Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen OGL paddelt mit Kandidaten zur Gemeinderatswahl auf dem Neckar

Der Fluss soll wieder erlebbar werden

Spaziergänge oder Radtouren im Wahlkampf sind nicht neu, aber eine Kanutour auf dem Neckar, das gibt es eher selten. Die Offene Grüne Liste (OGL) in Edingen-Neckarhausen hat das Experiment gewagt, doch beim Paddeln auf dem Wasser blieben die Kandidaten für die Gemeinderatswahl weitgehend unter sich. Am Ende passten die Teilnehmer auf ein großes und ein kleines Boot.

Vom Neckar aus die Gemeinde zu betrachten, das eröffnet ganz neue Perspektiven. Für die nötigen Erläuterungen sorgte dabei Herbert Henn als Kenner der lokalen Geschichte und des Hausflusses. Ausführlich erläuterte er den Paddlern die Entwicklung vom „wilden Gesellen“ zur gezähmten Wasserstraße und erinnerte an den verheerenden Jahrhundert-Eisgang von 1784, der weite Teile von Neckarhausen unter sich begrub und viele Menschen in den Tod riss. Dass es sich beim Neckar heute nach Ansicht von Fachleuten zugleich um den schmutzigsten Fluss Deutschlands handelt, blieb dabei nicht unerwähnt. Vor allem industrielle Abwässer sorgen für Probleme, wie zuletzt mit Trifluoracetat, das vom Solvay-Werk in Bad Wimpfen den Weg bis ins Grundwasser der Gemeinde fand. Dass auch die Gemeinde selbst zeitweise zur Verunreinigung ihres Hausflusses beiträgt, zeigten die beiden großen Klappen, die unterhalb des Rathauses bei Starkregen die schmutzige Fracht in den Neckar entlassen.

Am ökologischen Vorzeigeprojekt Fischkinderstube erörterten die grünen Kanuten die Vorzüge des künstlichen Gewässers, warfen aber auch die Frage auf, warum es hier einen Ein- und einen Auslauf geben muss. Die Brücke über den Auslauf sei zugleich eine Brücke zwischen den Ortsteilen, sinnierte ein Teilnehmer, ein anderer wunderte sich indes über die Dimensionen des Betonbauwerks, obwohl dieses nur Fußgänger und Radfahrer tragen müsse.

„Unser Ziel ist es, das Idyll in der Gemeinde zu erhalten“, formulierte OGL-Fraktionschef Thomas Hoffmann, wieder zurück auf dem Land: „Dazu gehört auch der Neckar.“ Den Fluss erlebbar zu machen, das sei eines der Ziele seiner Gruppe. Man wünsche sich deshalb mehrere Zugänge zum Wasser und einen effektiven Schutz von Fisch- und Vogelwelt.

Während die Fahrt auf dem Wasser durch einen naturnahen Seitenarm auf Ladenburger Seite führte, richteten sich am Krottenneckar in Edingen besorgte Blicke ans Ufer. „Das Regierungspräsidium muss endlich dafür sorgen, dass der Schlamm hier ausgebaggert wird“, forderte Hoffmann einmal mehr. Das sei Sache des Landes und koste die Gemeinde keinen Cent.

Gleichwohl sieht er auch die Kommune in der Pflicht: „Die Flusslandschaft ist für uns ein Alleinstellungsmerkmal, da muss man mehr draus machen.“ Die Zukunftswerkstatt habe dazu ebenfalls einige Ideen entwickelt: „Das unterstützen wir.“