor. „So eine Diskussion bringt immer wieder neue Anregungen“, freute sich Bürgermeister Simon Michler abschließend.